Auf Dschungeltour

Guide Olcay Yilmaz: Weil es in seinem Heimatort keine gute Schule gab, musste er seine Eltern mit zwölf Jahren verlassen.
Guide Olcay Yilmaz: Weil es in seinem Heimatort keine gute Schule gab, musste er seine Eltern mit zwölf Jahren verlassen.

Eine Wanderung im Kursunlu-Naturpark führt Urlauber in eine sattgrüne Landschaft

Eingang zum Kursunlu-Naturpark. Fotos: kib
Eingang zum Kursunlu-Naturpark. Fotos: kib

Die Wanderung beginnt easy und ohne Sprachschwierigkeiten: Unser Guide Olcay Yilmaz spricht hervorragend Deutsch, ein Bus bringt uns von Belek zum Ausgangsort der Tour, dem Kursunlu-Naturpark. Dort herrscht erst einmal Verblüffung: Ist das grün! Sind wir wirklich an der türkischen Mittelmeerküste. Oder in einem Biosphären-Reservat der Rhön? Die Luft ist klar und frisch, es duftet nach Pinien.

Zwischen Eingangsbereich und dem Kursunlu-Wasserfall gibt sich der Park touristisch: Ein Kiosk, ein Verkaufsstand für Souvenire und knipsfreudige Fotografen warten auf Besucher. Einheimische wie Touristen, berichtet Reiseführer Yilmaz, lassen sich gerne vor dem 18 Meter hohen Wasserfall ablichten, der in sieben kleinere Teichen abfließt. Für etliche Ortsansässige ist kurz hinter der Eingangspforte die Tour durch den Nationalpark auch schon zu Ende, bevor sie überhaupt angefangen hat: Sie kommen, gerade in den heißen Sommermonaten, nicht zum Sightseeing, sondern nur zum Picknicken in den Schatten spendenden Park.

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Doch Yilmaz steht der Sinn nach Wandern. Immer tiefer führt er uns in das 33 Hektar große Gelände. Aus der schlendernden Gruppe werden Dschungelabenteurer: Yilmaz zieht das Tempo an, mit einem Stock schlägt er Äste und Zweige zur Seite, damit seine Gefolgschaft möglichst stramm und unbehelligt folgen kann.

Erst am Haus von Kenan Evren legt der Tourguide von Öger Tours eine Pause ein: Mitten im Park und direkt am Ufer eines idyllischen Teichs hat sich der ehemalige General, Putschist und türkische Staatspräsident (1982-1989) ein Holzhaus zur Erholung von seinen Staatsgeschäften errichten lassen. Dank der Panoramafenster kann man sich vorstellen, wie Evren hier seinerzeit den Blick in den Park genossen hat.

Das Haus zählt neben dem Wasserfall und einer 200 Jahre alten Wassermühle zu den Sehenswürdigkeiten des Naturparks. Dass hier auch verschiedene Tierarten wie Füchse, Wildschweine und Schildkröten leben, sehen wir nur an deren Hinterlassenschaften. Wenigstens machen uns ein paar Frösche ihre Aufwartung am Wegesrand.

Aus der dschungelartigen Flora führt der Weg an einigen Bauernhöfen vorbei in Richtung Aksu. An den Bäumen hängen vergammelte Orangen, Granatäpfel und Feigen – wir wundern uns, dass sie als Vogelfutter dienen und nicht geerntet wurden. Yilmaz kennt des Rätsels Lösung: „Die Bauern waren mit den Preisen so unzufrieden, dass sie einen Teil der Ernte einfach hängen ließen.“

Überhaupt weiß Yilmaz allerlei Wissenswertes zu erzählen. Und noch einen Vorteil hat die geführte Wanderung: Am Ausgang des Parks erwartet uns schon der Bus mit kühlen Getränken und bringt uns erfrischt zur antiken Stadt Perge. Vieles ist schon ausgegraben, nach dem Tempel der Artemis wird noch gesucht.

Über Perge liegt dieselbe friedvolle Ruhe wie im Naturpark. Das einzige Spektakel, das uns geboten wird, ist der kitschig schöne Sonnenuntergang hinter den Ruinen. Blutrotes Glühen am Horizont statt blutiger Blasen an den Füßen – so darf ein Wandertag enden.

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