Safranbolu: Wo die Osmanen Städtebau lernten

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Historisches Haus in Yörük Köy. Foto: mg


Filiz ist nie weit gereist und trotzdem ein Star: Mit ihren Geschichten macht sie Yörük Köy bei Safranbolu bekannt. Zwischen osmanischen Holzhäusern, Traditionen und Touristen zeigt sich eine Türkei abseits der großen Reiserouten.

Weit gekommen ist Filiz nicht in ihrem Leben. Das anatolische Dorf Yörük Köy ist ihre Heimat, hier sie ihr ganzes Leben verbracht. Ein einziges Mal war sie in Istanbul, die Türkei hat hat sie nie verlassen. Und dennoch ist Filiz international bekannt. Facebook und Youtube sei Dank.

Der Grund dafür ist ihre Art zu erzählen. Als hätte sie als Schauspielerin auf den Bühnen dieser Welt gestanden, führt sie Touristen durch ihr Haus und ihr Dorf. Damit von Anfang an eines klar ist: Männer sind wichtig in Yörük Köy. Aber die Frauen haben das Sagen.
Tradition wird groß geschrieben in dem kleinen Ort in der Nähe von Safranbolu nördlich von Ankara. Rund 100 Kilometer sind es von hier bis zum Schwarzen Meer.

Filiz, die Geschichtenerzählerin

Filiz ist Alevitin und lebt in der achten Generation im Haus ihrer Vorfahren. Die kamen als Nomaden in die Region, wurden später mit ihren Viehherden sesshaft und noch später hervorragende Bäcker. In den großen Städten verdienten sie damit gutes Geld – und bauten sich zu Hause prachtvolle Häuser. Viele sind heute verfallen, denn die Jugend zieht vom Land in die Stadt. Tourismus ist die einzige Chance, Orte wie Yörük Köy am Leben zu erhalten. Inzwischen gibt es drei, vier nette Cafes im Ort, ein schönes Boutique-Hotel und einige Konaks, das sind zu Gästehäusern umgebaute historische Stadthäuser.

Die meisten Gäste kommen dennoch nur für eine Stippvisite. Denn 15 Kilometer entfernt befindet sich Safranbolu – eine Handelsstadt, die während ihres Höhepunktes im 17. Jahrhundert die städtische Entwicklung im gesamten osmanischen Reich beeinflusst hat und deren alter Teil so gut erhalten ist, dass er seit 1994 unter dem Schutz der Unesco steht.

Wo Tradition zu neuem Leben erwacht

Safranbolu ist ein typisch ottomanische Stadt. Im 13. Jahrhundert war sie eine bedeutende Karawanenstation. Eine der Karawansereien ist heute ein Cafe und Gästehaus. Im alten Basar, dessen Beginn auf das Jahr 1661 datiert wird, stehen heute noch jahrhundertealte Handwerkshäuser aus Holz. Unten befindet sich die Werkstatt oder eben das Geschäft, darüber die Wohnung.

Open-Air-Cafe in Safranbolu. Foto: mg

Schon im 17. Jahrhundert erhielt die Altstadt eine Kanalisation, das historische Badehaus, ein Hammam, hat über 250 Jahre auf dem Buckel. Es ist noch heute in Betrieb: Frauen können zwischen 9 und 21 Uhr baden, Männer sogar von 6 bis 23 Uhr.

Safranbolu: Osmanisches Erbe mit Zukunft

Geld wurde bis ins 19. Jahrhundert vor allem durch den Handel und die Karawanen verdient, zudem war und ist die Region ein Zentrum des Safrananbaus. Geld bringt heute vor allem der Tourismus: Selbst Koreaner und die Chinesen statten Safranbolu auf ihren Rundreisen durch die Türkei einen Besuch ab

Nach Yörük Köy kommen die meisten von ihnen nicht, dafür ist der kleine Ort noch nicht malerisch genug. Dafür hat es Filiz nach den vielen Filmen, die Gäste von ihr in den sozialen Netzwerken veröffentlichten, nun sogar in das neueste Werbeprospekt des türkischen Tourismusministeriums geschafft: Ein Porträt-Foto von ihr schmückt dort die gesamte Seite drei. Filiz hat es nicht weit gebracht in ihrem Leben? Von wegen!

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