Robbenfleisch und Inuit-Träume

Bunte Häuser bestimmen das Bild von Nuuk
Umstritten: Die Statue von Hans Egede steht auf einem Hügel unweit des Alten Hafens. Fotos: ah

Für eine Hauptstadt ist Nuuk überschaubar: Gerade einmal 18.000 Menschen leben in der grönländischen Kapitale. Das Metropölchen zieht aber immer mehr Grönländer an. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt.

Trotzdem ist das Leben beschaulich geblieben. Von den wenigen Touristen, die sich vor Corona hierher „verirrten“, kommen die meisten von Kreuzfahrtschiffen und verweilen im Rahmen eines Landgangs wenige Stunden in der Stadt. Sie spazieren gemütlich zwischen den bunten Holzhäusern und grauen Wohnsilos umher, die über die Hügel der ganzen Stadt verstreut liegen. Vielmehr gibt es für Touristen auf den ersten Blick eigentlich nicht zu tun.

Auch deshalb werden Besucher sogleich auf die größte Kuriosität der Stadt aufmerksam gemacht: Sie wartet auf der Aqqusinersuaq, der Hauptstraße, die sich vom Hafen schnurgerade bis in die City zieht. An einer Kreuzung stehen zwei Ampeln – es sind die einzigen Grönlands. Weitere Ampeln wären sinnlos. Denn es gibt kein landesweites Straßenverkehrsnetz zwischen den 18 Städten und rund 60 Siedlungen. Weite Strecken bewältigen Grönländer per Flieger, Hundeschlitten oder Boot.

Am besten, man kommt bei Sonne
Nach dem Ampel-Abenteuer schlendern wir weiter über die Hauptstraße. Es ist Mitte Mai, die Temperatur liegt knapp über null Grad. Letzte Schneereste türmen sich am Straßenrand auf. Die Einwohner behaupten, bei Sonnenschein sei Nuuk ein toller Ort, ansonsten eher nicht. Wir haben Glück, heute erstrahlt Nuuk im Sonnenglanz, in der Ferne leuchten die mehr als 1.000 Meter hohen schneebedeckten Berge darunter der markante Sermitsiaq, der die Hauptstadt im Norden begrenzt. Mit Grönländern kommt man schnell ins Gespräch. Auf der Aqqusinersuaq treffen wir eine junge Frau und fragen, wie man sich hier die Zeit vertreibt. „In meiner Freizeit gehe ich mit dem Gewehr jagen. Wenn es das Wetter zulässt, fischen wir auf dem Meer – mit dem Speed-Boat.“

Im Verlauf des Gesprächs erzählt die Inuit von ihrem großen Traum, einen Eisbären zu erlegen und aus dem Fell Schneestiefel zu fertigen. Dazu muss man wissen: Die Eisbärenjagd auf Grönland ist streng reglementiert, maximal zwölf Tiere dürfen pro Jahr erlegt werden – und zwar nur von den Ureinwohnern. Heute sollen noch rund 22.000 Eisbären auf Grönland leben.

Wir spazieren weiter durch die Stadt. Da Nuuk das Einfallstor für Touristen in Grönland ist, lohnt ein Besuch im Nationalmuseum. Hier erfahren wir zum Beispiel, dass der dänisch-norwegische Pfarrer Hans Egede 1728 eine Kolonie in Nuuk errichtete. Das 300. Stadtjubiläum steht in einigen Jahren ins Haus, doch die Vorfreude hält sich in Grenzen. In der jüngsten Vergangenheit wurde die Kolonialzeit auf Grönland kritisch diskutiert. Auch die Christianisierung, die von Egede vorangetrieben wurde, stößt heutzutage nicht mehr überall auf Zustimmung.

Und so gab es im vergangenen Jahr eine Abstimmung darüber, ob die Statue des Missionars am Alten Hafen nicht versetzt werden sollte. Die Mehrheit von Nuuk lehnte dies ab, die Diskussion darüber hält aber weiter an.

Der Trommelschläger von Nuuk
Zu den Sehenswürdigkeiten gehört auch das Katuaq – grönländisch für „Trommelschläger“. Es ist die Kultureinrichtung des Landes, wo Ausstellungen und Konzerte veranstaltet werden. Wem für die Kunstwerke die Zeit fehlt, sollte den Bau allein der Architektur wegen aufsuchen. Das markante Gebäude ist vom arktischen Nordlicht inspiriert und beeindruckt durch seine helle, geschwungene Fassade. Abgerundet wird der Bummel durch eine Stippvisite auf dem „Braedet“-Markt, wo sich nur die mutigsten Touristen trauen, ein Stück Robben- oder Walfleisch zu probieren. Einen Versuch ist es dennoch wert. Man kann ja anschließend nachspülen.

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