Die wirtschaftliche Lage von Air Baltic scheint sich weiter zuzuspitzen. Angesichts der wachsenden finanziellen Probleme will die lettische Fluglinie bei einer Sitzung Anfang August um kurzfristige Finanzmittel von Anleihegläubigern bitten,wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Mitteilung an die Gläubiger berichtet. Dies solle die Finanzen stabilisieren und das Risiko eines Zahlungsausfalls abwenden.

Höhe der Finanzspritze bislang unklar
Die Fluggesellschaft strebe eine „Überbrückungsfinanzierung“ an, während sie ihre Kapitalstruktur überprüfe, heißt es in der Mitteilung. „Um sicherzustellen, dass die Gruppe während dieses Prozesses über eine stabile Grundlage verfügt, beabsichtigt der Emittent, eine Zwischenfinanzierung zu beantragen, um auch während der Überprüfung über ausreichende Liquidität zu verfügen.“ Wie hoch diese Finanzspritze ausfallen soll, ist bislang nicht bekannt.
Die Probleme der schon seit längerer Zeit angeschlagenen Airline haben sich durch die Folgen der Nahost-Krise verschärft. Im Frühjahr wurde bekannt, dass Lettlands Regierung einen kurzfristigen Kredit in Höhe von 30 Millionen Euro gewährt, der im August fällig wird und bislang noch nicht von Air Baltic zurückgezahlt wurde. Außerdem muss eine Anleihe im Wert von 380 Millionen Euro bis zum Jahr 2029 beglichen werden. Laut Daten des Finanzdienstleisters LSEG ist die Rendite der Anleihe in den letzten Monaten stark gestiegen, was auf ein als höher eingeschätztes Risiko hindeutet.
Regierung fordert strategischen Investor
Der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs erklärte letzte Woche, dass die Regierung Air Baltic nicht weiter unterstützen könne, sofern das Unternehmen keine klare Strategie für seine Zukunft vorlege. „Es muss einen strategischen kommerziellen Investor geben, der sich auch aktiv am Unternehmen beteiligt“, so Kulbergs.
Die Fluggesellschaft, die eine Flotte von 55 Airbus A220-300 betreibt und diese Zahl bis 2030 fast verdoppeln will, hat ihre Pläne für einen Börsengang wiederholt verschoben, da Verzögerungen bei der Triebwerksauslieferung viele ihrer Flugzeuge am Boden gehalten haben.
Wichtiger Partner für Lufthansa in Europa
Auf die kritische Lage von Air Baltic dürfte auch Lufthansa mit Sorge blicken – nicht nur, weil der Kranich-Konzern mit zehn Prozent an der Fluglinie beteiligt ist. Die Letten sind zudem ein wichtiger Wetlease- und Codeshare-Partner für Kurzstrecken- und Zubringerflüge für die LH-Drehkreuze.



