Lufthansa: Zwischen Zusatzflügen und Krisenplänen

Wie alle anderen Airlines stellt die Nahost-Krise auch die Lufthansa-Gruppe gerade vor vielen Herausforderungen. Der Konzern muss darauf flexibel reagieren: Neben Zusatzflügen und Kapazitätsverlagerungen liegen jetzt auch handfeste Krisenpläne auf dem Tisch. Im Gespräch sind Stilllegungen von Flugzeugen und die Streichung unprofitabler Strecken, auch Kurzarbeit ist denkbar.

Mehrere Lufthansa-Flugzeuge stehen dicht nebeneinander auf einem Flughafen-Parkplatz, die Triebwerke und die Flugzeugnasen sind prominent sichtbar. Das Bild zeigt die parkenden Jets im Sonnenlicht, während die Start- und Landebahn im Hintergrund zu erkennen ist.
Reihenweise parkende Lufthansa-Flieger, hier ein Bild aus Corona-Zeiten, könnten bald wieder zu sehen sein. Foto: Lufthansa

Bis zu fünf Prozent der Maschinen könnten wegfallen

Wie das Handelsblatt und der Spiegel übereinstimmend berichten, hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr der Belegschaft in einem internen Gespräch angekündigt, dass der Konzern an der Vorbereitung zweier Krisenpakete arbeite. Demnach könnten 20 Flugzeuge vorübergehend außer Dienst genommen werden, was einer Streichung von 2,5 Prozent der gesamten Sitzkapazität entspricht. Falls die Lage weiter eskaliert, könnte der Einschnitt doppelt so hoch ausfallen. Beschlossen sei aber noch nichts, versicherte Spohr.

Als realistisch gilt laut Spiegel-Bericht, dass vor allem Flugzeuge am Boden bleiben, die ohnehin hätten ausgemustert werden sollen – auch, weil sie zu viel Treibstoff verbrauchen. Dabei handelt es sich um die Modelle Airbus A340-600, Boeing 747-400 oder Canadair Regional Jets von Bombardier.

Spohr schließt auch nicht aus, wie schon in der Corona-Krise auf Kurzarbeit zurückzugreifen, falls die Kapazitäten so stark zurückgefahren werden, dass zu viele Flugzeuge am Boden sind. Der Konzernchef ist sich aber bewusst, dass man in der Pandemie zu schnell und hart eingriffen hat. Daher steht diese Option wohl aktuell noch nicht auf der Agenda.

1.600 Extraflüge im Sommer geplant

Zugleich sendet Lufthansa aber auch andere Signale. Per Pressemitteilung kündigte der Konzern am Dienstag an, dass die Airlines der Lufthansa Group wegen der kurzfristig veränderten und gestiegenen Nachfrage über den Sommer verteilt insgesamt rund 1.600 zusätzliche Abflüge von ihren Drehkreuzen planen. Allein die Kerngesellschaft Lufthansa will zwischen April und Oktober 2026 für ihr Europaprogramm rund 540 zusätzliche Flüge ab Frankfurt und München auflegen.

Zugleich weist der Konzern darauf hin, dass das geopolitische Umfeld weiterhin „sehr volatil“ und von kurzfristigen Veränderungen sowie Marktschwankungen geprägt sei. Insbesondere stark steigende Ticketpreise aufgrund der erhöhten Treibstoffkosten könnten sich auf die Nachfrage auswirken.

Wird der Treibstoff knapp?

Eine weitere unsichere Größe ist die Verfügbarkeit von Kerosin. So lassen Flughäfen in Asien aus Angst, dass der Treibstoff knapp werden könnte, bereits keine zusätzlichen Flüge mehr zu, berichtete Spohr seinen Mitarbeitern. Dies könne weiter eskalieren und schließlich auch die eigenen europäischen Hubs betreffen – auch wenn dies aus derzeitiger Sicht noch ein unwahrscheinliches Szenario ist.