Der Online-Vertrieb hat im vergangenen Sommer weiter an Bedeutung gewonnen. Das ist das Fazit der aktuellen Buchungszahlen von TDA, die der DRV heute auf seinem Hauptstadtkongress verkündete. Demnach lag der Sommer insgesamt mit vier Prozent im Plus.

Die Reisebüros haben davon wenig gespürt, aber der DRV zieht eine „insgesamt“ positive Bilanz der Sommersaison: Der organisierte Reisemarkt mit Pauschal- und Bausteinreisen der Reiseveranstalter habe sich trotz „eines herausfordernden Marktumfelds“ in diesem Jahr als „robust“ erwiesen und ein Plus zum Vorjahr erwirtschaftet.
Der DRV bezieht sich dabei auf Analysen des Dienstleisters TDA. Der erfasst alle Umsätze, die in stationären Reisebüros, auf Reiseportalen der OTAs und direkt bei Veranstaltern erwirtschaftet wurden. Buchungen in Callcentern sowie Direktbuchungen bei Leistungsträgern (Flug, Bahn, Hotel) sowie auf Portalen wie Booking und Airbnb sind nicht enthalten.
Last-Minute-Geschäft vorwiegend online
Das Ergebnis der TDA-Analyse: Bis Ende August verzeichnete die Reisewirtschaft für den diesjährigen Sommer ein Umsatzplus von vier Prozent und ein Plus von zwei Prozent bei den Reisenden. Ausschlaggebend dafür sei „ein starkes Last-Minute-Geschäft“ gewesen, heißt es vom DRV.
Das Problem: In den meisten Reisebüros gab es nur ein geringes Spätbuchergeschäft – der angebliche Last-Minute-Boom fand vorwiegend online statt. Entsprechend entwickelt sich der Reisebüro-Markt deutlich schlechter als die Reisewirtschaft insgesamt.
„Reiselust weiter hoch“
DRV-Präsident Albin Loidl zeigte sich beim Hauptstadtkongress des Verbandes in Berlin dennoch zufrieden. „Die Reiselust der Deutschen ist weiterhin hoch. Die Menschen wollen auch in einem von wirtschaftlicher Unsicherheit geprägten Umfeld nicht auf ihren Haupturlaub verzichten.“
Vor allem sei erfreulich, dass die Zahl der Gäste, die Pauschal- und Bausteinreisen von Reiseveranstaltern über Reisebüros und Online-Reiseportale gebucht haben, gestiegen sei – in diesem Sommer um zwei Prozent. „Die Reisenden setzen mit der Stärke und den Vorteilen der Pauschalreise auf Nummer Sicher“, so DRV-Präsident Loidl.
Zugleich zeigt sich der langjährige Chef der Reisebüro-Organisationen Holiday Land und Alpha Reisebüro Partner überzeugt, dass der Beratungsbedarf der Reisenden weiterhin hoch sei: „Der stationäre und mobile Reisevertrieb mit der persönlichen Beratung bleibt ein zentraler Bestandteil des Marktes“, so Loidl.
Gleichzeitig würden KI und Digitalisierung das Buchungsverhalten von Kundinnen und Kunden weiter verändern. Umso wichtiger sei es, „dass Reisebüros ihre Beratungsstärke mit digitalen Kanälen und effizienten Prozessen verbinden“.
Mittelmeer bleibt stark
Besonders positiv entwickelten sich im Sommer 2026 laut DRV die Mittelstreckenziele: Reisen in den östlichen Mittelmeerraum – dazu zählen Griechenland, die Türkei, Ägypten und Tunesien – erzielten insgesamt zusammengerechnet ein Umsatzplus von acht Prozent.
Dabei kletterten die Umsätze für Ägypten um vier Prozent, für Ziele in der Türkei um neun Prozent und in Griechenland um zehn Prozent im Vergleich zum Sommer 2025. Die Ziele am östlichen Mittelmeer stehen insgesamt für die Hälfte des gesamten Umsatzvolumens des Reisemarktes.
Starkes Plus für spanisches Festland
Die westlichen Mittelstreckenziele – wie etwa Spanien und Portugal – legten beim Umsatz in Summe um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahressommer zu. Besonders stark fiel das Wachstum laut DRV für das spanische Festland mit plus elf Prozent aus.
Auch Kreuzfahrten lagen mit fünf Prozent über dem Vorjahresniveau. Deutlich schwächer entwickelte sich dagegen das Fernreisegeschäft mit einem Umsatzminus von 14 Prozent. Der Grund dafür war allerdings vor allem der Iran-Krieg: Für den Winter berichten die Veranstalter von einer starken Fernreisenachfrage speziell für Asien.
Verhaltener Ausblick auf den Winter
Insgesamt zeigt sich für das neue Touristikjahr ab dem 1. November 2026 laut DRV „derzeit ein gemischtes Bild“. So zeichne sich ab, dass „vornehmlich Familien auf eine Zweitreise und weitere Urlaube verzichten“. Die Hauptreise im Sommer sei dagegen auch 2027 bei den meisten fest geplant.
Für den Winter 2026/27 (1. November bis 30. April) liegt der Umsatz aktuell noch zwei Prozent unter dem Vorjahresstand. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Fernreisen, die im Winter einen deutlich höheren Marktanteil haben als im Sommer. Das Segment liegt aktuell noch merklich unter dem Vorjahresumsatz.
Emirate und USA weiter schwach
Besonders ausgeprägt ist die Nachfrageschwäche bei den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA. Demgegenüber zeigen unter anderem Ziele wie Malediven, Thailand oder die Dominikanische Republik eine vergleichsweise stabile oder zum Teil sogar über den Vorjahresstand gestiegene Buchungsentwicklung.
Die Aussagen passen zu den jüngsten Aussagen etwa von TUI Deutschland: Beim Marktführer startete die Nachfrage für den Winter verhalten, zog dem Vernehmen nach aber zuletzt deutlich an.


