Marseille: Bouillabaisse oder Couscous?

Die Cathedrale de la Major liegt mitten im afrikanischen Viertel.
Die Cathedrale de la Major liegt mitten im afrikanischen Viertel.
Ein Skorpion auf der Stirn ist nicht jedermanns Sache.
Ein Skorpion auf der Stirn ist nicht jedermanns Sache. Fotos: jm

Marseille ist garantiert keine Traumstadt. Aber Marseille ist spannend. Furchtbar spannend! Und das liegt vor allem am so genannten afrikanischen Viertel. Es schmiegt sich an den dominierenden Vieux Port an, in dem jahrhundertelang reger Handel mit der halben Welt betrieben wurde. Und so kamen und gingen Menschen aus allen Teilen der Erde. Einige blieben und siedelten sich im ehemaligen Fischerviertel Le Panier an, im heutigen afrikanischen Viertel. Besonders Menschen aus afrikanischen und arabischen Kulturkreisen bestimmen das Leben in den Straßen und Gassen.

Sie sorgen für Abwechslung auf den Speisekarten, sind Hafenarbeiter oder verdienen als Gaukler ihr Geld und zeigen sich mit (entgiftetem) Skorpion auf der Stirn. Sie arbeiten als brave Händler und Verkäufer, andere verticken Geklautes und Gefaktes. Auch so manche Dame wartet nach der Dämmerung auf Kundschaft. Die goldene Madonna auf der hoch über Marseille gebauten Notre-Dame de la Garde drückt da – wie auch die Polizei – schon jahrzehntelang beide Augen zu.

Le Panier ist nicht gefährlich, aber man sollte beim Bummel wachsam sein und weder eine dicke Kamera noch andere Wertsachen zur Schau stellen. Und wenn es dunkel wird, kann man noch eine leckere Bouillabaisse schlürfen, Couscous essen oder Thieboudienne (gesprochen: Sebujen) genießen. Der Fang des Tages wird mit einer Zwiebel-Kräuter-Mischung gefüllt und mit Reis und Gemüse serviert– alles übrigens zu sehr moderaten Preisen.

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Das afrikanische Viertel liegt genau auf den Sockeln des ursprünglichen Marseille. Leider ist von den ehema‧ligen antiken Stätten nichts mehr zu sehen. Ältestes und markantestes Bauwerk ist die romanisch-byzantinische Cathedrale de la Major, die zur Zeit von Napoleon Bonaparte entstand.

Obgleich der Vieux Port durch den neuen Port Auto‧nome de Marseille seine wirtschaftliche Funktion verloren hat, was der Wald an Segelmasten privater Yachten im alten Hafen belegt, hat das Viertel nichts von seiner Atmosphäre verloren.

Auch das angrenzende Canebier wurde vom kosmopolitischen Flair erfasst und bietet dem Besucher auch noch die eine oder andere Abwechslung – wie das Musee d’Histoire de Marseille, in dem mehr als 2.000 Jahre Geschichte der Stadt dokumentiert werden oder den Marche des Capucins, ein Obst- und Gemüsemarkt mit Waren aus aller Welt.

Überall duftet es nach Gewürzen, Stimmen sind zu hören, die klingen, als sei man in Tanger oder Marrakesch, und bunt gewandete Frauen prägen das Bild, als sei die Stadt ein Stück Westafrika. Mit Marseille ist das eben so eine Sache: Es kein Traumziel, aber spannender als viele dieser so genannten Traumziele.

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