Landschaften, Zeiten, Kulturen

Der Berlin-Warszawa-­Express ist zwischen den Hauptstädten mehrmals am Tag unterwegs. Foto: cml
Ein tolles Etappenziel auf der Strecke ist Posen, hier der Schlossgarten. Foto: cml

Es gibt Züge, die bringen einen einfach von A nach B. Und es gibt den Berlin-Warszawa-Express – eine Bahn, die mehr ist als nur Transportmittel. Wer in Berlin in einen der blau-weißen Wagen steigt, geht auf eine Reise durch Landschaften, Zeiten und Kulturen.

Bereits seit den 2000er-Jahren verbindet der Zug die Hauptstädte Berlin und Warschau miteinander. Betrieben wird er von der Deutschen Bahn und der polnischen PKP Intercity. Zum Einsatz kommen aber ausschließlich Wagen der PKP, insgesamt sechs pro Zug, darunter ein Waggon der 1. Klasse.

Die Ausstattung ist komfortabel und funktional, ähnlich wie unsere Intercity-Züge. In der 2. Klasse stehen klassische Sechser-Abteile und Großraumwagen zur Auswahl. Die blauen Sitze sind bequem – besonders angenehm für große Menschen ist die Beinfreiheit im Großraumwagen, die im Vergleich zu unseren Zügen deutlich großzügiger ausfällt.

Täglich unterwegs, oft ausgebucht

Ein echtes Highlight ist das Bordrestaurant. Dieses wird vom renommierten polnischen Gastronomieunternehmen Wars betrieben. In der kleinen Küche werden Speisen wie Pierogi, Zurek oder Schnitzel frisch zubereitet. Der Duft von Gebratenem zieht durch den Wagen, das Klappern von Besteck mischt sich mit Gesprächen auf Deutsch, Polnisch und Englisch. Die Atmosphäre: international und herzlich. Kein Wunder, dass der Speisewagen meist voll ist.

Aber auch generell ist der Eurocity oft aus­gebucht, trotz einiger täglicher Verbindungen. Auf der Fahrt durch das östliche Brandenburg fährt der Zug vorbei an Feldern, Wäldern und kleinen Ortschaften. Hinter Frankfurt/Oder ist der Wechsel fast unmerklich: andere Durchsagen und andere Schilder.

Erster Stopp in Polen ist der nur 18 Kilometer von Frankfurt entfernte Bahnhof Rzepin, gefolgt von der Kleinstadt Schwiebus, die rund 70 Kilometer östlich der deutsch-polnischen Grenze auf der Lebuser Seenplatte liegt und die mit 36 Metern weltgrößte Christusstatue beherbergt.

Nach zweieinhalb Stunden erreicht der Zug Posen. Wer in der fünftgrößten Stadt Polens einen Zwischenstopp einplant, kann mit dem nächsten Zug weiterreisen. Posen zählt zu den schönsten Citys in Polen und begeistert nicht nur mit Renaissancegiebeln, bunten Fassaden und den Posener Martinshörnchen. Wer hier aussteigt, trifft auf Geschichte, Stolz und Gastfreundschaft – und vielleicht auf ein Straßenmusikertrio, das zwischen den Marktplatzcafés spielt.

Zwischendurch aussteigen in Posen

Überhaupt ist der Marktplatz zu jeder Tageszeit einen Besuch wert. Hier findet man die kleinen bunten Häuser, welche die Postkarten zieren, das Waagehaus und auch das alte Rathaus. Letzteres zieht um 12 Uhr und um 15 Uhr die Besucherströme an, denn dann zeigen sich in über der Turmuhr zu den Trompetenklängen die kämpfenden Ziegenböcke. Ebenfalls sehenswert ist die barocke Kirche des heiligen Stanislaus, die Dominsel und das Kaiserschloss. Auch der Stadtteil Mural in Srodka lohnt einen Besuch.

Zurück im Zug rollen die Reisenden an kleinen Bahnhöfen vorbei, ebenso Felder, Wäldchen, Industrieanlagen und Kirchtürme. Nach fünfeinhalb Stunden ist das Ziel Warschau erreicht. Die Skyline aus Beton und Glas kündigt die Metropole früh an. Hier pulsiert das neue Polen – laut, widersprüchlich, faszinierend.

Das Erste, was einem beim Verlassen des Bahnhofs ins Auge fällt, ist der Kulturpalast. Das heutige Wahrzeichen der City war ein Geschenk von Stalin und wurde 1955 errichtet. Ein weiteres Must-see ist das historische Zentrum. Es ist eine der besten Altstadt-Rekonstruktionen der Welt und gehört deshalb zum Unesco-Weltkultur­erbe. Aber auch ein Spaziergang entlang der Weichsel lohnt.

Warschau steht für Vergangenheit und Zukunft, Traum und Realität – und damit für ein würdiges Ziel für eine Reise, die in Berlin begann und unterwegs ein Stück Europa erzählt hat.

Buchung und Fahrpreise

Der Berlin-Warszawa-Express fährt an Werk­tagen sechsmal und an Sonntagen fünfmal pro Tag von Berlin nach Warschau. Tickets für den reservierungspflichtigen Zug sind über die Vertriebswege der Deutschen Bahn und somit auch über DB-Agenturen erhältlich und können bis maximal acht Wochen im Voraus gebucht werden. Nach Posen sind Fahrkarten ab 19,99 Euro und nach Warschau ab 29,99 Euro in der 2. Klasse buchbar.

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