Erfurt: Welterbe-Titel für Thüringens Landeshauptstadt

Von außen unscheinbar, aber von großer historischer Bedeutung: Alte Synagoge in Erfurt. Foto: ETMG
Von außen unscheinbar, aber von großer historischer Bedeutung: Alte Synagoge in Erfurt. Foto: ETMG

Erfurt ist ab sofort offizieller Teil des Kulturerbes der Menschheit. Das haben die Mitglieder des Welterbe-Komitees der UNESCO im saudi-arabischen Riad beschlossen. Geehrt wird das „Jüdisch-Mittelalterliche Erbe“ der Stadt: die Alte Synagoge, die Mikwe und das Steinerne Haus.

52. Welterbe-Stätte in Deutschland

Mit Erfurt sind nun 52 Stätten in Deutschland auf der Welterbeliste der UNESCO verzeichnet. In Thüringen gibt es drei weitere Welterbestätten: Die Wartburg in Eisenach gilt als Symbol der Reformation, die Ensembles Klassisches Weimar und Bauhaus in Weimar spannen den Bogen vom Mittelalter zur Moderne. Hinzu kommt der Nationalpark Hainich in der Nähe von Bad Langensalza.

In Erfurt hatte man seit Jahren auf diesen Titel hingearbeitet. Möglich wurde er erst durch die Wende im Jahr 1989: Die darauffolgende Sanierung der Altstadt brachte nicht nur so manches Schmuckstück zum Vorschein, sondern sorgte auch für die eine und die andere Sensation.

Alte Synagoge: Vor 1989 unbekannt

Die Wiederentdeckung der Alten Synagoge war eine solche: Denn das Gebäude kannten ältere Erfurter nur von Tanzveranstaltungen. Dass es eine große Geschichte barg, wusste niemand.

Die Geschichte der Alten Synagoge reicht bis ins späte elfte Jahrhundert zurück. Damals war Erfurt ein Zentrum jüdischen Lebens. Mit der jüdischen Kultur und dem friedlichen Zusammenleben war allerdings gut 250 Jahre später Schluss: Während des Pogroms von 1349 wurden die jüdischen Mitbürger aus der Stadt vertrieben. Die Synagoge wurde schwer beschädigt und ging in den Besitz der Stadt Erfurt über. Die verkaufte das Gebäude – das Gotteshaus wurde zu einem Lagerhaus.

Die Profanisierung sollte Bestand haben. Im späten 19. Jahrhundert entstand im Obergeschoss ein Tanzsaal, der noch zu DDR-Zeiten genutzt wurde. Seine reiche Ausstattung mit Stuckfiguren und farbiger Bemalung ist weitestgehend erhalten – nur die umlaufende Empore zeugt von der Umnutzung. Von der jüdischen Geschichte des Ortes wussten die Tanzenden nichts.

Jüdisches Leben kehrt zurück

In den 90er Jahren plante die damalige Treuhand gar, eine Gasthausbrauerei mit Großgastronomie einzurichten. Die Stadt Erfurt schritt ein, erwarb das Gebäude nach langen Verhandlungen und ließ es umfassend sanieren. Was Besucher heute erwartet, ist beeindruckend.

In den vergangenen 30 Jahren ist das jüdische Leben zumindest im Ansatz wieder nach Erfurt zurückgekehrt – mit Ausstellungen, Vorträgen und Musikfestivals. Dieses Comeback dürfte nun einen kräftigen Schub bekommen.

Die Erfurt Tourismus und Marketing GmbH (ETMG) sieht sich für die neuen Herausforderungen gut gewappnet. Die Zahl der (mehrsprachigen) Stadtführer wurde bereits deutlich ausgebaut, thematische Rundgänge auf jüdischen Spuren gehören bereits zum Standardangebot.

Weitere Informationen zum UNESCO-Welterbe in Erfurt und Thüringen sind unter www.juedisches-leben.erfurt.de/presse, www.erfurt-tourismus.de/unesco und unesco.thueringen-entdecken.de nachlesbar.

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