Iran-Krieg: Wie ist die Buchungslage am Counter?

Backoffice-Anbietern und Datenspezialisten wie Ziel/Synccess und TDA zufolge hat der Iran-Krieg zu einem ­deutlichen Buchungsrückgang in den Reisebüros geführt – hinzu kommen viele Stornos und Umbuchungen 
aufgrund der Reisewarnungen für die Golfstaaten und den Nahen Osten. Wie ist die Situation am Counter? touristik aktuell hat Reiseverkäufer gefragt, inwieweit der Iran-Krieg ihr Geschäft beeinflusst.

Monika Töpfer,
 Reisebüro Töpfer,
 Göttingen
„Das Geschäft hat natürlich gelitten – nicht nur für die Golfregion, sondern auch für die Türkei und Ägypten ist die Nachfrage zurückhaltender. Neubuchungen für das östliche Mittelmeer sind ebenfalls zurück
gegangen. Wir haben Gott sei Dank keine weiteren Nahost-Buchungen. Spannend wird sein, zu sehen, wie sich jetzt das Geschäft für die Wintersaison entwickelt. Ich denke, das ­Kanaren-Geschäft wird zunehmen.“

Michaela Bernhard, 
M&B Reisen,
 Bad Kreuznach
„Einige Kunden, die separat Fernstreckenflüge über die Golfregion gebucht hatten, ­haben über uns alternative Nonstop-Flüge mit Condor gebucht. Bei 
Neubuchungen gehen viele optimistisch ran: Wir hatten zum Teil Kunden, die ein, zwei Tage nach Kriegsbeginn konkrete Buchungsanfragen gestellt haben. Das hat mich doch ziemlich überrascht. Bei Kurzfristbuchungen für die Osterferien und auch für den Sommer ist Spanien gefragt – wo wir sonst vielleicht Ägypten oder die Türkei angeboten hätten. Unsere 
Zahlen für Februar und März sind sehr gut.“

Volker Schmidt,
 Service Plus Reisen, 
Ladenburg
„Wir spüren bislang zum Glück keine Delle und liegen insgesamt sehr gut im Rennen. Aber natürlich sind wir und etliche unserer Kunden von den Folgen des Iran-Kriegs betroffen. Einige Kunden waren auch zwei Wochen nach Kriegsausbruch aufgrund fehlender Flüge noch nicht zu Hause. Was uns ­besonders hart trifft: Wir mussten eine eigene Gruppenreise nach Japan absagen, denn ­gebucht hatten wir über Emirates. Einige ­Kunden hätten gerne auf eine andere Airline umgebucht, aber das war schlicht zu teuer. 
Die Umsatzdelle ist kräftig.“

Yvonne Gundelach,
 Pader Reisestudio,
 Paderborn
„Eine Delle spüren wir bislang nicht, aber das Kundenverhalten ist manchmal schon erstaunlich. Während die einen Sorgen um ihren Sommerurlaub in der Türkei haben, buchen andere Türkei-Urlaub völlig ­unbehelligt vom Krieg in Iran. Schwierig ist es mit Kunden, die dieser Tage Urlaub auf Zypern ­verbringen wollen. Sie sind verunsichert, aber kostenlos umbuchen oder stornieren können sie ja nicht. Insgesamt sind wir mit dem ­Geschäft in diesem Jahr bislang aber zufrieden. Mal sehen, wie es weitergeht.“

Juliane Hartmann-Schmidt, TUI Travel Star Reisebüro, 
Rudolstadt
„Die Buchungszahlen liegen unter dem Niveau des Vorjahres. Allerdings erlebe ich keinen vollständigen Einbruch, sondern vielmehr eine Verunsicherung der Kunden. In der täglichen Beratung zeigt sich deutlich: Der Wunsch zu reisen, ist nach wie vor vorhanden. Meine Aufgabe besteht im Moment darin, gemeinsam mit den Kunden tragfähige Alternativen zu entwickeln – sei es durch die Wahl anderer Destinationen oder durch ­eine flexiblere Reisegestaltung. Zum Glück ist meine Kundschaft weniger preissensibel. Steigende Kosten werden akzeptiert, aber nur bis zu ­einem gewissen Punkt. Diese Grenze scheint aber nun in vielen Fällen näher zu rücken. 
Insgesamt fürchte ich, dass in den kommenden Monaten große Herausforderungen auf die Branche zukommen werden.“

Alexander Tuhy,
 Tuhy-Tours, 
Griesheim
„Als Kreuzfahrtspezialist 
haben wir einen besonderen Blick auf Kreuzfahrten und können bislang nicht bestätigen, dass die Kreuzfahrtbuchungen ein Stück weit eingebrochen sein sollen. Wir jedenfalls spüren bisher keine Auswirkungen durch den Iran-Krieg auf Neubuchungen. Im Gegenteil: Wir verzeichnen ein deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr. Die Leute wollen reisen und weichen eben auf andere Fahrtgebiete wie beispielsweise das Mittelmeer aus.“

Eine junge Frau mit schwarzen langen Haaren, goldenen Ohrringen und Ketten steht vor einer Palme und lächelt in die Kamera
Eirin Missiridis, Inhaberin von Eirin Travels in Fulda. Foto: ta

Eirin Travels, 
Eirin Missiridis,
 Fulda
„Ich sehe einen leichten Rückgang bei Fernreisen sowie für Ägypten und die Türkei. Europa läuft dagegen weiter gut. Viele meiner Kunden, die bald in die Ferne reisen, haben entweder Direktflüge gebucht oder weichen auf andere Umsteigeverbindungen aus. Darauf wird auch für Winterreisen stark geachtet. Gerade in solchen Situationen zeigt sich einmal mehr, wie wichtig ein persönlicher Ansprechpartner ist. Ich merke, dass ­solche Ereignisse viele Kunden dafür sensibilisieren, wieder stärker im Reisebüro zu buchen. Schade ist, dass ich durch die fehlenden 
Umsteigeverbindungen Stornos habe, darunter eine Familie, die über Doha auf die Malediven wollte. Alternativen gab es entweder nicht oder nur mit sehr hohen Aufpreisen. Nun wurde die Reise auf 2027 verschoben.“