Europa droht im Winter laut Analysten ein Kerosin-Defizit. Südkorea wird zum wichtigen Lieferanten, da der Nahost-Konflikt die Importe stark beeinträchtigt.

Bereits im Sommer waren mögliche Engpässe bei der Kerosinversorgung ein großes Thema in der Airline- und Reisebranche. Nun könnte wegen des anhaltenden Nahost-Konflikts im kommenden Winter der Flugtreibstoff in Europa knapp werden.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf das Beratungsunternehmen Energy Aspects berichtet, steuert Europa im vierten Quartal auf ein Versorgungsdefizit bei Flugbenzin zu. Prognostiziert wird ein Defizit von 510.000 Barrel pro Tag, während in den USA ein Überschuss von täglich 18.000 Barrel und im asiatisch-pazifischen Raum von 419.000 Barrel erwartet wird.
Südkorea wird als Lieferant wichtiger
Hintergrund ist der vor über einem halben Jahr ausgebrochene Iran-Krieg, der laut Analysten rund die Hälfte der europäischen Flugbenzinimporte aus dem Nahen Osten unterbrochen hat. Seitdem bezieht der Kontinent verstärkt Kerosin aus alternativen Quellen wie Nigeria, den USA und Kanada.
Nun rückt auch Südkorea als Lieferant in den Fokus: Die europäischen Importe aus dem asiatischen Land beliefen sich im September auf 129.000 Barrel pro Tag – laut dem Rohstoffanalyseunternehmen Kpler der höchste Wert seit Oktober 2022. Südkoreas Kapazitäten stützen den Trend: Die dortige Produktion von Flugkraftstoff erreichte im Juli mit fast 14 Millionen Barrel ein Siebenjahreshoch, die Exporte den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren.
Tiefster Lagerbestand seit sieben Jahren
Die steigende Nachfrage nach Importen fällt dem Bericht zufolge mit niedrigen Lagerbeständen zusammen: Die unabhängig geführten Bestände im Ölraffinerie- und Lagerzentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen erreichten in der Woche bis zum 10. September ihren tiefsten Stand seit sieben Jahren. Da auf dem Kontinent weiterhin mit einer Verknappung zu rechnen sei, würden die europäischen Importe voraussichtlich anhalten, sagte James Noel-Beswick, Leiter des Rohstoffbereichs beim Marktinformationsdienst Sparta Commodities. Die sich ausweitende Preisdifferenz zwischen den asiatischen und europäischen Referenzpreisen mache den Export nach Europa zunehmend rentabel.


