England: Regierung plant Touristensteuer

Die britische Regierung will Gemeinden in England eine Übernachtungssteuer für Touristen ermöglichen. Die Höhe der Abgabe sollen die jeweiligen Gemeinden selbst festlegen – die Tourismusbranche reagiert gespalten.

Die britische Regierung will Gemeinden in England künftig erlauben, eine prozentuale Abgabe auf Übernachtungen zu erheben. Das berichtet die Nachrichtenagentur DPA. Wohnungsbauministerin Angela Rayner stellte die Pläne für die sogenannte Touristensteuer vor. Vorgesehen ist ein prozentualer Aufschlag auf den Übernachtungspreis, dessen Höhe die jeweiligen regionalen Verantwortlichen selbst bestimmen sollen. Eine landesweite Obergrenze ist nicht geplant.

Die zehn Labour-Bürgermeister – darunter Londons Bürgermeister Sadiq Khan – versicherten der Nachrichtenagentur DPA zufolge, die Abgabe unter fünf Prozent des Übernachtungspreises halten zu wollen. In Regierungskreisen werde davon ausgegangen, dass die Steuer in den meisten Fällen nur wenige Prozent betragen dürfte.

Die Einnahmen sollen in den jeweiligen Regionen verbleiben und dort etwa in Infrastruktur und Verkehr fließen. „Diese Maßnahme gibt den Bürgermeistern die Möglichkeit, Gelder dort zu beschaffen und zu reinvestieren, wo sie am dringendsten benötigt werden“, sagte Rayner britischen Medienberichten zufolge. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf will die Regierung demnächst im Parlament einbringen.

Branche reagiert gespalten

Der Branchenverband UK Hospitality sieht die Pläne kritisch. Verbandschef Allen Simpson befürchtet, dass Urlauber durch die Abgabe weniger Geld in der Tasche haben könnten. Laut einer vom Verband beauftragten Analyse von Oxford Economics könnte eine fünfprozentige Steuer auf Übernachtungen in England zu zwölf Millionen weniger Besuchen und 33.000 Arbeitsplatzverlusten führen. In Regionen wie dem Lake District und den Yorkshire Dales, die stark vom Tourismus abhängen, fürchten Betriebe, dass Gäste in Landesteile ohne Abgabe ausweichen könnten, berichtet der Guardian.

Allerdings zeichnen Erfahrungen aus anderen Ländern ein anderes Bild. Wie der Guardian unter Berufung auf eine Studie der walisischen Bangor University aus dem Jahr 2024 berichtet, gibt es keine Belege dafür, dass Übernachtungsabgaben Besucher abschrecken. Die Forscher hatten bis 2019 solche Abgaben in 125 Destinationen und 26 europäischen Ländern identifiziert.

In Manchester, wo 2023 als erstem Ort im Vereinigten Königreich eine Übernachtungsabgabe eingeführt wurde, hatte die Steuer laut einer 2025 im Fachjournal Tourism Management veröffentlichten Studie „keine signifikanten Auswirkungen“ auf die Hotelauslastung. Die dortige Abgabe habe in den ersten drei Betriebsjahren 10,5 Millionen Pfund eingebracht, die in kulturelle Projekte geflossen seien.

Kein Besucherrückgang durch Steuer

Auch in Schottland und Wales gibt es bereits entsprechende Befugnisse für Kommunen. Edinburgh führte im Juli eine fünfprozentige Touristensteuer ein. Die Edinburgh Tourism Action Group erklärte dem Guardian zufolge, es sei „zu früh, um aussagekräftige Schlüsse“ über deren Auswirkungen zu ziehen, und verwies darauf, dass viele Städte mit solchen Abgaben – darunter Manchester – keinen Rückgang der Besucherzahlen verzeichnet hätten.

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