Die Reisebüros steuern im Touristikjahr 2025/26 auf ein Umsatzminus zu. Im September gingen erneut weniger Buchungen ein, während die Branche insgesamt wächst. Hohe Preise, Cashback-Angebote und schwaches Last-Minute-Geschäft setzen dem stationären Vertrieb zu.
Die Bilanz für die gesamte Reisebranche könnte am Ende des Touristikjahres noch halbwegs gut aussehen – der Reisebüro-Vertrieb wird sich für 2025/2026 allerdings auf ein Umsatzminus einstellen müssen. Das ist das Fazit aus den jüngsten Zahlen des Datendienstleisters Tats.
Demnach hat auch das Geschäft mit den Herbstferien zu keiner Trendwende im Auftragsbestand der Reisebüros geführt. Laut Tats lag der Auftragseingang der touristischen Buchungen im September einmal mehr im Minus – und zwar mit 8,2 Prozent im Vergleich zum September 2025. Immerhin: Der Teilbereich der Kreuzfahrten lag auf Vorjahresniveau.
Gesamtminus fast fünf Prozent
Insgesamt liegt der Auftragsbestand der touristischen Buchungen für das laufende Touristikjahr (November 2025 bis Oktober 2026) nunmehr 4,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Kreuzfahrtbereich verzeichnet ein Plus von 1,7 Prozent.
Die Gründe für das Minus sind vielfältig. So führten die hohen Preise bei vielen Familien dazu, dass sie entweder gar nicht reisten oder durch die Flut der Cashback-Angebote in den Online-Vertrieb abwanderten. Zudem führte der Iran-Krieg zu einer zwischenzeitlichen Buchungsflaute, die am klassischen Reisebüro-Counter auch nicht mehr durch das Last-Minute-Geschäft aufgefangen werden konnte: Auch das fand überwiegend online statt.
DRV-Kongress: Gemischte Bilanz
DRV-Präsident Albin Loidl hatte gestern auf dem Hauptstadtkongress des DRV eine positive Zwischenbilanz für die gesamte Reisewirtschaft gezogen. Einer ersten Hochrechnung zufolge erzielte der organisierte Tourismus im Sommer demnach ein Umsatzplus von vier Prozent und einen Gästezuwachs von zwei Prozent.
Dass es am Counter nicht leichter geworden ist, gestand auch DRV-Vizepräsident und Reisebüro-Inhaber Ralf Hieke während einer Podiumsdiskussion auf dem DRV-Kongress. „Natürlich spüren wir die wirtschaftliche Lage und die geopolitische Unsicherheit bei vielen Menschen“, so der Inhaber des Reisebüros Strier in Ibbenbüren.
Das Gute an der Situation sei, dass sich viele Kunden eher noch Urlaub leisten als Ausgaben in anderen Bereichen. „Die Menschen wollen sich Auszeiten gönnen“, so die Erfahrung von Ralf Hieke.
Schauinsland: „Kampf um jede einzelne Buchung“
Dass es auch für die Veranstalter nicht einfach ist, zeigte während der Podiumsrunde eine Aussage des neuen Chefs von Schauinsland-Reisen, Sascha Leutner. Die Kunden würden kürzer reisen, andere Ziele wählen und oft sehr kurzfristig buchen.
Es sei „ein Kampf um jede einzelne Buchung“. Die Herausforderung für Schauinsland-Reisen sei es dabei, die „eigene Linie und Service-Qualität so zu halten, wie es die Reisebüros gewohnt“ seien.



