Zwischen Hype und Einsamkeit

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Kiesstrand im Sonnenuntergang
Die Strände Albaniens können locker mit denen anderer Mittelmeerregionen mithalten. Foto: sl
Ein Maultier steht auf einer Wiese, im Hintergrund sind hohe Berge
Grandiose Weitblicke eröffnen sich im Valbonatal. Foto: sl
Ein älterer Mann mit Badehose und Sonnenmütze sitzt auf einer Plattform aus Beton und schaut auf einen See. Im Hintergrund sind verschwommen Berge zu sehen
Grandiose Weitblicke eröffnen sich im Valbonatal. Foto: sl

Die Ansprüche an einen gelungenen Urlaub sind ja durchaus unterschiedlich. Dennoch gibt es ein paar Basics, die bei ziemlich vielen Leuten weit oben auf der Liste stehen. Warm soll es sein, mit schönen Stränden. Und interessanten Städten. Und Natur, wenn möglich sogar Bergen! Gutes Essen, logisch, nette Leute wären auch gut. Wenn man dann noch ein paar Wünsche äußern darf: nicht zu teuer, nicht zu überlaufen, gerne ein bisschen Entdeckergeist. Na dann: Willkommen in Albanien!

Selfies vor Fachwerk

Was man als deutscher Tourist nicht unbedingt gewohnt ist: Alle Leute in Albanien finden Deutschland super, das Wort „Gjermania“ zaubert sofort ein Lächeln in die Gesichter. Jeder hat eine Schwester, einen Onkel oder einen Cousin, die oder der in Deutschland arbeitet. Oder war selbst gerade dort, wie die junge Pommesverkäuferin am Strand, die ungefragt Selfies vor fränkischem Fachwerk präsentiert. Vor nahezu jeder Unterkunft weht neben der albanischen auch die deutsche Flagge. Hinzu kommt: Fast alle fahren Mercedes; von der mit Panzertape zusammengehaltenen Schrottkarre aus den 1970ern bis zum blankpolierten SUV ist alles dabei.

Ein herzlicher Empfang ist also schon mal garantiert, wenn man in Tirana aus dem Flugzeug steigt.

Als erste Station für viele Urlauber steht der Norden des Landes mit den albanischen Alpen auf der Liste. Das Tor zu den Bergen ist die äußerst lebendige Studentenstadt Shkodra, in der man problemlos zwei oder drei Tage lang auf Entdeckungstour gehen kann. Hoch über der mehr als 2.000 Jahre alten Stadt thront die wuchtige Festung Rozafa, im Tal bestimmt der Skutarisee das Panorama. Der 48 Kilometer lange See nimmt im Sommer fast Badewannentemperatur an, mehr als die Hälfte seiner Fläche gehört zum benachbarten Montenegro.

Wie Norwegen, nur wärmer

Von Shkodra aus fahren regelmäßig Busse in Richtung Norden. Eine beliebte Route auf dem Weg in die Berge führt über den fjordähnlichen Koman-Stausee. Das türkisgrüne Wasser in Kombination mit den steil aufragenden Felsen hat definitiv etwas von Norwegen (die Temperatur muss man sich dabei allerdings um etliche Grad gedanklich nach unten korrigieren).

Die albanischen Alpen mit ihren fast 3.000 Meter hohen Gipfeln haben in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype erfahren. Insbesondere die zur Förderung des Tourismus ins Leben gerufene, grenzüberschreitende Wanderroute „Peaks of the Balkans“ zieht zahlreiche Backpacker aus aller Welt an.

Da sich fast alle auf den gleichen Pfaden rund um den hübschen Ort Theth bewegen, ist es dort mit der ersehnten Einsamkeit allerdings nicht mehr allzu weit her. Vor manchen Gipfeln entlang des Trails kommt es sogar zu regelrechten Warteschlangen – ein absurder Kontrast zu den nur wenige Kilometer abseits liegenden Bergen, die touristisch kaum erschlossen sind. Ruhe und weitgehend unberührte Natur findet man im benachbarten, idyllischen Valbonatal, wo man noch stundenlang wandern kann, ohne anderen Menschen zu begegnen.

Reisende, die eher auf Kultur aus sind, haben in Albanien ebenfalls mehr als genug zu tun. Neben den Römern haben hier unter anderem auch die Osmanen ihre Spuren hinterlassen – ebenso wie die sozialistische Diktatur, deren Erbe noch immer in Form von mehr als 100.000 im ganzen Land verteilten Bunkern sichtbar ist. Heute werden einige der Betonklötze als Pop-up-Museen oder als Fläche für Street Art genutzt, der Großteil verfällt jedoch einfach.

Historisch besonders interessant sind die Städte Kruja mit dem Museum des Nationalheiligen Skanderbeg, Berat als „Stadt der 1.000 Fenster“, die steilen Gassen von Gjirokastra und natürlich die Hauptstadt Tirana.

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Gern gesehene Touristen

Einen touristischen Aufschwung erleben seit einiger Zeit aber insbesondere die Küstenregionen. Denn natürlich sind die Strände hier ebenso schön wie in den benachbarten Mittelmeerländern. Dass es in Albanien noch ruhiger zugeht als anderswo, ist hingegen ein Trugschluss. Die Sonnenliegen sind ebenso voll wie anderswo an der Adria – mit dem Unterschied, dass das Verhältnis von Einheimischen zu Touristen noch deutlich zugunsten der Einheimischen ausfällt. Als Urlauber aus dem Ausland ist man zwar längst kein Exot mehr, aber auch noch keine Last wie in vom Overtourism geplagten Badezielen. Und wenn man sagt, dass man aus Gjermania kommt, ist ohnehin alles gut.

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