China Airlines setzt auf moderates Flottenwachstum und mehr Nachhaltigkeit. In Deutschland bleibt der Fokus vorerst auf der Strecke Frankfurt–Taipeh. Ein Ausbau ist wegen fehlender Verkehrsrechte derzeit nicht geplant.
China Airlines ist in so mancher Hinsicht noch immer eine Fluggesellschaft alter Schule. Das gilt zum Beispiel für den Vertrieb, wie Michael Biermann, seit rund zwei Jahren Marketing-Chef für Europa, berichtet. „Wir haben tatsächlich noch Kunden, die Tickets direkt bei uns am Counter kaufen oder telefonisch bestellen.“ Auch dem unaufhaltsamen Trend in der Branche, die Produkte immer mehr und zum Teil auch ausschließlich über den neuen Datenstandard NDC zu vertreiben, widersetzt sich der asiatische Carrier bislang wacker.
Trotz dieser Beständigkeit sei bei China Airlines aber „vieles in Bewegung“, erzählt der Manager. Sein neuer Posten ging einher mit der Verlegung des „Regional Office“ von Amsterdam nach Frankfurt, seitdem betreut von dort aus ein rund 20-köpfiges Team die Märkte auf dem Kontinent sowie in Großbritannien, Nordafrika und im Mittleren Osten. Gerade hat sich die Zentrale in der Frankfurter Innenstadt noch einmal vergrößert, Biermann selbst fungiert zudem interimsmäßig als Gesamtleiter der europäischen Niederlassungen.
Moderates Wachstum der Flotte
Einiges los also bei Taiwans größter Fluglinie, was auch für die strategischen Weichenstellungen der kommenden Jahre gilt – etwa in puncto Flotte. Bis Ende des Jahrzehnts plant man mit bis zu 105 Flugzeugen, was angesichts des aktuellen Bestands von 85 Maschinen ein moderates Wachstum ist. Allerdings gehe es „eher um eine qualitative als quantitative Erweiterung“, betont Michael Biermann.
So will China Airlines die Langstreckenflotte bis Ende dieses Jahres mit fünf Boeing-Dreamlinern der Variante 787-9 ausbauen. Eine weitere Verjüngung ist mit jeweils zehn georderten Airbus A350-1000 und Boeing 777-9 vorgesehen, die bis 2030 ausgeliefert werden sollen. Außerdem ist geplant, bis zum Jahr 2027 die neun letzten verbliebenen A330-300, die vor allem auf innerasiatischen Strecken eingesetzt werden, auszumustern und diese durch A321-Neo-Flieger zu ersetzen.

Deutschland-Strecke gut ausgelastet
Auf der einzigen Deutschland-Strecke zwischen Frankfurt und Taipeh setzt die Fluglinie bevorzugt einen der A350-900 in der aktuellen Flotte ein. Bei Bedarf weicht sie auf die größere Boeing 777-300 aus. Obwohl China Airlines momentan das Schicksal vieler Carrier in Richtung Asien teilt, wegen des Ukraine-Kriegs den russischen Luftraum umfliegen zu müssen, ist die täglich angebotene Verbindung gut ausgelastet.
Im vergangenen Jahr etwa konnten über 88.000 Passagiere an Bord begrüßt werden, die sich je zur Hälfte in Privat- und Business-Reisende aufteilen. „Deutschland ist der größte Handelspartner für Taiwan, daher gibt es ein hohes Aufkommen bei Geschäftsreisen“, erläutert der Verkaufs- und Marketing-Experte. Dies erklärt auch, warum der Anteil deutscher Gäste an Bord ebenfalls bei nicht mehr als knapp 50 Prozent liegt.
Diese nutzen China Airlines allerdings nicht nur, um das zunehmend beliebtere Reiseziel Taiwan zu besuchen, sondern auch, um in andere asiatische Länder weiterzufliegen. „Wir bieten attraktive Umsteigeverbindungen etwa nach Japan und Südkorea – oder zu exotischen Zielen wie dem Tauchparadies Palau“, wirbt Michael Biermann. Gern genutzt werde auch das Angebot der Taiwan Tourism Administration, bei längeren Transitaufenthalten kostenlose Tagesausflüge zu machen.
Keine Verkehrsrechte für Ausbau
Obwohl der deutsche Markt also offenbar noch eine Menge Potenzial bietet, sind mehr Frequenzen oder gar ein weiterer Abflughafen derzeit kein Thema. Der Hauptgrund: Dafür fehlen entsprechende Verkehrsrechte. „Daneben ist es aber auch eine Kapazitätsfrage, denn wir flotten alte und nicht effiziente Flugzeuge konsequent aus“, erklärt Airline-Manager Biermann. Denn neben Beständigkeit ist auch Nachhaltigkeit ein „ganz wichtiges Thema“: Bis 2050 will China Airlines klimaneutral sein.
i
Bus-Shuttle nach Prag
Durch einen neuen Bus-Shuttleservice zum Flughafen Prag gibt es seit 1. April 2026 für Reisende aus Dresden und der umliegenden Region eine gute Alternative zu den Frankfurt-Flügen. Dazu kommt: Die Frequenz auf der Strecke zwischen Prag und Taipeh wurde von wöchentlich zwei auf drei erhöht. In Europa bedient China Airlines außerdem die Ziele Amsterdam, London, Wien und Rom.



