Bislang ging es Ägyptens Tourismusstrategen vor allem um Zahlen. Nun soll das Geschäft werthaltiger werden, heißt es aus Kairo. Ein wichtiges Ziel ist es, dass mehr Ägypter vom touristischen Wachstum profitieren und Lifestyle eine wichtigere Rolle spielt.
Die Wachstumspläne sind gigantisch, aber Zahlen sollen fortan nicht mehr das alleinige Kriterium für den ägyptischen Tourismus sein: Künftig soll es verstärkt um den Wert der Tourismuswirtschaft und ihre Wertschöpfung gehen. Eines der Ziele der Regierung ist es, „dass die wirtschaftlichen Vorteile allen Regionen und Gemeinden in ganz Ägypten zugutekommen“, so Tourismusminister Sherif Fatih.
Mit diesem neuen touristischen Ansatz reist in diesen Tagen die Tourismusspitze des Landes zum Global Summit des World Travel & Tourism Councils (WTTC) in Valetta auf Malta. Dort diskutiert die internationale Reisebranche über Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit. Auch die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors steht im Fokus.
Ziel bleibt: 30 Millionen Touristen bis 2030

Am Ziel Ägyptens, 2030 rund 30 Millionen Reisende zu begrüßen, ändert sich nichts. Gleichzeitig soll jedoch der hochwertige Tourismus stärker in den Mittelpunkt rücken. Denn er führe zu längeren Aufenthalten und komme dem gesamten Land wirtschaftlich stärker zugute als Budget-Angebote.
Für den deutschen Markt sind allerdings gerade Letztere von Bedeutung: Nach den kräftigen Preisanstiegen etwa in Spanien, Griechenland, Kroatien und der Türkei ist Ägypten neben Tunesien noch eines der wenigen Reiseziele, in denen etwa Familien noch einen bezahlbaren All-inclusive-Urlaub verleben können. Entsprechend haben viele deutsche Reiseveranstalter, darunter etwa TUI, Dertour, Alltours und Coral Travel, ihre Angebote für den Winter weiter ausgebaut.
Deutlich wird die angepasste Tourismusstrategie Ägyptens an den geplanten Einnahmen: Während bei der Zahl der Besucher in den nächsten vier Jahren ein Plus von etwa 55 Prozent geplant ist, sollen sich die Einnahmen in etwa verdoppeln – von 18,6 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf 36 bis 40 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030.
Basis dafür sind massive Investitionen in die Hotellerie: Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres hat Ägypten mehr als 1.500 neue Hotelzimmer geschaffen, „um längere und hochwertigere Aufenthalte zu unterstützen“, betont die Tourismusbehörde in Kairo.
Kairo als Stand-alone-Ziel
Große Hoffnung setzt die Regierung auch auf das Grand Egyptian Museum, dem weltweit größten archäologischen Museum, das einer einzigen Zivilisation gewidmet ist. Es soll im Zusammenspiel mit neuen City-Hotels und zusätzlichen Ausflugsmöglichkeiten Kairo zu einem Stand-alone-Ziel machen. „Wir freuen uns über viele Kurzurlauber, die auch mehrmals nach Kairo kommen“, sagte Sherif Fatih im März während eines Interviews mit touristik aktuell auf der Berliner ITB.
Strategie mit sechs Säulen
Grundsätzliches Ziel der Tourismusstrategie sei es, Ägyptens Position als das „vielfältigste Reiseziel der Welt weiter auszubauen“. Dafür setze man auf eine „einzigartige Kombination aus Kultur- und Baudenkmälern, Küstenregionen, Natur, Abenteuer und vielen weiteren unvergleichlichen Erlebnissen“, betont Sherif Fatih.
Ihm zufolge stützt sich die Tourismusstrategie auf sechs zentrale Säulen:
- Wettbewerbsfähigkeit von Tourismusinvestitionen steigern und ausländische Direktinvestitionen anlocken
- Angebot vielfältiger gestalten
- Fachkräfte fördern
- Das Erlebnis für Besucher verbessern
- Förderung von Nachhaltigkeit, Beschleunigung der digitalen und grünen Transformation
- Stärkung des Tourismusmarketings
Ein wichtiger Eckpfeiler der neuen Strategie ist zudem, einen stärkeren Fokus auf das Erschließen neuer Regionen zu legen. So entsteht an der Mittelmeerküste mit New Alamein ein Ganzjahresziel, das Wohnen, Handel, Kultur und Tourismus verbindet.
Mehr Luxus, mehr Lifestyle
Im Luxussegment entwickelt sich das Angebot unter anderem durch neue Dahabiyyas (Nilsegelschiffe) und zusätzliche luxuriöse Nilkreuzfahrtschiffe weiter. Hinzu kommen Boutique-Hotels abseits der ausgetretenen Pfade sowie „vielfältigere Erlebnisse rund um Ägyptens Kulturerbe, Wellness und Gastronomie“.
Auch das moderne Ägypten wird aus Sicht von Sherif Fatih immer wichtiger. Eine wachsende Kultur- und Kreativszene eröffne Reisenden neue Einblicke abseits des antiken Erbes.
In der Tat: In Kairo verwandeln sich historische Viertel in Zentren für moderne Gastronomie, Galerien und Design. Am Roten Meer bereichern lokales Handwerk, westliche und moderne ägyptische Musik sowie neue Kulturangebote den Küstenurlaub.
Das gilt insbesondere für Ziele wie El Gouna, Makadi Bay und Soma Bay. Letzteres sei inzwischen auf dem besten Weg, zum „Monaco Afrikas“ zu werden, sagte jüngst der Chef von Ecco Reisen, Samy Sadek, in einem Interview mit touristik aktuell.




