Kapstadt: Kathedrale der Künste

Früher Getreidesilo, ab 22. September ein Kunst-Spot der besonderen Art: das Zeitz Mocaa
Früher Getreidesilo, ab 22. September ein Kunst-Spot der besonderen Art: das Zeitz Mocaa
Die Kunstinstallation „Hanging Bricks“
Die Kunstinstallation „Hanging Bricks“.
Fotos: hb

Ein winziges Maiskorn: Manchmal braucht es nur etwas ganz Kleines, um daraus etwas ganz Großes zu entwickeln. „Es war ein Zufallsfund, eine spontane Idee“, erinnert sich der Designer Thomas Heatherwick.

Er ist ein Mann, der alles, was ihn umgibt, penibel genau betrachtet. So wie das Maiskorn, dem er seinen Entwurf für das am 22. September eröffnende Museum für zeitgenössische Kunst in Kapstadt verdankt: „Mit diesem Samen hat alles angefangen.“

Vor über zehn Jahren begann Heatherwick mit den Planungen, ein 1921 gebautes Getreidesilo im Hafen von Kapstadt in ein Museum zu verwandeln – keine leichte Aufgabe angesichts der zylinderförmigen Betontanks. Nach der Erkundung der Ruine nahm er eines jener Maiskörner, die einst hier gelagert wurden, und vergrößerte es am Computer. Dann ließ der Designer diese Form aus den 33 Meter hohen Betonröhren des alten Speichers fräsen.

80 Räume auf sechs Etagen

So entstand ein Atrium von den Ausmaßen eines Kirchenschiffs, erhellt durch große Glasfenster auf dem Dach. Dahinter liegen die Ausstellungsflächen: 80 Räume auf sechs Etagen, dazu viel Platz für Performances, Filmpräsentationen und Workshops. Das neue Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (Zeitz Mocaa) will eine Kathedrale der Künste sein. Und es sieht auch tatsächlich so aus.

Zu sehen sind zum Beispiel Fotografien des Performancekünstlers Athi-Patra Ruga oder eine Installation von Nandipha Mntambo aus Swaziland. Die 34-Jährige hat sich zum Torero ausbilden lassen, wurde für eine Performance selbst zum Stier, und schafft nun Skulpturen aus Kuhhaut.

Beeindruckend ist die Installation „Hanging Bricks“ von Kendell Geers. Bei dieser müssen Besucher einen Raum voller Ziegelsteine queren: Eine Referenz an den Widerstand zur Zeit der Apartheid, als Aktivisten so den Verkehr blockierten. „Jeder Pinselstrich, jeder Pixel, jede Faser ist politisch“, sagt Kurator Mark Coetzee.

Galerie-Belebung und lange Kunstnacht

In den Bau des nun größten Museums dieser Art in Afrika haben die Betreiber der Victoria & Alfred Waterfront 33 Millionen Euro investiert. Was in dem Haus gezeigt wird, stammt von einem Deutschen: Jochen Zeitz. „Von Anfang an habe ich gesammelt, um die Werke in einem Museum ausstellen zu können“, sagt der 54-Jährige, einst Chef des Sportartikelherstellers Puma.

Mit der Eröffnung des Museums stehen auch die Galerien in Kapstadt im Rampenlicht. Viele haben ihre Räume im alten Industrieviertel Woodstock, das früher so etwas wie die Bronx war und heute wie Soho wirkt. Rund um die Old Biscuit Mill tummeln sich die Hipster beim Neighbourgoods Market, in Läden und Coffee Shops. Populär sind die „First Thursdays“: Am ersten Donnerstag des Monats gibt es in den Galerien der Innenstadt immer eine lange Nacht der Kunst.

Doch Südafrikas Kunstszene ist keineswegs aus dem Nichts entstanden. Um auch die Künstler der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte kennenzulernen, lohnt vor allem ein Besuch im Ellerman House, der edelsten Unterkunft der Stadt am Kap. Sie liegt hoch über der Bantry Bay.

Besitzer Paul Harris gewährt dort einen Einblick in seine Sammlung, darunter Gemälde von Südafrikas prominentesten Künstlern. Rund um den Pool gibt es einen Skulpturenpark, in einem Pavillon sind die Neuerwerbungen zu bestaunen. Zum Schlafen ist der Ort zu schade: Auch wer einmal eine Nacht im Museum verbringen will, sollte hier einchecken.

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