Die Verteuerung und Verknappung von Öl infolge des Golfkriegs trifft auch die Kreuzfahrtindustrie massiv. Erste Anbieter erheben nun einen Treibstoffzuschlag, andere warten die weitere Entwicklung an der Straße von Hormus ab. Feststeht: Die Ticketpreise steigen über kurz oder lang.
„Im Moment rufen manche Häfen den dreifachen Treibstoffpreis auf“, berichtet Guido Laukamp, CEO von Nicko Cruises. Daher hätten Partner-Reedereien kurzfristig Treibstoffzuschläge aufgerufen, die der Veranstalter gemäß seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen nun teilweise an seine Gäste weitergibt. Für alle Flusskreuzfahrten ab dem 1. Mai 2026 berechnen die Stuttgarter ihrerseits einen Treibstoffzuschlag von acht Euro pro Person und Nacht, bei Hochseereisen beträgt dieser zehn Euro. Der Zuschlag wird in der Rechnung und Reisebestätigung ausgewiesen.
Man gebe nur das weiter, was zwingend notwendig sei, so das Unternehmen, das auf seiner Internetseite eine ausführliche Erläuterung der Treibstoffzuschläge veröffentlicht hat.

Arosa erhebt Energiekostenzuschlag
Auch Arosa hat bereits reagiert und erhebt seit dem 18. März einen Energiekostenzuschlag von neun Euro pro Person und Tag bei allen Neubuchungen für die laufende Saison. Dieser ist bereits in den Reisepreis inkludiert und wird in der Rechnung separat ausgewiesen. Der Energiekostenzuschlag werde somit verprovisioniert, betont die Reederei.
Letzteres gilt auch bei Plantours: Die Hamburger erheben seit Ende März einen Zuschlag von sieben Euro pro Person und Nacht bei Flussreisen und 15 Euro bei Hochseekreuzfahrten.
1A Vista Reisen lässt Gästen derzeit die Wahl: Seit dieser Woche finden Passagiere auf ihrer Kabine ein Schreiben, in dem der Veranstalter die Lage erklärt und die Möglichkeit bietet einen freiwilligen Beitrag an Bord zu entrichten. Natürlich beobachte man die Situation weiter und es sei nicht ausgeschlossen, dass man „bei durchgängig hohen Kosten irgendwann einen verbindlichen Zuschlag nehmen müsste“, heißt es auf ta-Anfrage.
Phoenix Reisen indes plant nach Unternehmensangaben keine Treibstoffzuschläge.
Andere warten ab. „Wir beobachten die sich wandelnde geopolitische Lage und deren Auswirkungen auf unsere Branche sehr genau“, heißt es bei MSC Cruises in München. „Derzeit sind in unseren Preisen keine Treibstoffzuschläge enthalten“, so eine Sprecherin.
TUI Cruises: Höhere Treibstoffkosten „in Teilen abgefedert“
TUI Cruises kann nach Unternehmensangaben höhere Treibstoffkosten durch Termingeschäfte „in Teilen abfedern“. Ein wesentlicher Teil des Treibstoffbedarfs sei für das laufende Jahr bereits im Voraus abgesichert. Grundsätzlich prüfe man die eigene Preisgestaltung und Kostenentwicklung fortlaufend im Rahmen der regulären Planung. Konkrete Maßnahmen oder Anpassungen bewerte man „situationsabhängig und zum gegebenen Zeitpunkt“, heißt es aus Hamburg.
Marktführer Aida betont derweil seine Preisstabilität. Man verkaufe heute Reisen bis 2028 zu festen Preisen, die auch nachträglich nicht erhöht würden, so ein Unternehmenssprecher. Deshalb seien Kunden gut beraten, sich die derzeitigen Preise durch eine rechtzeitige Buchung zu sichern. Wenn es auch mittel- und langfristig zu deutlich höheren Kraftstoff- und Energiepreisen komme, werde sich das in der Zukunft in den Preiskalkulationen auswirken.


