Wofür ein Reisebüro überhaupt noch gut ist? Für gute Beratung auf der Suche nach dem optimalen Produkt, für Service auch im Problemfall und für attraktive Preise. Und das auch in Zeiten von Cashback.
Mit Argumenten wie diesen ist der Hamburger Reisebüro-Inhaber Alain Freeman dieser Tage im NDR-Magazin „Marktcheck“ aufgetreten. Das Thema des Beitrags: „Check24 & Co.: Wer profitiert wirklich von Cashback-Rabatten?“
Dem Beitrag merkt man an, dass bei der Produktion keine Touristikprofis am Werk waren. Aber die wichtigste Botschaft ist korrekt: Reisebüros erhalten deutlich weniger Provision als Online-Portale – obwohl der Reisepreis gleich und der Service für die Kunden bei der Buchung über ein Reisebüro besser ist.
Wichtige Grundaussagen, aber auch Fehler im Beitrag
Max Hübner, Hochschuldozent und Mitgründer der Agentur „Hübner & Kollegen“, bringt im Beitrag zudem einen anderen Punkt ein: Check 24 nutze das Thema Reisen als Lockvogel für die eigene Plattform. Welche Konsequenzen das hat, schilderte er kürzlich in einem Interview in touristik aktuell. Beim NDR kamen diese Argumente leider im Beitrag nicht vor.
Ärgerlich ist die falsche Behauptung des NDR, dass Reisebüros mit der riesigen Angebotsvielfalt von Check24 nicht mitkommen. Alain Freeman begründet das mit der Unerfahrenheit der Redakteure, deren Beitrag er leider vor der Sendung auch nicht überprüfen konnte. Denn die Fakten sind klar: Abgesehen von den Angeboten der Check24-Eigenmarke Aurum Tours ist die Produktvielfalt im Reisebüros sogar größer als bei dem Münchner Vergleichsportal.
Freeman, der Ende 2025 sogar eine vielbeachtete Online-Petition zum Thema Cashback gestartet und dort inzwischen über 5.000 Unterschriften gesammelt hat, ist sich bewusst, dass ein Beitrag wie der im NDR nur wenige Kunden zum Nachdenken anregen wird. Dennoch will er an dem Thema dran bleiben. Denn Cashback mache nicht nur Reisebüros kaputt, sondern sei mit der zunehmenden Macht speziell von Check24 auch für Veranstalter gefährlich.
Veranstalter müssen aktiv werden
Dass diese aus juristischen Gründen nicht einfach die Agenturverträge mit Rückvergütern kündigen können, ist auch Alain Freeman klar. Genau deshalb müssten die Veranstalter kreativ werden und aktiv nach Lösungen suchen. Eine Idee wäre eine andere Form der Zusammenarbeit mit Reisebüros. Denn die könnten wunderbar Werbung machen für die Veranstalter, kassierten weniger Provision und sorgten für zufriedenere Kunden.
„Gute Reisebüros sind echt, ehrlich, haben Empathie und verfügen über Erfahrung. Ein Online-EDV- Programm hat das nicht“, schrieb Freeman dieser Tage in einem Beitrag auf Linked-in. In dem rechnet er am Beispiel einer Familienbuchung für das Hane Hotel an der türkischen Riviera im Mai dieses Jahres konkret vor, dass ein Reisebüro durchaus preiswerter sein kann als Check24. Denn er suche unter anderem auch nach Flugzeiten und Abflughäfen, die die Algorithmen von Check24 dem Kunden nicht vorschlagen.

Reisebüro-Image: Es gibt viel zu tun
Ärgerlich ist für den Reisebüro-Inhaber, wie veraltet die Sicht vieler Bundesbürger auf Reisebüros ist. Dies habe sich einmal mehr an den Kommentaren unter dem Youtube-Beitrag des NDR gezeigt. „Wenn wir nur einigen Kunden klarmachen können, wie modern Reisebüros heute sind, kommen sie definitiv zu uns zurück“, so Alain Freeman.
Denn auch der klassische Vertrieb sei digital, auch auf Reisebüro-Homepages könne der Kunde an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr buchen. „Und wenn etwas nicht klappt, sind wir als Ansprechpartner erreichbar – und zwar ohne Warteschleife“, betont Alain Freeman im Gespräch mit touristik aktuell und verweist darauf, dass er bei seinen Buchungen inzwischen einen Online-Anteil von rund 50 Prozent habe.
RTL-Extra am Dienstagabend
Nach dem NDR-Beitrag wird sich morgen Abend (14. April) RTL in einer „Extra“-Sendung von 22.30 Uhr bis Mitternacht dem Thema zuwenden und dabei den Blick sowohl auf die Touristik als auch auf andere Branche werfen. Der Sender stellt dabei unter anderem folgende Fragen: „Cashback-Boom: Clevere Sparchance oder nur Köder, damit wir mehr Geld ausgeben?“.
Cashback klinge nach geschenktem Geld, RTL mache deshalb den „Extra-Check“: „Wir shoppen quer durchs Netz, kaufen Kleidung, Elektronik, Medikamente, buchen einen Urlaub und jagen die besten Cashback-Deals bei verschiedenen Portalen. Dann rechnen wir nach: Wie viel kommt tatsächlich zurück, wo lauern versteckte Haken?“
Die Aussage „Geschenk“ löste allerdings schon der NDR auf, indem er den Touristikexperten Martin Linne dazu befragt. Dessen Aussage: Cashback sei natürlich kein Geschenk, denn der Kunde habe das Geld ja vorher bezahlt.


