Die zunehmenden Rückvergütungen im Vertrieb von Urlaubsreisen schaden der Branche – sowohl klassischen Reisebüros als auch Kreuzfahrtanbietern und Reiseveranstaltern. Den Leistungsträgern fehlen jedoch die Ideen, das Problem einzudämmen.
Im Zuge der Diskussionen um die zunehmende Cashback-Flut in der Touristik hat der neue Vertriebschef von Alltours, Uwe Mohr, während einer Podiumsdiskussion auf den Dialogtagen der Raiffeisen Touristik Group (RTG) in Mainz bedauert, dass es keine „Allianz der Willigen“ gibt. Rückvergütungen seien das „aktuell größte Problem der Branche“ – sowohl für die Veranstalter als auch für die Reedereien und den Reisebüro-Vertrieb.
Dagegen müsste eigentlich etwas getan werden. Doch das Fazit der Runde: Die Leistungsträger tun bis auf Aida Cruises nichts dergleichen.
Hoffnunglos sei die Situation dennoch nicht, meint Uwe Mohr. Er hält es – im Gegensatz zu vielen anderen Touristikern – sogar für denkbar, dass sich juristisch etwas verändern könnte.
Cashbacks seit Jahren juristisch erlaubt
Aktuell gilt: Vertriebspartner können unter dem Dach des Handelsvertreterstatus mit ihrer Provision machen, was sie wollen. Zwar sind direkte Reiserabatte im Vermittlungsgeschäft untersagt – Rückvergütungen sind nach der Reise aber grundsätzlich erlaubt.
Unter dem Dach von Aida hatte Uwe Mohr genau das in Frage gestellt und war mit Rückendeckung des Konzerns gegen Rückvergüter im Aida-Vertriebsnetz vorgegangen. Allerdings kassierte Deutschlands größter Kreuzfahrt-Marktführer zumeist Niederlagen oder Teil-Niederlagen vor Gericht. Abgeschlossen ist der juristische Streit allerdings noch nicht.
Aus Sicht von Uwe Mohr sind Rückvergütungen nicht nur schlecht für die Margen in der Touristik, sondern würden auch das Produkt abwerten. Zudem schaden sie dem Reisebüro-Vertrieb – und der ist für den Vertriebsmix vieler Leistungsträger entscheidend.
Thomas Bösl: „Ich verliere die Geduld“
RTK-Chef Thomas Bösl hatte das Thema Cashback und mögliche Lösungen bereits in seiner Keynote zur Eröffnung des RTG Summit angesprochen. Während der Podiumsrunde betonte er: „Ich verliere langsam die Geduld, weil es keine absehbare Lösung gibt.“ Damit wandte er sich explizit an die anwesenden Veranstalter und brachte auch die Idee einer angepassten Provisionslogik ins Spiel.
Von der sind die Veranstalter aber offenbar weit entfernt, wie unter anderem Detlef Schroer, Vertriebs-Geschäftsführer bei Schauinsland-Reisen, klarstellte. „Oh je, sehr schwierig“, sagte er mit Blick auf mögliche individuelle Provisionen für einzelne Reisebüros. Er und auch Schauinsland-Reisen stünden für „einfache, übersichtliche Modelle.“
Sägen Veranstalter am eigenen Stuhl?
Schade war, dass während der Podiumsrunde eine mehrfach vom Moderator gestellte Frage letztlich unbeantwortet blieb. Sie lautete: „Füttern die Veranstalter mit ihren Produkten zum Teil genau diejenigen, die ihnen später das Geschäft wegnehmen?“
Gemeint war damit explizit der größte Cashback-Anbieter unter den Reiseportalen, Check 24: Der betreibt mit Aurum Tours seit Jahren einen Veranstalter, der kontinuierlich wächst. Und das mit Hilfe der Kundendaten, die über den Vertrieb der Produkte anderer Veranstalter gesammelt wurden.
Einer der wenigen Kommentare zum Thema kam vom Schauinsland-Manager Detlef Schroer: „Da kann man schon spitze Ellenbogen bekommen.“ Was damit konkret gemeint war, blieb im Zuge der Diskussionsrunde unklar. Klar ist hingegen, mit welcher Wucht Rückvergütungen von Check 24 & Co den klassischen Reisevertrieb inzwischen treffen. Deutlich wurde dies jüngst durch eine Cashback-Umfrage des Hamburger Reisebüro-Inhabers Alain Freeman.
Wie Reisebüro-Ketten und -Kooperationen das Thema grundsätzlich sehen, lesen Sie in dieser Umfrage von touristik aktuell.
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