Neun-Euro-Ticket: Reisebüro wirft DB „Abzocke“ vor

Die Bahn unterschlage Online-Buchern Preisvorteile durch das Neun-Euro-Ticket, kritisiert ein DB-Reisebüro
Die Bahn unterschlage Online-Buchern Preisvorteile durch das Neun-Euro-Ticket, kritisiert ein DB-Reisebüro. Foto: Eplisterra/istockphoto

Direktkunden der Deutschen Bahn, die ein Neun-Euro-Ticket besitzen, werden bei Umsteigeverbindungen mit Fern- und Nahverkehr im Buchungssystem zu hohe Preise angezeigt. Dies haben Recherchen des Berliner Reisebüros GBFR-Reisen, das als DB-Agentur auch Bahn-Produkte verkauft, ergeben.

Preisunterschiede von bis zu 35 Euro

Demnach gebe es bei Online-Buchungen, die auch Nahverkehrsstrecken enthielten, keinen Hinweis auf die Nutzung des Günstig-Fahrscheins für den Regionalverkehr, das noch bis Ende August gilt und bereits millionenfach verkauft wurde. Kunden werde lediglich ein Endpreis angezeigt, bei dem auch die Nahverkehrsverbindung voll bezahlt und eine mögliche Ermäßigung durch das Neun-Euro-Ticket nicht berücksichtigt werde. „Und das ist leider kein Einzelfall, sondern hat System“, heißt es vom Reisebüro, das in diesem Zusammenhang auch von „Abzocke“ spricht.

Konkret hat GBFR-Reisen rund 15 DB-Verbindungen untersucht, bei denen das Reiseziel im Anschluss an eine Fernverkehrsverbindung per Nahverkehr erreicht wird. Dabei lägen die Preisunterschiede zwischen mindestens neun Euro und mehr als 35 Euro.

„Wir wissen nicht, wie viele derartiger Verbindungen am Tag online gebucht werden. Es werden wohl sehr viele sein, und bei jeder Buchung, die Fernverkehr und Nahverkehr in einem Ticket erfasst, wird von der DB zu viel kassiert“, kritisiert Reisebüro-Mitinhaber Peter Schneemann. Dies zeige erneut, dass es oft teurer sei, online Bahnfahrten zu buchen als bei fachkundiger Beratung im Reisebüro.

DB ist zur „Durchtarifierung“ verpflichtet

Der Bahn-Konzern verweist darauf, dass er wie alle Bahnen in Deutschland nach dem allgemeinen Eisenbahngesetz zur „Durchtarifierung“ verpflichtet sei. „Das heißt, dass wir unseren Kundinnen und Kunden eine durchgängige Fahrkarte vom Beginn bis zum Ende der Reise zu einem bestimmten Tarif anbieten müssen“, erläutert eine DB-Sprecherin. Das „Stückeln“ mehrerer Tarife wie die DB-Tarife und das Neun-Euro-Ticket sei gesetzlich nicht zugelassen. Entsprechend erfolge die Preisauskunft in allen Verkaufskanälen gemäß der Verpflichtung, Auskunft über den günstigsten Fahrpreis auf Basis der Durchtarifierung zu geben.

Provisionsstreichung „falsch und unangemessen“

Mit Blick auf die Vorteile persönlicher Beratung bei der Suche nach dem günstigsten Tarif prangert der Bahn-Spezialist auch das neue Vergütungsmodell der Bahn an, bei dem für einen Großteil der DB-Agenturen ab kommendem Jahr die Provision komplett gestrichen wird. Dies bedeute besonders für ältere Kunden, die nicht online buchen können oder wollen, „eine erhebliche Einschränkung in Ihrer Lebensqualität und Mobilität“.

Auch vor dem Hintergrund eines deutlich wachsenden Umweltbewusstseins in der Bevölkerung und einer intensiven gesellschaftlichen Diskussion zur nachhaltigen Mobilität halte das Reisebüro die Entscheidung der Bahn, keine Provisionen mehr zu zahlen, „für völlig falsch und unangemessen“.

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