Es geschah im East End

Im East End sind Pubs aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Foto: em

„Dieser Rundgang führt Sie durch die alten Gassen von Whitechapel, zu sechs der originalen Tatorte von Jack the Ripper“, verkündet der Guide Molly mit lauter fester Stimme. Zu dem Walk durch das ehemals düstere East End sind erstaunlich viele Leute gekommen. Sie wollen alle einmal Sherlock Holmes und Doktor Watson spielen und anhand von harten Daten und Fakten aus dem mörderischen Jahr 1888 ihre eigenen Schlüsse ziehen.

Tatsache ist, dass Jack the Ripper nach elf Morden an Prostituierten, alle über 40, nie gefasst wurde. Es waren stets mittellose Frauen, die mehr oder wenig anonym und schutzlos in der großen Stadt lebten. Die Polizei benannte den flüchtigen Täter nach einem Schreiben, das mit Blut gekritzelter Unterschrift „Jack the Ripper“ bei ihnen einging.

Das East End war, besonders im viktorianischen Zeitalter, das Armen- und Einwanderungsviertel. Über eine Million Menschen lebten hier auf engsten Raum. Wer im East End Arbeit hatte, schuftete unter unzumutbaren Verhältnissen, zum Beispiel in den Zündholzfabriken, wo sich fast jeder eine Phosphorvergiftung holte. Wegen der Armut zerbrachen die Ehen. Dann waren die Frauen auf sich alleine gestellt. Arm und ohne Beruf blieb ihnen meist nichts anderes übrig, als sich zu prostituieren, wenn sie überleben wollten.

In der Fashion Street angekommen, hat man bereits einige Tatorte begutachtet. Was den Fall Mary Jane Kelly betrifft, so ist dies wohl der grausamste von allen gewesen. „Ein Zeuge berichtete der Polizei“, so Molly, „an diesem 8. November 1888, Mary noch gesehen zu haben. Sie hätte mit einem Mann geredet, ihn geküsst und beide seien gemeinsam in die White’s Row gegangen. Der Mann trug einen langen, dunklen Mantel, ein rotes Schaltuch und eine große schwarze Tasche.

„Diese Beschreibung hatte die Polizei von unterschiedlichen Personen öfter gehört. Mary war von da an nirgendwo mehr lebend gesehen worden. Der Vermieter entdeckte tags darauf ihre Leiche. Und die Polizei hatte wie immer keine Spur. Am Ende des Walks geht es zur Entspannung in den Ten Bells Pub aus dem Jahre 1755, der nur einen Steinwurf von hier liegt und in dem Mary Jane Kelly regelmäßig zu Gast war. Seit einigen Jahren liegt das East End nämlich voll im Trend. Doch die Mördergeschichte von Jack the Ripper bleibt nach wie vor ein gruseliges Kapitel in der Londoner Stadtgeschichte.

Weitere Auskünfte

Visit Britain: www.visitbritain.com
Jack the Ripper Walk: www.walks.com. Da sich der letzte Serienmord vor 125 Jahren ereignete, gibt es in diesem Jahr eine Spezialführung von einem „Ripper-Kenner“. Die Tour kostet neun Pfund pro Person. Informationen: www.jack-the-ripper-tour.com.

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