Barbados: Bei den Genussmenschen

Der „Fish Fry“ in Oistins ist eine Art Crashkurs in Landeskunde
Der „Fish Fry“ in Oistins ist eine Art Crashkurs in Landeskunde. Foto: mc

„Wahoo!“ Hurra-Geschrei an Bord der Billfisher III, einer Charteryacht für Touristen. In den tiefen Gewässern vor der Küste von Barbados hat Ricardo einen dicken Fisch an der Angel, einen Wahoo. Nach der Rückkehr im Hafen von Bridgetown wird er gleich verspeist. Die Köchin im Waterfront Café bereitet den Fisch auf fünf höchst delikate Arten für uns zu. Frischer geht’s nicht.

Das Geheimnis sind die speziellen exotischen Würzmischungen, von mild bis extrascharf. Die scharfen Mixturen sind eine Spezialität auf Barbados. Vor allem die Hot Pepper Sauce, die ihrem Namen alle Ehre macht, ist ein beliebtes Mitbringsel. Jedes Restaurant, ja jede Familie hat ihr eigenes Rezept.

Afrikanische, europäische, indische und asiatische Einflüsse haben in der Küche von Barbados einen Stilmix hinterlassen. Auf den sind die Bajans, so nennen sich die Bewohner, mächtig stolz. Auf ihre Küche lassen diese Genussmenschen nichts kommen. Schlemmen kommt einem nationalen Hobby gleich. Fast Food dagegen ist weitgehend verpönt. Die Insulaner erzählen gerne jene Anekdote, wie die weltweit bekannteste Burger-Kette vor einigen Jahren eine Filiale auf Barbados eröffnete, aber schnell wieder schließen musste – mangels Nachfrage.

Vor allem Fisch gibt es in allen Varianten. Fliegender Fisch wird frittiert oder im Sandwich schon zum Frühstück gegessen. Die Delikatesse von nationalem Ausmaß ist sogar auf der Währung verewigt. Dank der Lage weit draußen im Atlantik mangelt es nicht an Nachschub.

Auch in Oistins im Süden, liebt man es scharf. Pflicht für Fischfans ist dort der Fish Fry, ein riesiges Strand- und Straßen-Barbecue. Für Barbados-Neulinge ist der Fish Fry die beste Gelegenheit, Land, Kultur, Rhythmen und die kulinarischen Genüsse in einer Art Crashkurs kennenzulernen. Bier und Rum fließen reichlich und an allen Ecken dampft und raucht es. An einem der Grills schießen Flammen in die Höhe. Das Ergebnis ist ein rußgeschwärzter, äußerst rezenter Überzug auf dem Fisch. Der „Blackened Fish“ ist eine kreolische Spezialität. Sonne, Strand, Palmen, Meer und Rum – auf die beliebten High Five der Karibik setzt Barbados seine exzellente Küche drauf.

Zum guten Essen gehört der einheimische Rum, einer mit Tradition: Mount Gay Rum wird seit 1703 produziert und gilt als die älteste Rummarke der Welt. Wer sich unter die Einheimischen mischen will, genießt ihn an einem der vielen Rumkioske, einer Art Tante-Emma-Laden mit Schuss. Insider behaupten, dass es auf Barbados so viele Rumkioske gibt wie Kirchen: über 1.000.

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