Nach mehr als 45 Jahren bei Hauser Exkursionen verabschiedet sich Geschäftsführer und Inhaber Manfred Häupl in den Ruhestand. Im Gespräch mit touristik aktuell blickt er auf seinen ungewöhnlichen Einstieg in die Touristik zurück, spricht über die Entwicklung des Outdoor-Marktes, über die Herausforderungen der Branche und erklärt, warum die Übergabe an Studiosus für ihn der richtige Schritt war.

Herr Häupl, Sie haben mehr als vier Jahrzehnte die Entwicklung von Hauser Exkursionen geprägt. Wie sind Sie eigentlich in den Tourismus gekommen?
Eigentlich eher zufällig. Ich bin im Allgäu aufgewachsen, hatte als Jugendlicher aber zunächst wenig Interesse an den Bergen. Erst nachdem ich aus gesundheitlichen Gründen mit einigen Sportarten aufhören musste, habe ich das Wandern für mich entdeckt. Ursprünglich wollte ich Sozialpädagogik studieren, weil ich gesellschaftlich etwas bewegen wollte. Während des Studiums hatte ich jedoch einen Motorradunfall und musste mein Studium unterbrechen. Um die Zeit zu überbrücken, nahm ich verschiedene Jobs an – einer davon führte mich zu Hauser Exkursionen. Eigentlich sollte ich nur drei Tage lang beim Umräumen des Büros helfen. Daraus wurden schließlich 45 Jahre.
Wie kam es dazu?
Ich hatte nebenbei fallen gelassen, dass ich nicht nur Möbel schleppen, sondern auch Schreibmaschine schreiben kann. Firmengründer Günter Hauser hat mir eine Chance gegeben und ich durfte als sein Assistent direkt mit ihm zusammenarbeiten. Das war für mich ein Crashkurs in Unternehmertum. Noch wichtiger war aber zu erleben, wie er mit Menschen umging – respektvoll und partnerschaftlich, unabhängig von Herkunft oder Nationalität. Diese Haltung hat mich mein ganzes Berufsleben begleitet.
Wie ging es für Sie weiter bei Hauser Exkursionen?
Nach dem tödlichen Bergunfall von Günter Hauser in Chile im Jahr 1981 begann eine sehr schwierige Phase. Ich war Anfang 20 und musste plötzlich Verantwortung übernehmen. Es gab auch viel Widerstand von den erfahrenen Kollegen. Aber da ich so eng mit Günter Hauser zusammengearbeitet hatte, hatte ich den besten Einblick ins Unternehmen. Viele glaubten damals nicht, dass Hauser Exkursionen überleben würde. Rückblickend war das meine Feuertaufe.

Wie entwickelte sich Hauser Exkursionen in den folgenden Jahren?
Zunächst ging es darum, das Unternehmen zu stabilisieren. Später konnte ich gemeinsam mit Günter Hausers Frau Christel neue Strukturen aufbauen. 1986 wurde ich Geschäftsführer, 1991 übernahm ich das Unternehmen schließlich im Rahmen eines Management-Buy-outs als Alleingesellschafter. Danach begann eine spannende Wachstumsphase. Aus dem ursprünglichen Nepal-Spezialisten wurde Schritt für Schritt ein weltweit tätiger Anbieter für Wander-, Trekking- und Erlebnisreisen. Gleichzeitig war mir wichtig, dass wir nicht nur unser Produktportfolio erweitern, sondern auch unsere Werte definieren. Bereits Anfang der 1990er-Jahre haben wir ein Unternehmensleitbild entwickelt, in dem Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung fest verankert wurden.
Hauser Exkursionen gilt heute als einer der Pioniere im Trekking- und Wandersegment. Wie hat sich dieser Markt verändert?
Wir haben miterlebt, wie sich Adventure Travel international von einer kleinen Nische zu einer anerkannten Reiseform entwickelt hat. Früher waren viele Reisen deutlich einfacher organisiert – Übernachtungen im Zelt, wenig Komfort, improvisierte Infrastruktur. Heute erwarten die Gäste hochwertigere Unterkünfte, gutes Essen, exzellente Reiseleitungen und professionelle Organisation. Gleichzeitig ist das Naturerlebnis wichtiger denn je geworden. Wer draußen unterwegs ist, entwickelt automatisch eine engere Beziehung zur Natur. Daraus entsteht aber auch eine größere Verantwortung. Für uns gehören hochwertiges Reisen und verantwortungsbewusstes Handeln deshalb untrennbar zusammen.
Nachhaltigkeit war bei Hauser Exkursionen schon lange ein Thema, bevor es zum Branchentrend wurde.
Das stimmt. Mich hat immer beschäftigt, wie Tourismus positiven Nutzen stiften kann. Deshalb haben mich tourismuskritische Themen immer begleitet. Und wir haben unsere Verantwortung systematisch aufgebaut – mit klaren CSR-Strukturen, einer Tour-Cert-Zertifizierung und unserem Engagement im Forum Anders Reisen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur Klimaschutz. Sie umfasst ebenso Menschenrechte, Kinderschutz sowie Bildung und Wertschöpfung in den Zielgebieten. Wir investieren beispielsweise seit vielen Jahren gezielt in die Ausbildung lokaler Reiseleiterinnen und Reiseleiter, damit mehr Einkommen vor Ort bleibt.
Wie passen für Sie Klimaschutz und Flugreisen zusammen?
Das ist eine schwierige Frage. 70 Prozent unserer Gäste fliegen in ihr Urlaubsziel, gleichzeitig leben unsere langjährigen Partner weltweit vom Tourismus. In dieser Zwickmühle befinden wir uns und mit dieser Verantwortung müssen wir bestmöglich umgehen. Deshalb leisten wir einen Beitrag zum Klimaschutz und arbeiten kontinuierlich an Verbesserungen.
Welche Herausforderungen beschäftigen Veranstalter heutzutage noch besonders?

Ein wichtiges Thema bleibt die Sicherheit. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten wird die Bewertung von Informationen immer wichtiger. Dafür braucht es starke Partnernetzwerke vor Ort und transparente Kommunikation gegenüber den Gästen. Und natürlich beschäftigt uns die Preisentwicklung. Die Nachfrage nach besonderen Reisen ist weiterhin hoch, gleichzeitig hinterfragen viele Kunden die stark gestiegenen Reisepreise kritischer als früher.
Aber ist die Hauser-Klientel nicht eher finanziell gut aufgestellt?
Das stimmt. Aber auch bei unserer Klientel ist eine Preissensibilität da, vor allem, wenn sie die Preissteigerungen gefühlt nicht mehr nachvollziehen kann.
2024 haben Sie Hauser Exkursionen an die Studiosus-Gruppe verkauft. Warum war Studiosus Ihr Wunschpartner?
Mir ging es nie nur um wirtschaftliche Kennzahlen. Entscheidend war die Frage: Wer führt dieses Unternehmen in meinem Sinne weiter? Mit Studiosus verbindet uns seit vielen Jahren ein sehr ähnliches Werteverständnis – Qualität, Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Wirtschaften. Hinzu kommt die persönliche Ebene. Die Gespräche mit Peter-Mario Kubsch haben mir gezeigt, dass beide Unternehmen hervorragend zusammenpassen. Besonders wichtig war mir außerdem die Perspektive für unsere Mitarbeiter. Der Standort München-Pasing bleibt erhalten, Hauser Exkursionen behält seine Eigenständigkeit und kann sich innerhalb der Unternehmensgruppe weiterentwickeln. Das war für mich ausschlaggebend.
Welche Chancen ergeben sich dadurch für den Reisebüro-Vertrieb?
Der stationäre Vertrieb war bei Hauser Exkursionen bisher eher ein Randthema. Unter dem Dach von Studiosus eröffnen sich hier neue Möglichkeiten. Ich höre von vielen Reisebüros, dass sie sich seit Langem ein hochwertiges Aktivreiseprodukt mit einer starken Vertriebsunterstützung gewünscht haben. Gerade Wander-, Trekking- und Radreisen sind beratungsintensiv. Für Reisebüros ist es deshalb auch eine wirtschaftliche Entscheidung, inwieweit sie in dieses Segment einsteigen. Unter dem Dach von Studiosus lohnt es sich für sie. Provision, Produkt und Strategie gehen Hand in Hand.
Was wünschen Sie Hauser Exkursionen für die Zukunft?
Ich wünsche mir gesundes Wachstum. Wachstum ist wichtig, solange es zur Unternehmensphilosophie passt. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sind für mich keine Gegensätze, sondern Partner. Beides muss sich gegenseitig stärken. Mit der Einbindung in die Studiosus-Gruppe sehe ich dafür hervorragende Voraussetzungen. Hauser Exkursionen kann seine Eigenständigkeit bewahren und gleichzeitig von der Stärke einer großen Unternehmensgruppe profitieren. Für mich ist das die beste Perspektive – für das Unternehmen ebenso wie für die Mitarbeiter.

Sie verabschieden sich nun in den Ruhestand. Worauf freuen Sie sich besonders?
Langweilig wird mir sicher nicht. Ich werde mich weiterhin im Forum Anders Reisen engagieren und meine Arbeit in der Sir Edmund Hillary Stiftung Deutschland sowie in der Red House Foundation fortsetzen. Diese Projekte in Nepal und Grönland liegen mir sehr am Herzen. Natürlich möchte ich auch weiterhin reisen – diesmal mit mehr Zeit. Viele unserer langjährigen Partner haben mich schon eingeladen, sie zu besuchen. Darauf freue ich mich sehr. Außerdem möchte ich mehr Zeit für meine Kirchengemeinde haben, wieder häufiger Gitarre spielen und vielleicht sogar ein Buch schreiben. Ob es am Ende ein Rückblick auf mein Berufsleben oder doch ein Kriminalroman wird, weiß ich heute noch nicht.
Fällt Ihnen der Abschied schwer?
Nein, überraschenderweise nicht. Natürlich verabschiede ich mich von meinem Lebenswerk, aber ich weiß Hauser Exkursionen in den besten Händen. Genau das war mein Ziel: einen Partner zu finden, der unsere Werte teilt und das Unternehmen mit Respekt weiterentwickelt. Ich habe etwas aus der Hand gegeben und kann jetzt Neues in die Hand nehmen. So empfinde ich diesen neuen Lebensabschnitt.


