Fischer Air: Neustart offensichtlich gescheitert

Flugstreichungen, stornierte Tickets, frustrierte Kunden und genervte Reisebüros – monatelang hatte der geplante und immer wieder verschobene Neustart von Fischer Air für Wirbel gesorgt. Zuletzt war es sehr ruhig geworden – nun verdichten sich die Hinweise, dass das Projekt des bekannten Reiseunternehmers Vaclav Fischer gescheitert ist.

Vor dem Eingang des Kassel Airports geht eine Familie mit Koffern über das Flughafengelände, während im Hintergrund ein großes Schild mit der Aufschrift „kassel airport“ zu sehen ist. Das Bild zeigt einen sonnigen Tag und vermittelt eine freundliche und einladende Atmosphäre am Flughafen Kassel.
Abfliegen vom Flughafen Kassel? Mit Fischer Air wird das wohl nichts mehr. Foto: Flughafen Kassel

Kein Kontakt zu Airports

Wie die Bild-Zeitung berichtet, haben weder der Airport Kassel-Calden, von dem die meisten Flüge von Fischer Air starten sollten, noch der Bodensee-Flughafen in Friedrichshafen Kontakt zu dem deutsch-tschechischen Touristiker, der den früheren Reiseveranstalter Fischer Reisen besaß. Laut dem hessischen Finanzministerium gibt es derzeit „keine belastbaren Grundlagen“, dass der Ferienflieger den Betrieb aufnimmt. „Die Geschäftsführung hat berichtet, dass es aktuell keinen Austausch mit Fischer Air gibt“, so ein Sprecher.

Kürzlich hatte dem Pressebericht zufolge der Aufsichtsrat des Kasseler Flughafens, der mehrheitlich dem Land Hessen gehört, getagt. Das Gremium habe die Geschäftsführung gebeten, nur noch solche Flugverbindungen ins Programm zu nehmen, für die es belastbare Grundlagen gebe. Der chronisch defizitäre Airport in Nordhessen, der seit Jahren nur sehr wenige Flüge anbieten kann, hatte große Hoffnungen in Fischer Air gesetzt und die Flüge lange Zeit beworben. Dies rief die Kritik unter anderem von der Verbraucherzentrale hervor.

Briefkasten in Friedrichshafen entfernt

Auch am Flughafen Friedrichshafen rechnet man nicht damit, dass Vaclav Fischer mit seiner dubiosen Airline den Flugbetrieb noch aufnimmt. Ein Briefkasten am Airport, der offenbar längere Zeit als deutscher Firmensitz fungierte, sei inzwischen entfernt worden. „Wir planen aktuell nicht mit einem Start dieser Flüge, lassen uns aber gern überraschen“, so Flughafenchef Detlef Schäfer-Carroll gegenüber Bild.

Ein weiteres Indiz dafür, dass Fischer seine Pläne wohl gestoppt hat: Weder seine Website www.fischer-reisen.eu noch die Buchungsmaschine für Fischer Air sind noch erreichbar.

Markenrechte liegen bei Dertour

Selbst wenn der 71-jährige Reiseveteran seine Airline doch noch an den Start bringen sollte, hätte er ein Problem: Dertour hat nach eigenen Angaben im Jahr 2020 den Reiseveranstalter Fischer inklusive der Markenrechte übernommen, weshalb Fischer mit dem Reisekonzern seit einiger Zeit juristisch im Clinch liegt. „Wir haben bereits Gerichtsverfahren wegen Markenrechtsverletzung gewonnen. Deshalb ist der Fall für uns glasklar“, betont Dertour-Chef Christoph Debus und fügt hinzu: „Er wird keine Chance haben.“