VUSR: Scharfe DRSF-Kritik, Ansage an DRV

Zwei Menschen auf der Bühne bei der Tagung des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros
Auftakt in Berlin: VUSR-Vorsitzende Marija Linnhoff mit TUI-Chef Sebastian Ebel. Foto: uf

Mehr als 50 Reisebüro-Inhaber, zahlreiche Tourismus-Manager sowie Gäste aus der Politik sind derzeit Teilnehmer der Jahrestagung des Reisebüro-Verbands VUSR im Hotel Adlon in Berlin. Auf der Tagesordnung stehen zahlreiche Themen, die den Vertrieb aktuell umtreiben.

So geht es unter anderem um die Novellierung der Pauschalreiserichtlinie, die Arbeit des Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) sowie um das Thema unbezahlte Mehrarbeit am Counter und die Zukunft des Vertriebs.

Scharfe Kritik am DRSF

Eröffnet wurde die Tagung im Adlon von VUSR-Chefin Marija Linnhoff mit gewohnt markigen Worten. Große Kritik äußerte sie dabei am Deutschen Reisesicherungsfonds „DRSF“. Der Start sei zwar insgesamt gelungen. Jetzt gelte es aber nachzujustieren, wie man „damals versprochen“ habe.

Linnhoff forderte einmal mehr, die Gebühren abzusenken. Der Fonds verfüge über genügend Geld. „Wir in der Branche brauchen dieses Geld, das die Veranstalter erneut einzahlen sollen“, kritisierte sie. Es gehe hierbei um Millionen.

Linnhoff zufolge haben 25 Rechtsanwälte der Unternehmensberatung KPMG einen Großteil der Arbeit übernommen – und das sorge für gewaltige Kosten. Genau das sei aus ihrer Sicht ein maßgeblicher Grund, warum das Justizministerium betont, dass ein Absenken der Gebühren und Sicherheitsleitungen für Veranstalter nicht realisierbar sei.

Linnhoffs Appell an die Veranstalter ist mutig: Sie fordert die Unternehmen auf, die aktuell verlangte Pauschale von ein Prozent auf den Pauschalreiseumsatz nur zur Hälfte zu bezahlen.

Auch TUI-Chef Sebastian Ebel übte Kritik am DRSF. Was dort in den letzten Monaten passiert sei, sei ein „Skandal und ein Unding“.

Ansage zur DRV-Wahl 2025

Ein Thema, das in den Pausen der heutigen Tagung zu Diskussionen führen dürfte, ist darüber hinaus Linnhoffs Kampfansage an DRV-Präsident Norbert Fiebig. Wenn er bei den Wahlen 2025 noch einmal als Präsident kandidieren würde, würde auch sie sich zur Wahl stellen. Dabei sei ihr durchaus bewusst, dass sie beim DRV keine Chance habe, so Linnhoff. Aber jede Stimme, die ihr zufalle, würde „zeigen, dass Fiebigs Zeit vorbei ist“.

Top-Manager vor Ort

Den Fragen der Reisebüro-Vertreter stellen wird sich unter anderem TUI-CEO Sebastian Ebel, dessen Vertrag vor Kurzem bis 2028 verlängert worden war. Handelsblatt-Redakteur Christoph Schlautmann wird zudem Condor-CEO Peter Gerber und der tourismuspolitischen Sprecherin der CDU, Anja Karliczek, auf den Zahn fühlen, bevor es um die Themen Pauschalreiserichtlinie und DRSF gehen wird.

Zu diesen tauschen sich Dietrich Kressel, Leiter Recht & Compliance TUI, Harald Rutert, Leiter Recht & Compliance Schauinsland-Reisen, Verbraucherschützer Felix Methmann, Leiter Team Recht und Handel Verbraucherzentrale Bundesverband, Andreas Zollner, Geschäftsführer TAS, und Roosbeh Karimi, Rechtsanwalt Karimi Legal, aus.

Die Zukunft der Verbände – und des Vertriebs

Spannend wird es auch am Nachmittag, wenn VUSR-Chefin Marija Linnhoff und ihr Vertreter Cyrus Nurischad sowie Roosbeh Karimi über die Zukunft der Verbände sprechen. Diesem Programmpunkt schließt sich eine Diskussionsrunde zwischen Best-Reisen-Manager Marcus Crause, Mark Tantz, COO Dertour Central Europe, Tourcontact-Chef Dirk Bender, Alltours-Geschäftsführer Georg Welbers, Schauinsland-Vertriebschef Detlef Schroer und Reisebüro-Inhaber André Röckmann an, die über die Zukunft des Vertriebs sprechen.

Einen ausführlichen Bericht über die Tagung lesen Sie in der nächsten Ausgabe von touristik aktuell, die am 25. November erscheint.

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