Kerosinmangel: Neue Warnungen, neue Forderungen

Die Debatte um einen möglichen Mangel an Flugzeugtreibstoff und die Folgen für Urlaubsreisen im Sommer reißt nicht ab. Zu neuen Warnungen, dass sich die Situation im Sommer verschärfen könnte, kommen auch neue Forderungen seitens der Airline-Branche.

Auf dem Bild wird ein Passagierflugzeug am Flughafen betankt: Ein roter Tanklastwagen pumpt Kerosin in das Flugzeug, während mehrere Flughafenmitarbeiter in Warnwesten am Rollfeld arbeiten. Das Flugzeug steht an einer Fluggastbrücke, die Betankung erfolgt über einen Schlauch unter dem Flügel.
Wird das Kerosin knapp? Diese Frage sorgt weiter für hitzige Diskussionen. Foto: Savushkin/iStock

Ab Juli könnte es eng werden

Nachdem bereits die Internationale Energieagentur vor Engpässen gewarnt hatte, weist nun auch EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas auf mögliche Probleme bei der Kerosinversorgung hin. Diese könnten spätestens im Juli eintreten, falls die Sperrung der Straße von Hormus weiter andauern sollte, sagte Tzitzikostas dem griechischen Nachrichtensender Skai.

Momentan sei eine Knappheit zwar noch nicht zu erwarten, da über 80 Prozent der Flughäfen in Europa nach eigenen Angaben über ausreichend Flugtreibstoff verfügten. Sollten sich aber nach Juni Engpässe abzeichnen, müssten EU-Staaten Notfallreserven freigeben, so der EU-Kommissar.

Der sich abzeichnende Kerosinmangel sowie stark gestiegene Treibstoffpreise infolge der Nahost-Krise haben bereits dazu geführt, dass Airlines ihr Flugprogramm herunterfahren. So hat die Lufthansa-Gruppe den Flugbetrieb der Tochter Cityline kurzerhand eingestellt und will im Sommer insgesamt 20.000 Kurzstreckenflüge streichen. Zugleich steigen die Ticketpreise, teilweise haben Fluglinien die Kerosinzuschläge deutlich erhöht.

Condor-Chef: Emissionshandel aussetzen

Um die Flugbranche zu entlasten, fordert Condor-Chef Peter Gerber nun, den Emissionshandel für ein halbes Jahr auszusetzen. Dies wäre der der einfachste Weg, „auch die Verbraucher im zweiten Halbjahr vor hohen Preisen zu bewahren“, sagte er in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. Möglich sei auch ein Tankrabatt für Airlines, wie ihn bereits der Flughafenverband ADV gefordert habe. Den Forderungen erteilte Bundesumweltminister Carsten Schneider umgehend eine Absage.

Auch Politiker fordern die Bundesregierung zum Handeln auf. Bundestags-Vizepräsident und Grünen-Politiker Omid Nouripour kritisiert, dass die deutsche Regierung zu langsam reagiere und Gespräche mit den vom Nahost-Konflikt betroffenen Öllieferanten wie Saudi-Arabien führen müsse. Die Bundesregierung hält die Versorgung trotz angespannter Marktlage momentan aber für gesichert, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche warnte zuletzt vor „Alarmismus“. Dies sei ein „ein Leugnen der Realität“, kritisiert Nouripour.