
Mauritius muss nicht überlaufen sein: Wer die Hauptinsel hinter sich lässt, entdeckt einsame Strände, seltene Tiere und kleine Inselparadiese. Auch auf Rodrigues warten Ruhe, Natur und authentische Erlebnisse.
Azurblaue Lagunen, üppiger Tropenwald und einsame Strände – so erträumen sich viele Reisesehnsüchtige gerade ihr Wunschziel für eine Winterflucht in den Indischen Ozean. „Zuerst wurde Mauritius geschaffen, dann das Paradies. Aber das Paradies war nur eine Kopie von Mauritius“, zitiert das Tourismus-Marketing der Tropeninsel gerne Mark Twain.
Inselhüpfen abseits der Massen
Doch die Insel, die der amerikanische Schriftsteller 1896 bereiste, bot damals ein denkbar anderes Bild als heute. Paradiesisch muten viele der weißen Sandstrände des Eilands zweifellos bis heute an. Nur einen Ort auf der Insel für sich ganz allein zu haben, wird für die meisten Gäste wohl ein Wunschtraum bleiben.
Mauritius gehört heute zu den zwanzig am dichtesten besiedelten Ländern der Erde. Im letzten Jahr erreichte die Zahl der Touristen, die die tropische Insel besuchten, fast das Vor-Pandemie-Niveau von annähernd 1,4 Millionen Urlaubern. 2025 dürften ähnlich viele kommen.
Naturparadiese und seltene Tierarten
Und doch kann man den Massen ausweichen. Viele Mauritius-Urlauber sehen von der Insel ohnehin nicht viel mehr als die Strände vor ihren Resorts. Etliche Veranstalter und Hotels bieten jedoch Ausflüge ins Landesinnere und zu vorgelagerten Inselchen an, wo der Andrang teils weniger stark ausfällt als an den Stränden der Hauptinsel.
Einige der Eilande, wie die Ile aux Cerfs, sind vor allem an Wochenenden überlaufen, wenn sie auch Einheimische gerne für ein Picknick besuchen. Eine Katamaran-Tour zu der ganz im Norden gelegenen Ile Plate und dem Ilot Gabriel ist ebenfalls kein Geheimtipp. Die Inselchen lohnen aber aufgrund ihrer schönen Strände und Möglichkeiten zum Schnorcheln einen Tagesausflug.
Im Südwesten ist die Koralleninsel Ile aux Benitiers ein beliebter Zwischenstopp auf Delfinbeobachtungsfahrten. Für alle Bootsausflüge gilt: Früh aufstehen und die ersten Touren zu ergattern, lohnt sich, um dem größten Ansturm zu entgehen.
Natur pur auf Mauritius – von Schildkröten bis Tropikvögeln
Auf der Ile aux Aigrettes im Südosten übernehmen mittlerweile eingeführte Seychellen-Riesenschildkröten die ökologische Rolle ihrer auf Mauritius ausgestorbenen Verwandten. Hier kann man auch endemische Vögel wie Mauritiusweber und Brillenvögelchen beobachten.
Weniger besucht sind die Felseneilande im Islets-Nationalpark. Auf der Ile aux Fouquets lassen sich die hübschen Weißschwanz-Tropikvögel beobachten, die in den Klippen nisten. Außerdem kann man hier die Ruinen eines historischen Leuchtturms besichtigen.
Abgelegene Inseln für Abenteuerlustige
Am entlegensten weit im Norden sind die Ile Serpent und Ile Ronde. Sie sind der letzte Lebensraum von Arten wie endemischen Geckos, der harmlosen Round-Island-Boa und der Flaschenpalme. Die Inseln können allerdings nur mit dem Boot umrundet werden. Für eine Anlandung benötigt man eine Sondergenehmigung.

Einige Inseln der Ruhe finden Urlauber indes auch auf der Hauptinsel. Im Vallee de Ferney etwa gelang es Naturschützern vor einiger Zeit, den Bau einer Autobahn zu verhindern, dem ein letzter Rest Urwald zum Opfer gefallen wäre. Üppig grün leuchten die Hügel in dem vom Massentourismus versteckten Tal, das heute zu Wanderungen einlädt. Rosentauben und Mauritiusfalken flattern durch das Geäst alter Takamaka- und Ebenholzbäume. Aus dem Unterholz mischt sich das Gezwitscher des Maskarenenparadiesschnäppers in das Vogelkonzert.
Ruhe und Abgeschiedenheit auf Rodrigues
Wem das immer noch nicht abgeschieden genug ist, kann von der Hauptinsel auf die rund 600 Kilometer entfernte Insel Rodrigues fliegen. Das Eiland wird bis heute nur von einer kleinen Schar an Touristen besucht. Hier gibt es nur wenige Hotels und so manchen Wanderweg und Strand hat man bisweilen noch immer ganz für sich allein.
Von Win Schumacher



