Der Wechsel vom Mitarbeiter zur Führungskraft bringt Herausforderungen mit sich: weniger Nähe, neue Gesprächspartner und Entscheidungen, die nicht jedem gefallen. Reisebüro-Expertin Corinna Klotz gibt Tipps, wie junge Führungskräfte erfolgreich diese neue Rolle meistern können.

Mit speziellen Weiterbildungsangeboten und dem Bilden von Netzwerken wollen Reisebüro-Organisationen jungen Touristikern helfen, Führungsrollen zu übernehmen. Diese lohnen sich nicht nur finanziell, sondern sind auch eine spannende Herausforderung für die eigene berufliche Entwicklung.
Einfach ist der Wechsel vom normalen Teammitglied zur Führungskraft allerdings nicht immer. Denn er verändert die eigene Position „grundlegend“, sagt Reisebüro-Trainerin Corinna Klotz.
Für sie steht fest: „Führung ist kein Upgrade. Führung ist ein Jobwechsel.“ Denn mit der neuen Position ist ein Mitarbeiter ab sofort kein normaler Mitarbeiter im Team mehr, sondern plötzlich verantwortlich für dieses Team. Das sei ein „Unterschied wie Tag und Nacht“. Und er sei vor allem in Reisebüros gravierend, „da die Teams oft klein sind, eng zusammenarbeiten und man sich seit Jahren kennt“.
Dies sind die fünf Dinge, die sich junge Führungskräfte nach Einschätzung von Corinna Klotz besonders bewusst machen sollten:
- Hör auf, beliebt sein zu wollen Du triffst jetzt Entscheidungen, die nicht jedem gefallen. Wer übernimmt welchen Kunden? Wer bekommt die spannende Inforeise? Wenn du immer der gute Kumpel sein willst, wirst du eine schlechte Führungskraft sein.
- Nähe ja, Kumpelei nein Deine Mitarbeiter sollen dir vertrauen – nicht mit dir die Nacht durchmachen. Das klingt nach einem feinen Unterschied. Er ist es nicht. Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit, Klarheit und Respekt – nicht durch Kumpelei.
- Such dir neue Gesprächspartner Die alten Kollegen können oder wollen dir nicht mehr alles erzählen – und du ihnen auch nicht. Das ist nicht persönlich gemeint. Du brauchst jetzt Menschen auf deiner Ebene: andere Führungskräfte, einen Mentor oder Coach. Jemand, bei dem du immer ehrlich sein kannst.
- Aushalten lernen Dass nicht alle dich mögen. Dass Entscheidungen unbequem sind. Dass du manchmal der Buhmann bist, obwohl du es gut gemeint hast. Das gehört zur Rolle – und es wird leichter.
- Die Einsamkeit ist echt Aber sie bleibt nicht. Sie verändert sich. Du findest neue Verbündete. Und irgendwann merkst du: Diese Rolle gibt dir etwas zurück. Gestaltungsspielraum. Wirkung. Menschen wachsen sehen. Das ist verdammt viel wert.
Größe des Teams macht den Unterschied
Eine wichtige Rolle beim Aufstieg zur Führungskraft spielt laut Corinna Klotz, wie groß das Team ist: „Klein oder groß, das macht einen enormen Unterschied.“ Bis etwa fünf Personen sei es noch möglich, gelegentlich zwischen Führungs- und Kolleginnenrolle zu wechseln. Manchmal sei das sogar sinnvoll – um nah am Alltag zu bleiben und Vertrauen zu erhalten.
In größeren Teams funktioniere das nicht mehr, warnt Klotz und betont: „Je mehr Menschen du führst, desto klarer muss deine Rolle für alle erkennbar sein. Nicht weil du dich distanzieren musst – sondern weil Orientierung und Verlässlichkeit die Grundlage jeder guten Teamdynamik sind.“
Veränderungen akzeptieren
Der erste Schritt sei, zu akzeptieren, dass sich etwas verändert habe – „zwischen dir und den anderen“. Das sei jedoch kein Drama, sondern die neue und überaus interessante Rolle.
Das Wichtigste aus Sicht von Corinna Klotz: „Nimm es als Challenge und gehe ernsthaft und mit Humor an die Aufgabe.“ Perfektionismus sei dabei eher störend. Besser sei es, das Beste zu geben und Fehler als Lernfeld zu sehen, immer „das große Ganze“ im Blick zu behalten und nicht in das Mikro-Management zu verfallen.
Auch Harald Sontowski vom Team Aha hat zahlreiche Tipps zum Thema Führungsrolle parat. Wichtig ist ihm zufolge vor allem der Wille, auch in „ungünstigen“ Zeiten Verantwortung zu übernehmen und sich mit Konflikten auseinanderzusetzen.
Wie fünf junge Reiseexpertinnen in den Schritt in die Führungsrolle erlebt haben, erzählten sie im Oktober 2025 im Gespräch mit touristik aktuell. Sie berichten von Herausforderungen und positiven Veränderungen.


