Wer im Reisebüro eine Führungsrolle übernimmt, steht vor besonderen Herausforderungen – vor allem im Familienbetrieb. Coach Harald Sontowski erklärt, worauf es beim Rollenwechsel ankommt, wie Konflikte vermieden werden und warum klare Kommunikation entscheidend ist.

Wenn junge Nachwuchskräfte, insbesondere in Familienbetrieben wie Reisebüros, eine Führungsrolle übernehmen wollen oder sollen, stehen sie oft vor großen Herausforderungen. Dies betrifft häufig, aber nicht ausschließlich, die nächste Generation, die in die Fußstapfen der Eltern tritt, erläutert Coach Harald Sontowski von Team Aha im Gespräch mit „touristik aktuell“. Dabei gibt es oft ein „Schwanken zwischen Emotionalität, Rationalität und Entscheidungsbefugnis“.
Der Übergang in eine Führungsposition muss laut Sontowski mit Selbstreflexion beginnen: „Zuallererst muss klar sein, was meine neue Rolle ist, und bin ich bereit, diese Rolle auszufüllen“, sagt der Experte. Diese Klarheit sei essenziell, um Konflikte zu vermeiden. Doch gerade in Unternehmen mit familiärer oder freundschaftlicher Nähe sei dies oft schwierig, da alte Routinen und enge Beziehungen die Arbeit beeinflussen können. „Freundschaft hat ihren eigenen Ort“, sagt Sontowski und fügt hinzu: „Und dieser liegt außerhalb der beruflichen Ebene“.
Ein häufiges Problem in solchen Konstellationen ist dem Experten zufolge die fehlende Trennung zwischen alten Beziehungen und neuen Rollen. Viele Mitarbeiter seien unsicher, wie sie mit der geänderten Hierarchie umgehen sollen. Die Lösung liege in den zentralen Führungsprinzipien Respekt, Klarheit und Wahrheit. Respekt bedeute, „das Anderssein des Anderen zu akzeptieren“ und ihm zu zeigen, dass man ihn sehe. Klarheit heiße, „in geeigneter Form zur richtigen Zeit zu kommunizieren“. Wahrheit schließlich fordere, ehrlich zu sein und keine falschen Versprechungen zu machen, erläutert er.
Doch was sind Voraussetzungen, um ein Unternehmen und ein Team leiten zu können? „Führungskraft kommt von Kraft“, macht Sontowski deutlich. Es koste Energie, Menschen zu führen, da diese sowohl komplex als auch kompliziert seien. Wer nur an den Vorteilen wie einem höheren Gehalt interessiert sei, „ist nicht für diese Rolle geeignet“. Wichtig sei der Wille, auch in „ungünstigen“ Zeiten Verantwortung zu übernehmen und sich mit Konflikten auseinanderzusetzen.
Konflikte und klare Kommunikation
Zu den häufigsten Fallstricken zählen laut Harald Sontowski das Vermeiden von Konflikten, eine übertriebene Härte, falsche Erwartungen oder ungerechte Behandlung. Hinzu komme, dass viele Führungskräfte nicht vertrauen können und sich im „Kontrollwahn“ überfordern. „Erwartungen müssen klar kommuniziert werden“, sagt er. Es reiche nicht, zu erklären, dass man sich beispielsweise verstärkt im Luxusbereich positionieren wolle. „Es muss auch einen konkreten Plan geben.“
Führungskräfte sollten sich auch bewusst machen, dass „der Mensch immer o.k. ist, nur sein Verhalten manchmal ungünstig im Sinn der Zielerreichung“. Eine klare Kommunikation und das Ansprechen von Problemen seien daher entscheidend. Auch sollten Führungskräfte nicht fragen, „was muss ich tun, um euch zu motivieren?“, sondern vielmehr: „Was demotiviert euch?“ So gelinge ein leichterer Einstieg ins Unternehmen.
Vorbereitung auf die Führungsrolle
Für neue Führungskräfte sei es wichtig, sich intensiv mit der eigenen Rolle auseinanderzusetzen und sich auf mögliche Herausforderungen vorzubereiten. „Ein Training kann helfen, aber auch die Lehren des Lebens sind wertvoll“, sagt Sontowski. Er rät zudem denjenigen, die sich aus dem Unternehmen zurückziehen, auch wirklich loszulassen.
Letztlich sei Führen eine bewusste Entscheidung. Wer früh merke, dass die Rolle nicht passt, sollte „die Reißleine ziehen“. Gleichzeitig sollten junge Führungskräfte den Schritt nicht vorschnell aufgeben, sondern sich selbst und das Team hinterfragen. „Oft dauert es, bis erste positive Veränderungen sichtbar werden und man sich in der neuen Rolle wohlfühlt.“
Auch Reisebüro-Expertin Corinna Klotz gibt Tipps, wie junge Führungskräfte erfolgreich diese neue Rolle meistern können.



