Flottenausbau: Der Kurs der Konzerne und der kleineren Player

Luftaufnahme der Schiffswerft Meyer Turku in Finnland mit dem noch nicht ganz fertiggestellten Kreuzfahrtschiff Legend of the Seas.
Royal Caribbean hat sich bis 2036 Werftkapazitäten bei Meyer Turku gesichert und bereits weitere Neubauten in Auftrag gegeben – im Bild die 2026 in Dienst gehende Legend of the Seas. Foto: Royal Caribbean

Die jüngsten Expansionspläne von TUI AG, Royal Caribbean Cruises und des gemeinsamen Joint Ventures TUI Cruises lassen aufhorchen. Die selbst für Marktbeobachter überraschenden Neubauaufträge und die langfristige Sicherung von Werftkapazitäten sind Indizien dafür, dass die prosperierende Kreuzfahrtindustrie noch stärker wächst als bisher angenommen – heute schon und wohl auch in Zukunft. Und das nicht nur aus Sicht der börsennotierten Unternehmen, die, wie in dieser Woche die TUI AG, Investoren das weitere Potenzial der boomenden Branche aufzeigen. Im Schatten der großen Konzerne arbeiten ebenso andere Reedereien und kleinere Kreuzfahrtanbieter am Kapazitätsausbau.

Aida Cruises gab im April dieses Jahres bekannt, dass der Mutterkonzern Carnival Corporation zwei Neubauten einer neuen Schiffsklasse für die Rostocker bestellt hat – mit Auslieferung im Frühjahr 2030 und im Winter 2031/2032. Damit hätte der deutsche Marktprimus die Nummer zwei TUI Cruises wieder auf Abstand gehalten. Deren Marke Mein Schiff hat drei Neubauten binnen drei Jahren nachgelegt und macht nun dank eines Slot-Wechsels der TUI AG mit zwei weiteren Schiffen der Intuition-Klasse schließlich doch Boden gut. Die Schwesterschiffe der Mein Schiff Relax und Mein Schiff Flow sollen 2031 beziehungsweise 2032 in Dienst gestellt werden. Damit kontert TUI Cruises quasi die Neubauaufträge von Aida.

MSC Cruises will Marktanteile gewinnen

Hinter den beiden deutschen Platzhirschen positioniert sich der internationale Anbieter MSC Cruises als Nummer drei hierzulande. Die Schweizer stellen seit Jahren ein Schiff nach dem anderen in Dienst – nach aktuellem Stand folgen bis 2030 noch vier Neubauten und es ist davon auszugehen, dass Folgeaufträge aus Genf nicht mehr lange auf sich warten lassen werden. Deutschland-Chef Jörg Eichler hatte im Juli in touristik aktuell bereits eine Kampfansage an Aida und TUI Cruises gerichtet und MSC Cruises als „den“ relevanten Reedereipartner bezeichnet, wenn es darum gehe, das Kreuzfahrtwachstum in den nächsten vier, fünf Jahren zu bedienen. Die Aida-Aufträge waren da bereits bekannt, die von TUI Cruises allerdings noch nicht.

US-Konzerne mit massivem Kapazitätszuwachs

Auch die Big Player aus den USA bauen ihre Kapazitäten aus – und zwar massiv. Die Volumenmarke Royal Caribbean International hat bereits vier neue Megaliner bestellt und sich in der vergangenen Woche durch einen Rahmenvertrag mit dem finnischen Schiffsbauer Meyer Turku Werft-Slots für die nächsten zehn Jahre gesichert.

Im Zuge dieser Vereinbarung wurde ein fünftes Schiff der Icon Class mit Auslieferung 2028 bestellt und eine Option für ein siebtes dieser Serie angelegt – Nummer sechs war bereits zuvor optioniert worden. Die Amerikaner kündigten außerdem eine „neue, bahnbrechende Schiffsklasse, die über die Icon-Baureihe hinausgeht“ an.

Der Flottenausbau von Norwegian Cruise Line (NCL) ist bereits konkret – und der derzeit umfangreichste in der Branche: Sage und schreibe sieben Schiffe wurden für die nächsten zehn Jahre geordert.

Deutsche Kreuzfahrtanbieter suchen gebrauchte Tonnage

In deutlich geringeren Dimensionen denken Deutschlands kleinere Kreuzfahrtanbieter bei ihren Expansionsvorhaben. Neubauten sind eher kein Thema, stattdessen sondieren sie den Gebrauchtmarkt. Die Suche nach einem Schiff, das ins Portfolio passt und bezahlbar ist, gestaltet sich allerdings schwierig.

Unter anderem wollen Nicko Cruises, Plantours und Phoenix Reisen ihre Kapazitäten aufstocken. Die Marktpreise für gebrauchte Tonnage sind dem Vernehmen nach derzeit aber noch zu hoch: Schiffe seien bisweilen doppelt so teuer wie vor der Corona-Krise, heißt es.

Also wird zunächst ins bestehende Produkt investiert, wie im Fall von Plantours. Der Mutterkonzern des Hamburger Kreuzfahrtveranstalters, die italienische Ligabue Group, hat Ende August das zunächst gecharterte Hochseeschiff Hamburg gekauft und angekündigt, es umfassend modernisieren zu wollen.

Auch Nicko Cruises wird weiter auf ein zweites Hochseeschiff als Ergänzung zur Vasco da Gama warten müssen. Zwar hatte der Investor der Stuttgarter, Mystic Invest in Person von CEO Mario Ferreira kürzlich zwei Neubauten angekündigt, auf ta-Nachfrage ließ Nicko Cruises aber wissen, dass diese Schiffe nicht für den eigenen Veranstalter vorgesehen sind, sondern für eine der drei anderen Mystic-Marken: Atlas Ocean Voyages, Douro Azul oder Mystic Cruises.

Es bleibt Bewegung im Kreuzfahrt-Business, weitere Flottenerweiterungen werden wohl nicht lange auf sich warten lassen.

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