Titicacasee: Ein Boot für den Abenteurer

Schilfboote sind das Fortbewegungsmittel Nummer eins auf dem Titicacasee
Demetrio Limachi baute einst für den Abenteurer Thor Heyerdahl ein Boot. Fotos: mw

Sein Boot steht schon längst auf dem Trockenen. Doch Demetrio Limachi posiert darauf wie der Entdecker neuer Welten. Tatsächlich verhalf der findige Fischer vom indigenen Volk der Aymara vor fast 50 Jahren dem norwegischen Abenteurer Thor Heyerdahl zum Erfolg. Zusammen mit seinen Brüdern Jose, Juan und Paolino baute Limachi 1970 aus Schilf die Ra II für ihre 56 Tage lange Seereise von Marokko über den Atlantik. Damals war das ein Weltereignis.

Das Wissen des Großvaters

Eine Kopie des Bootes ist heute die größte Attraktion des Hotels Inca Utama im bolivianischen Huatajata am Ostufer des Titicacasees. Anhand von Modellen und Plänen erklärt Demetrio – inzwischen 71 und von Grauem Star gepiesackt – wie sie mit dem Wissen von Großvater Nazario das Boot mit nur zwei Knoten an beiden Enden geflochten haben, so dass Wellen und Wind es nicht aufreiben konnten.
Später bauten sie für Heyerdahl weitere Schiffe. Limachis Tochter Zoy ging mit dem Abenteurer nach Norwegen, sein Neffe Fermin arbeitet für einen deutschen Experimental-Archäologen – und baut ein Boot für Wladimir Putin.

Die traditionellen Bootsbauer vom See sind aber nicht die einzige Überraschung, die Gäste im Hotel der bolivianischen Incoming-Agentur Crillon erwartet. Statt auf Luxus setzt das Drei-Sterne-Haus mit 67 Zimmern auf ein kulturelles Gesamterlebnis. Kunsthandwerker, Lamas und Alpakas erwarten Besucher im benachbarten Dorf mit nachgebauten Rundhütten aus Schilf. In denen lebte früher das Volk der Urus auf künstlichen Schilfinseln im See.

Schamane im Kerzenschein

Sobald die Sonne versinkt, zeigen Mitarbeiter in einem Vortragsraum einen Film über indigene Heiler. Von Fackeln beleuchtet führt ein Pfad anschließend in ein geheimnisvoll gestaltetes Museum. In Inszenierungen und mit erklärenden Piktogrammen sind hier Dutzende Heilkräuter, Mineralien und Naturstoffe und deren Wirkung versammelt. Am Ende wartet im Schein einiger Kerzen in einer schummrigen Hütte ein traditioneller Schamane aus der Nachbarschaft.

„Beschwörungsformeln“ murmelnd wirft er Opfergaben ins Feuer und mehrfach Kokablätter auf den Boden vor sich. Daraus liest er den Reisenden die Zukunft. Die „Lottozahlen kennt er leider nicht“, scherzt Reiseleiter Rodrigo Vera Rozo. Das Orakel antwortet nur auf Ja- und Nein-Fragen. Nach dem Abendessen öffnet sich den Gästen dann der Blick in die Sterne. Vollautomatisch fährt das Dach des Hotel-eigenen Observatoriums, es wurde von der NASA gestiftet, über den Köpfen zusammen.

Je nach Jahreszeit und Mondphase rücken im Teleskop dann der Mond und seine Krater oder traditionelle Dunkel-Sternbilder der Inkas wie das Große Lama oder die Schlange in den Fokus.
Bevor die Reise am nächsten Morgen mit dem Tragflügelboot weiter zu einer der Inseln führt, vermittelt ein Audioguide in einem weiteren kleinen Museum einen kulturhistorischen Überblick über das Leben im Altiplano. Der Bogen reicht von der immer noch rätselhaften vorkolumbianischen Hochkultur in Tihuanaco bis zu den bunten Volksfesten der Gegenwart.

Das Hotel Inca Utama – Haus des Inka – liegt an der Straße von La Paz nach Copacabana direkt am See. Es wird auch von deutschen Veranstaltern wie Studiosus im Rahmen von Rundreisen angefahren.
Infos gibt es unter www.crillontours.com.

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