ADAC Reisevertrieb: Aquilin Schömig geht in Ruhestand

Nach fünf Jahren an der Spitze des ADAC Reisevertriebs verabschiedet sich Aquilin Schömig Ende 2026 in den Ruhestand. Das Netzwerk ist auf 250 Standorte gewachsen. Der Expansionskurs soll fortgesetzt werden – vorerst mit einem einzigen Geschäftsführer.

Ein Mann mittleren Alters mit kurzem braunem Haar und Brille trägt ein weißes Hemd sowie ein dunkelblaues Sakko mit Karomuster vor einem weißen Hintergrund.
Aquilin Schömig geht zum Jahresende in den Ruhestand. Foto: ADAC Reisevertrieb

Aquilin Schömig verlässt zum Jahresende 2026 die Geschäftsführung der ADAC Reisevertrieb GmbH und geht nach mehr als 40 Jahren in der Touristik in den Ruhestand. Sein langjähriger Geschäftsführungskollege Andreas Neumann bleibt an Bord und wird den eingeschlagenen Kurs des Unternehmens fortsetzen.

Offiziell verabschiedet wird Schömig bei der Jahrestagung des ADAC Reisevertriebs im November am Wolfgangsee im österreichischen Salzkammergut. Mehr als 300 Reisebüros und Partner werden zu dem Treffen erwartet. Gleichzeitig feiert der ADAC Reisevertrieb sein fünfjähriges Bestehen.

Schömig hat den Aufbau des ADAC Reisevertriebs seit 2022 maßgeblich geprägt. Gemeinsam mit Neumann entwickelte der Branchenexperte die damalige ADAC Online Reisevertrieb GmbH zu einem Vertriebsunternehmen mit Franchise-, Filial- und Geschäftsreisegeschäft weiter.

Das Netzwerk wuchs in dieser Zeit von rund 150 Reisebüros in den ADAC Regionalclubs auf mittlerweile rund 250 Standorte inklusive der Firmendienste. Zum Wachstum trugen unter anderem Übernahmen und die Gewinnung neuer Franchise-Partner wie beispielsweise das Reisebüro Papendick und des Münchner Geschäftsreisebüros Atlantik-Luft-Reederei (ALR) bei. Der Umsatz stieg nach Unternehmensangaben um mehr als 40 Prozent und erreichte 2025 mehr als 500 Millionen Euro.

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Eine Übersicht verschiedener Hotelmarken-Logos auf dunkelblauem Hintergrund, angeordnet in einer Reihe unter der Überschrift ELEGANCE COLLECTION.

Auch das 2022 gestartete Geschäftsreisesegment ADAC Travel Management Services (TMS) hat sich inzwischen im Markt etabliert.

Chancen in einem überfüllten Markt

Dass die Expansion weitergehen soll, machten Schömig und Neumann bereits im Frühjahr im Gespräch mit touristik aktuell auf der diesjährigen ITB deutlich. Der ADAC Reisevertrieb erhalte regelmäßig Anfragen von Reisebüro-Inhabern, die einen Verkauf ihres Unternehmens erwägen. Schömig sprach von einem „Überangebot“ und erwartete, dass die Zahl der Verkaufsangebote in den kommenden Jahren weiter steigen werde.

Dabei gehe es nicht darum, möglichst viele Büros zu übernehmen. Entscheidend seien unter anderem Wirtschaftlichkeit, eine gute regionale Abdeckung und vor allem die Mitarbeiter. Bei Übernahmeangeboten schaue man deshalb zunächst auf die Belegschaft und deren langfristige Perspektive, erläuterte Neumann.

Fokussierung auf Marke statt Rabatte

Die Marke ADAC sei für viele Inhaber ein weiterer Grund, sich für einen Anschluss an den Reisevertrieb zu interessieren. Die angeschlossenen Büros sind zentral in den Online-Auftritt Adacreisen.de eingebunden. Der Umsatz aus Online-Buchungen bleibt dabei nach Angaben des Unternehmens beim jeweiligen Reisebüro.

Auch beim Thema Cashback setzt der ADAC Reisevertrieb weniger auf Preisnachlässe als auf die Stärke der eigenen Marke, Beratung und Produkte, die sich nicht ohne Weiteres vergleichen lassen.

„Payback ist aus unserer Sicht keine Lösung“, sagte Schömig im März. Stattdessen setzt das Unternehmen unter anderem auf Argumentationstrainings und Webinare für die Reisebüros. Neumann verwies zudem auf die exklusiven ADAC-Mitgliederreisen. Rund 80 Prozent dieser Reisen würden über Reisebüros verkauft.

Digitalisierung und KI im Fokus

Am weiteren Wachstum des Netzwerks soll sich auch nach Schömigs Ausscheiden nichts ändern. Der ADAC Reisevertrieb will sowohl das Franchise-System als auch das Geschäftsreisegeschäft weiter ausbauen.

Zugleich rücken Digitalisierung und Künstliche Intelligenz stärker in den Mittelpunkt. Das wurde im Zuge der Jahrestagungen in Abu Dhabi deutlich. Eigene Websites für die angeschlossenen Franchise-Büros sowie die Vertriebsplattformen Aris und Aris Sky wurden bereits eingeführt. Im Midoffice arbeitet der ADAC Reisevertrieb mit Anbindungen an Midoco und Bosys.

Aquilin Schömig: Ein Rückblick auf 40 Jahre Touristik

Für Schömig endet damit eine mehr als vier Jahrzehnte umfassende Karriere im Reisevertrieb. Stationen seiner Laufbahn waren unter anderem Thomas Cook, TUI, Travco und Alltours. Von 2012 bis 2021 führte er das Derpart-Reisevertriebsnetzwerk, zunächst als Geschäftsführer und ab 2017 als Sprecher der Geschäftsführung.

2022 wechselte er zum ADAC und baute dort gemeinsam mit Andreas Neumann die neue Reisevertriebsorganisation auf. Beide hatten bereits bei Derpart als Doppelspitze zusammengearbeitet.

„Als wir die ADAC Reisevertrieb GmbH vor fünf Jahren aus der ADAC Online Reisevertrieb GmbH weiterentwickelten, waren wir mitten in der Corona-Pandemie“, sagt Schömig. Heute stehe ein Unternehmen da, das sich „mit seinem Franchisesystem, seinen 250 Reisebürofilialen, seinem Online-Auftritt und dem Geschäftsreisesegment ADAC TMS am Markt etabliert hat“. Er sei „sehr dankbar für diese Entwicklung“.

Zukunft und Abschied

Neumann würdigt insbesondere Schömigs strategischen Beitrag zum Aufbau des Unternehmens. Seine „strategische Weitsicht“, sein „Gespür für den Markt“ und sein Respekt gegenüber Mitarbeitern und Partnern hätten die Entwicklung maßgeblich unterstützt.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der Geschäftsführung will er der Touristik verbunden bleiben. Ein Schwerpunkt bleibt sein Engagement für die Stiftung Fly & Help von Reiner Meutsch, für die er sich seit vielen Jahren einsetzt.

Mit dem Jahreswechsel übernimmt Andreas Neumann die alleinige Geschäftsführung des ADAC Reisevertriebs – vorerst, wie das Unternehmen mitteilt.