Der QTA Reisesommer 2026 in Mainz verzeichnete mit knapp 1.500 Teilnehmern ein Plus von über zehn Prozent. Im Fokus standen demografischer Wandel, KI im Vertrieb, steigende Reisepreise und die Frage, wie Reisebüros künftig relevant bleiben.

Knapp 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, rund 160 Aussteller und 40 Speaker kamen beim QTA Reisesommer 2026 in Mainz zusammen – nach Angaben der Veranstalter über zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Veranstaltung der Quality Travel Alliance (QTA) nutzte drei Locations – Halle 45, Auktionshaus und Turbinenhalle – und widmete sich neben dem klassischen Messegeschäft vor allem den Zukunftsfragen des Reisevertriebs.
„Der Reisesommer hat sich in wenigen Jahren zum führenden Vertriebsevent in Deutschland entwickelt“, so QTA-Sprecher Thomas Bösl. „Hier kommen tatsächlich die unterschiedlichen Teile unseres Vertriebs zusammen. Dadurch entsteht Austausch über Grenzen hinweg. Genau diesen Dialog brauchen wir, wenn wir Veränderungen gemeinsam gestalten wollen.“
Im Mittelpunkt standen der demografische Wandel, Künstliche Intelligenz und die Veränderung des Reiseverhaltens. Tourismusstratege Wolfgang Isenberg und Experte Günter Ihlau machten in ihrem Vortrag deutlich, dass die Beratung im Reisebüro anspruchsvoller werde. Entscheidend sei weniger das Alter der Kunden als deren individuelle Lebenssituation.
„Reisewünsche werden immer unterschiedlicher. Was zählt, sind Orientierung, Vertrauen und persönliche Verantwortung“, so die beiden Referenten. KI könne dabei helfen, administrative Prozesse zu vereinfachen und Freiräume für die persönliche Beratung zu schaffen.
Verbände fordern niedrigere Preise und weniger Bürokratie
In einer Diskussionsrunde benannten Verbandsvertreter die drängendsten Herausforderungen der Branche. DRV-Präsident Albin Loidl verwies auf das zunehmend kritische Preisniveau: „Die Preise müssen sinken.“ Familien könnten sich Urlaub immer schwerer leisten. Seine Forderung: „Die Preise müssen sinken.“ Dies bestätigten auch die Reiseveranstalter.
Anke Budde vom ASR forderte, Reisebüros müssten sich wieder stärker auf ihre Kernaufgabe – den Verkauf von Reisen – konzentrieren können. Zu viel Zeit gehe für administrative Aufgaben verloren. BTW-Generalsekretär Sven Liebert lenkte den Blick auf die Fluganbindung: Deutschland habe erst rund 80 Prozent des Vor-Corona-Niveaus erreicht, während das europäische Ausland bereits wieder bei 100 Prozent liege. „Europa fliegt an Deutschland vorbei“, so Liebert.
VIR-Vorstand Michael Buller plädierte dafür, die bisherigen Erfolge der Tourismusverbände stärker anzuerkennen, verwies aber zugleich auf die Grenzen politischer Einflussnahme: „Wir werden sehr wohl wahrgenommen. Aber es ist kein Wunschkonzert, bei dem alles so läuft, wie wir das wollen.“
QTA-Sprecher Thomas Bösl betonte neben der Bedeutung der Verbandsvielfalt auch, dass es wichtig sei, den Dachverband BTW weiter zu stärken, „damit die Branche gerade auch in Brüssel eine noch stärkere Stimme erhält.“ Zugleich unterstrich er die Rolle der Reisebüros als Seismograf für die Marktstimmung: Als unmittelbare Ansprechpartner der Kunden spürten sie besonders früh, wann die finanziellen Spielräume für Urlaubsreisen enger werden.
Nachwuchs und politische Aufmerksamkeit
Die Veranstaltung räumte der jungen Generation einen eigenen Platz ein. Die Young Community sollte ihre Perspektiven in die Diskussion über die Zukunft des Vertriebs einbringen. „Der Generationenwechsel bringt neue Erwartungen an Führung, Arbeitskultur, Technologie und Kommunikation mit sich“, sagte Bösl.
Politische Aufmerksamkeit erhielt der Reisesommer durch den Besuch des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder. Er betonte bei der Eröffnung die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für das Bundesland: „Der Tourismus ist eine starke Wirtschaftskraft für Rheinland-Pfalz und mehr noch: Er bringt Menschen zusammen und ermöglicht Begegnungen mit anderen Kulturen.“
Einen weiteren Bericht vom QTA-Reisesommer lesen Sie hier. Er fand in diesem Jahr im Anschluss an den RTG-Summit statt.


