Die im Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) gegen Insolvenz abgesicherten Reiseveranstalter werden finanziell weiter entlastet. Wie der DRSF ankündigt, werden die die Entgelte zum kommenden Absicherungsjahr ab 1. November 2026 von 0,5 auf 0,25 Prozent des absicherungspflichtigen Pauschalreiseumsatzes abgesenkt. Außerdem senkt der Fonds den Startwert für die Sicherheitsleistungen um zwei Prozentpunkte von sieben auf fünf Prozent.
Schon die dritte Beitragssenkung
Bereits im September 2025 war der von Veranstaltern an den DRSF zu entrichtende Beitrag von 1 auf 0,75 Prozent des absicherungspflichtigen Pauschalreiseumsatzes gesunken, in einem weiteren Schritt wurde der Satz am 1. November auf 0,5 Prozent reduziert. Vorausgegangen war wiederholte und massive Kritik unter anderem von großen Reiseveranstaltern wie TUI und Dertour, denen die finanzielle Belastung für den Kundengeldschutz zu hoch war.

Dass nun parallel zur erneuten Beitragssenkung auch die Berechnung der zu hinterlegenden Sicherheiten neu aufgestellt wird, kann sich besonders für Veranstalter mit guter Bonität auszahlen. Durch die Absenkung des Startwertes erweitert der DRSF die Tarifierungsbandbreite zur Berechnung der Sicherheitsleistungen auf ein bis neun Prozent des Pauschalreiseumsatzes des zurückliegenden Geschäftsjahres. Bislang müssen die Reiseanbieter Leistungen zwischen fünf und neun Prozent hinterlegen.
„Wir entlasten wir die Reisebranche spürbar“
Die Absenkung der Beiträge führe bei Veranstaltern zur „dauerhaften und direkten Ertragsverbesserung“ und ermögliche ihnen „finanzielle Freiräume, beispielsweise für Investitionen“, so der DRSF. Zum neuen Absicherungsjahr reduziert sich das Volumen der zu stellenden Sicherheiten um einmalig 560 Millionen Euro, künftig bringe es der Branche Einsparungen von 70 Millionen Euro jährlich. „Mit diesem Gesamtpaket entlasten wir die Reisebranche spürbar und zielgerichtet, während wir unseren Schutzauftrag für die Reisenden weiterhin verlässlich erfüllen“, betont Geschäftsführer Andreas Gent.
Ob der DRSF damit auch auf die Kritik der Branche reagiert, ist unklar. Nach eigenen Angaben erfolgen die Anpassungen „im Rahmen der jährlichen Überprüfung des Tarifierungsmodells“, was unter anderem wegen der „dynamischen Höhe des Zielkapitals“ geschehen muss. Diese richtet sich nach der Vorgabe, dass der Fonds gleichzeitig die Insolvenzen des größten und eines mittleren Reiseveranstalters finanziell stemmen muss. Auch für die Zukunft könne es weitere Entlastungen geben, „wenn dies die jährliche Überprüfung des Tarifierungsmodells sowie des Finanzierungsplans hergibt“, so der Fonds.
DRSF verfolgt neue Anlagestrategien
Dieses Vorgehen erfolgt laut DRSF in enger Abstimmung mit den Gesellschaftern, dem Beirat sowie dem Bundesjustizministerium als Aufsichtsbehörde. Die aus dem Maßnahmenpaket resultierenden Änderungen der Allgemeinen Absicherungsbedingungen (AAB) befinden sich aktuell in der finalen Abstimmung und werden pünktlich zum Start des neuen Absicherungsjahres am 1. November 2026 wirksam.
Um die Leistungsfähigkeit des Fondsvermögens weiter auszubauen, hat der DRSF außerdem einen zweiten Vermögensverwalter ausgewählt. Darüber hinaus liege dem Justizministerium ein Vorschlag des DRSF für eine neue Kapitalanlagerichtlinie vor, die erstmals einen Aktienanteil vorsehe.
Branche fordert weitere Reformen
Der DRV, der Hauptgesellschafter des DRSF ist, begrüßt die geplanten Maßnahmen als „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“. „Unser Ziel bleibt es, die finanziellen Belastungen der Reiseveranstalter weiter zu reduzieren und damit die Pauschalreise zu stärken“, so DRV-Präsident Albin Loidl.
Konkreter wird der führende Veranstalter TUI. Angesichts von rund einer Milliarde Euro, die dem Fonds bereits zur Absicherung zur Verfügung stehe, sei die weitere Absenkung „ein guter und richtiger Schritt“, aber auch nur ein „Zwischenschritt“. Eine „Absenkung auf Null“ sei möglich „und das bei vollem Erhalt der hohen Absicherung für die Kunden“, heißt es in einem Statement.
Auch die Dertour-Gruppe hält die eingeschlagene Richtung für richtig, aber das Tempo für die Umsetzung weiterer Reformschritte und die Entlastung müsse zunehmen. „Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf für zusätzliche Absenkungsschritte“, so Dertour-Chef Christoph Debus. Darüber hinaus fordert er – ähnlich wie TUI – eine neue Anlagestrategie und außerdem eine strukturelle Weiterentwicklung des Fonds sowie die Einführung eines DRSF-Qualitätssiegels.



