TVG-Kette: Einstieg bei Payback und ein großer Abschied 

Für die TVG endet mit dem Abschied von Birgit Aust eine prägende Ära. Ihr Vermächtnis: eine starke Reisebüro-Organisation, zahlreiche wegweisende Vertriebskonzepte und eine Gemeinschaft, die sie über viele Jahre mit Leidenschaft und Weitblick prägte. 

Eine Gruppe von sieben Personen lächelt in die Kamera, einige halten gläserne Auszeichnungen in den Händen, vor einer Wand aus hellen Holzlatten stehend.
Birgit Aust (Mitte) mit den jüngsten Reisebüro-Preisträger aus dem Franchise-Verbund, darunter auch Tanja Kaun vom Sonnenklar TV Reisebüro Ingolstadt (rechts). Foto: TVG/Staudinger

Der Wechsel von der FTI Group unter das Dach der Raiffeisen Touristik Group (RTG) war eine Zäsur für die Reisebüro-Kette TVG. Mit dem Abschied von Birgit Aust geht nun außerdem eine Ära zu Ende: Nach 20 Jahren an der Spitze der Kette mit den Marken Sonnenklar TV Reisebüro und Flugbörse hat sich Birgit Aust bei der Jubiläumstagung der Kette am Wochenende in München aus dem aktiven Berufsleben verabschiedet.  

Aust verbrachte insgesamt vier Jahrzehnte in der Touristik. In ihrer Zeit bei der TVG prägte sie die Kette mit wegweisenden und oft auch mutigen Entscheidungen, ihr Name wird auch künftig maßgeblich mit der modernen TVG in Verbindung stehen.   

Veränderung als Prinzip 

Als Aust vor knapp zwei Jahrzehnten die Verantwortung übernahm, befand sich der Reisebüro-Vertrieb bereits in einem tiefgreifenden Wandel. Für Birgit Aust war dies keine Belastung, sondern genau die Herausforderung, die sie gesucht hatte: Statt Bestehendes zu verwalten, habe sie „auf neue Ideen“ gesetzt, erinnerte sich der frühere FTI-Vertriebschef Ralph Schiller. Besonders deutlich wurde dabei – auch in Interviews mit touristik aktuell – ihr Mut, Gewohntes infrage zu stellen und gänzlich andere Wege zu gehen. 

Besonders sichtbar wurde dies mit dem gemeinsam mit der Universität St. Gallen entwickelten Konzept „Reisebüro der Zukunft“. Vor 17 Jahren verabschiedete sich die TVG von klassischen Katalogwänden und schuf eine digital geprägte Reisebüro-Welt. Ein mutiger Schritt, der damals nicht überall auf Begeisterung stieß: So mancher Franchise-Nehmer musste seine Mitarbeiter quasi zwingen, digitaler zu arbeiten und den Katalog nur noch auf expliziten Kundenwunsch aus dem Keller zu holen.   

Ideen und Konflikte  

Es folgten zahlreiche weitere Initiativen, Konzepte und Ideen, darunter Digital Signage, Travel Swarm, die Dreambox, neue Franchise-Modelle und die Förderung junger Unternehmerpersönlichkeiten. Auch dies lief nicht immer ohne Konflikte speziell mit den Franchise-Nehmern ab. Die meisten von ihnen sind ihr dennoch extrem dankbar: „Was Birgit Aust geleistet hat für uns, ist einfach grandios“, sagt etwa Ron Michael Krysiak vom Sonnenklar Reisebüro Dessau  

Ihr Ziel hatte Birgit Aust klar formuliert: die angeschlossenen Reisebüros im Wettbewerb zu stärken und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. „Wir haben Veränderungen nie nur beobachtet. Wir haben gehandelt, ausprobiert und Verantwortung übernommen“, berichtet Aust und gesteht: „Nicht jede Idee war auf Anhieb erfolgreich. Aber wir hatten immer den Mut, neue Wege zu gehen.“ 

Eine schwierige Phase für die Kette war die Insolvenz von FTI – sie traf viele Franchise-Nehmer auch finanziell extrem hart. Unter der Führung von Birgit Aust gelang jedoch bald der Neustart, auch Dank der engen Zusammenarbeit und der Investitionsbereitschaft der RT-Group.

Startschuss für Einstieg bei Payback

Zu den mutigsten Ideen gehörten neben der Pionierarbeit bei der Digitalisierung am Counter die massiven Investitionen in die Marke Sonnenklar TV Reisebüro und der schrittweise Umbau des Franchise-Modells. Mit der Einführung von Payback soll jetzt ein schlagkräftiger Marketing-Motor hinzukommen. Der Einstieg in das Bonussystem, bei dem RTK seit Jahren Partner ist, soll ein wichtiger „Hebel gegen die Cashback-Falle“ werden, so Aust.  

Ihre Ansage an die Mitgliedsbüros ist klar: „Jetzt gilt es, das Programm auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und die Möglichkeiten für das eigene Geschäft auszuloten.“ Zugleich warnte sie davor, sich dem Programm von vornherein zu verschließen und sich später darüber zu beklagen, dass Kunden direkt beim Sender buchen.  

Vier Personen stehen auf einer Bühne. Ein Mann hält eine runde Holzscheibe, eine Frau eine Holzfigur und ein weiterer Mann spricht in ein Mikrofon.
Sie führen künftig die TVG (von links): Dirk Faßbender, Conny Koch und Hauke Moll bedanken sich bei Birgit Aust. Foto: TVG/Staudinger

„Habt Mut, Vorreiter zu sein“  

Ob die Reisebüros Payback für ihr gesamtes Sortiment oder ausschließlich für Sonnenklar-Produkte einsetzen, bleibe ihre unternehmerische Entscheidung. Entscheidend sei, offen für neue Wege zu sein und sich im Wettbewerb zu profilieren. „Habt den Mut, eine Vorreiterrolle einzunehmen, und überlegt, was euch einzigartig macht“, ermutigte Birgit Aust die Partner. 

Mit Blick auf die exklusiven Reiseangebote von Sonnenklar TV motivierte Aust die Franchise-Partner, verstärkt auf einzigartige, unverwechselbare Produkte zu setzen. Gerade die Exklusivität der Angebote biete einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Vertriebswegen. 

Übergabe an ein bewährtes Team 

Bei ihrem persönlichen Rückblick auf der Münchner Tagung betonte Aust, wie wichtig ihr in all den Jahren die Menschen waren. Sie werde die vielen Gespräche vermissen, „den intensiven und manchmal durchaus kontroversen“ Austausch. „Wir waren nicht immer einer Meinung. Aber gerade im Ringen um den richtigen Weg sind häufig die besten Lösungen entstanden“, betonte Birgit Aust.  

Dass der Abschied zugleich einen zuversichtlichen Blick nach vorne erlaubt, ist Birgit Aust besonders wichtig. Sie übergebe die TVG „in einer stabilen Position und mit einer klar geregelten Führungsstruktur“. So bleibt Hauke Moll Geschäftsführer, die langjährigen Führungskräfte Dirk Faßbender und Conny Koch rücken in die Geschäftsleitung auf.  

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