Emirates bekommt grünes Licht für Flüge nach Berlin. Die Entscheidung der Bundesregierung vom Donnerstag (10. September 2026) sorgt nicht nur bei Lufthansa für Ärger und wirft Fragen zum Wettbewerb auf. Was hinter dem Deal steckt und welche Rechte die Golfairline erhält.

Die Entscheidung der Bundesregierung, dass Emirates künftig auch den Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg anfliegen darf, stößt hierzulande auf deutliche Kritik. Vor allem Lufthansa lehnt die Ausweitung der Verkehrsrechte für die Golfairline ab. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA).
Bislang dürfen Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg ansteuern. Mit Berlin kommt nun ein weiteres, fünftes Ziel in Deutschland hinzu. Emirates darf den BER künftig mit seinem Drehkreuz Dubai verbinden. Allerdings ist die Zahl der zusätzlichen Flüge auf maximal sieben pro Woche begrenzt, wie Bundesverkehrsminister Steffen Bilger laut einem Bericht der FAZ mitteilte.
Emirates hatte sich seit Jahren um eine Verbindung nach Berlin bemüht. Unternehmenschef Tim Clark hatte bei mehreren Deutschlandbesuchen zusätzliche Rechte für die Hauptstadt gefordert. Ursprünglich standen laut FAZ sogar Verbindungen nach Berlin und Stuttgart mit jeweils sieben Flügen pro Woche im Raum. Auch weitergehende Verkehrsrechte waren Thema. Diese hätten Emirates beispielsweise ermöglichen können, Flüge über Deutschland zu weiteren Langstreckenzielen anzubieten und damit unmittelbar in zusätzliche Konkurrenz zur Lufthansa zu treten. Dazu kommt es jedoch vorerst nicht.
Lufthansa kritisiert die Entscheidung scharf
Bei Lufthansa fällt die Reaktion entsprechend kritisch aus. Der Kranich-Konzern warnt vor einer weiteren Wettbewerbsverzerrung und befürchtet, dass Wertschöpfung und Arbeitsplätze an die Golfregion verlagert werden. Zudem könnten zusätzliche Emirates-Flüge die deutschen Drehkreuze schwächen, über die Lufthansa ihre internationalen Verbindungen bündelt.
Und auch der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) übt harsche Kritik an der Entscheidung der Bundesregierung. BDF-Geschäftsführer Michael Engel spricht von einem „Ausverkauf deutscher Arbeitsplätze“ und einem weiteren Schlag für die heimischen Airlines. Zudem bemängelt Engel, dass Emirates mit der neuen Verbindung keine echte Langstreckenanbindung Berlins schaffen werde, sondern die Hauptstadt lediglich über das Drehkreuz Dubai anbinde. Die Entscheidung könne zudem künftige Direktverbindungen anderer Airlines erschweren.
Der BDF fordert deshalb eine Entlastung bei den staatlichen Standortkosten. Dazu gehören laut Engel die Abschaffung der Luftverkehrsteuer sowie eine anteilige Übernahme der Kosten für hoheitliche Aufgaben bei der Deutschen Flugsicherung und den Luftsicherheitskontrollen.
Flughäfen begrüßen neue Langstreckenverbindungen
Die Entscheidung steht laut FAZ im Zusammenhang mit einer umfassenderen Vereinbarung über Investitionen der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland. Für Emirates kommt die Einigung zudem zu einem günstigen Zeitpunkt. In Dubai beginnt in Kürze mit dem Arabian Travel Market eine der wichtigsten Tourismusmessen der Region.
Auch auf Seiten der Flughäfen gibt es Unterstützung für zusätzliche internationale Verbindungen. Der Flughafenverband ADV hatte sich für eine stärkere Öffnung ausgesprochen. Berlin und der BER könnten von mehr Langstreckenverbindungen und zusätzlichen Umsteigemöglichkeiten profitieren.
Lufthansa setzt dagegen weiterhin stark auf Frankfurt und München als zentrale deutsche Drehkreuze. Der Konzern argumentiert, dass Airlines wie Emirates zunehmend Passagiere aus Deutschland über ihre eigenen Drehkreuze in Dubai oder Abu Dhabi führen und damit Verkehr von den deutschen Standorten abziehen.
Konkurrenz auf der Strecke Berlin–Dubai
Die neue Emirates-Verbindung nach Dubai ist zudem nicht die einzige Direktverbindung ab Berlin. Condor nimmt die Strecke im Winterflugplan ab dem 25. Oktober auf, Eurowings folgt ab dem 1. November. Lufthansa selbst bietet im Winter gemeinsam mit ihren Partnergesellschaften ebenfalls zahlreiche Verbindungen nach Dubai an.


