Portugal: Kathedralen für Bücher

Elegant: die Johaninische Bibliothek in Coimbra
Elegant: die Johaninische Bibliothek in Coimbra
Eine der schönsten Buchhandlungen Europas: „Lello“ in Porto
Eine der schönsten Buchhandlungen Europas: „Lello“ in Porto. Fotos: mk

Buchhandlung im Jugendstil Mit einer neogotischen, schmalen Außenfassade und einer Innenausstattung im Jugendstil gehört „Lello“ zu den schönsten Buchhandlungen Europas. Besonderer Blickfang ist eine geschwungene, opulente Treppe, deren rote Stufen in die offen gestaltete obere Etage führen, in der auch eine Bar eingerichtet ist. Die Schriftstellerin Joanne K. Rowling, die drei Jahre in Porto lebte, soll hier zu den schwingenden Treppen von Hogwarts Zauberinternat in Harry Potter inspiriert worden sein.

Dass in Porto gearbeitet, in Braga gebetet und in Coimbra studiert wird, besagt eine portugiesische Redensart. Die einstige Hauptstadt Coimbra war immer eng mit der 1290 gegründeten Universität verbunden. Die barocke Johaninische Bibliothek auf dem Campus gilt als eine der spektakulärsten Bibliotheken der Welt. Erbauen ließ sie im 18. Jahrhundert König Johann V., der durch den brasilianischen Goldhandel reich geworden war. Die Bücherregale sind mit Blattgold verzierte Schnitzkunstwerke, die über zwei Etagen bis unter die Decken reichen und Platz für 300.000 Bücher aus dem 16. bis 18. Jahrhundert bieten.

Die zwei Meter dicken Außenwände gewährleisten das ganze Jahr über eine Raumtemperatur um die 19 Grad. Für die optimale Konservierung der Bücher hat die Bibliothek Hilfskräfte im Einsatz, die ausschließlich nachts arbeiten. Nach Bibliotheksschluss kommen Fledermäuse zwischen den Ritzen aus ihren Verstecken geflattert und vertilgen jede Nacht schädliche Insekten. Die historische Bibliothek ist jedoch nur mehr Besuchern oder Konzertveranstaltungen vorbehalten, zum Lesen werden die Bücher in eine neue Bibliothek gebracht.

Bücher im Biomarkt und in der Kirche Früher waren Buchläden feste Größen im Stadtbild und ein sozialer Treffpunkt. In Obidos, einer Kleinstadt im Zentrum Portugals, hat man sich seit ein paar Jahren wieder auf diese Tradition besonnen und fördert mit einer Initiative die Lesekultur und den lokalen Handel. Bei Besuchern ist Obidos bekannt wegen seiner vielen blumengeschmückten Gässchen mit weiß gekalkten Häusern und blau oder gelb bemalten Türen und Fenstern. Ein Ort wie aus dem Bilderbuch, denn innerhalb hoher Burgmauern ist die mittelalterliche Bausubstanz fast vollständig erhalten geblieben.

Im „Mercado Biologico“, dem Biomarkt von Obidos, stapeln sich die Obstkisten bis unter die Decke. Ihr Inhalt: Bücher. Obst und Gemüse liegen liebevoll davor auf einem Tisch ausgebreitet. Einen Band von Jose Saramago, ein Schälchen Himbeeren zusammen mit einem Kilo Tomaten ist hier keine abwegige Bestellung. Auch im Weinkeller stehen neben einem Gläschen Port auch kistenweise neue und antiquarische Bücher zur Auswahl.

Acht solche ungewöhnlichen Buchgeschäfte gibt es in Obidos. Das kurioseste ist in der Kirche Livraria Grande de Santiago untergebracht. Dort schwingen sich zwischen Altar und Weihwasserbecken elegant in einem Halbkreis aufgestellte Regale über die Höhe von zwei Stockwerken hinauf bis zur Kanzel. Die Kirche hatte das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert vor 30 Jahren schließen lassen. Nun kehren die Menschen zurück, ob zum Lesen, Bücherkaufen oder Beten, das ist jedem selber überlassen.