Eine technische Panne bei der britischen Flugsicherung NATS legt den Flugverkehr teilweise lahm: 1.300 Flüge fallen aus, hunderte weitere sind verspätet. Nun wächst der Druck auf NATS – und auf Chef Martin Rolfe.

Eine technische Störung bei der britischen Flugsicherung hat am Dienstag (8. September) an mehreren Flughäfen für erhebliche Behinderungen im Flugverkehr gesorgt. Zahlreiche Verbindungen wurden gestrichen oder verspäteten sich. Die Auswirkungen waren laut den Nachrichtenagenturen DPA und Reuters auch an deutschen Flughäfen zu spüren.
Betroffen waren unter anderem die Londoner Flughäfen Heathrow, Gatwick und Stansted sowie die Airports in Manchester und Birmingham. Nach Angaben des Flugdatenportals Flightradar24 wurden am Dienstag rund 1.300 Flüge von und zu britischen Flughäfen gestrichen.
Auch von Deutschland aus kam es laut DPA zu Einschränkungen. Unter anderem wurden Verbindungen von Frankfurt und Düsseldorf nach London gestrichen. In München wurden Reisende darüber informiert, dass am Dienstag keine weiteren Flüge nach London stattfinden würden. Passagiere wurden nach Angaben einer DPA-Reporterin aufgefordert, sich gegebenenfalls um eine Übernachtungsmöglichkeit zu kümmern.
Die britische Flugsicherung NATS teilte später mit, dass die technische Störung behoben und der normale Betrieb wieder aufgenommen worden sei. Gleichzeitig warnte der Betreiber, dass der entstandene Rückstau nicht sofort beseitigt werden könne. Die Wiederherstellung des Systems sei komplex gewesen und habe Auswirkungen auf das gesamte Luftverkehrsnetz gehabt. Nach Angaben von NATS-Chef Martin Rolfe war die genaue Ursache der Störung zunächst noch nicht abschließend geklärt.
Flugbetrieb normalisiert sich nur langsam
Auch die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander erklärte, dass die Behebung der technischen Störung nicht bedeute, dass der Flugverkehr unmittelbar wieder vollständig normal laufe. Es werde noch einige Zeit dauern, bis sich der Betrieb stabilisiere. Sie forderte die Reisenden auf, sich weiterhin direkt bei ihren Fluggesellschaften über den aktuellen Flugstatus zu informieren. Zugleich kündigte sie an, von NATS Aufklärung darüber zu verlangen, welche Lehren aus dem Vorfall gezogen werden müssten.
Die Folgen dürften deshalb auch nach der Behebung der eigentlichen Störung noch spürbar sein. Für Mittwoch (9. September) waren nach Angaben von Flightradar24 bereits weitere 177 Flugausfälle vorgesehen, nahezu alle davon am Londoner Flughafen Heathrow. Auch mit weiteren Verspätungen muss gerechnet werden.
Ausführlicher Bericht zu den Ursachen gefordert
Die britische Luftfahrtaufsicht erwartet von NATS einen ausführlichen Bericht zu dem Vorfall. Anschließend soll geprüft werden, ob zusätzliche Maßnahmen notwendig sind, um die Zuverlässigkeit der britischen Flugsicherung zu verbessern.
Wie Airliners.de berichtet, hatte die britische Flugsicherung bereits mehrfach mit technischen Problemen zu kämpfen. Nach einem Flugplan-Systemausfall 2023, der die Airlines mehr als 100 Millionen Pfund kostete, mussten die Notfallpläne überarbeitet werden. 2025 sorgte zudem ein Radarausfall für stundenlange Beeinträchtigungen. Aufgrund des jüngsten Vorfalls forderte Ryanair-Betriebsvorstand Neal McMahon nun den Rücktritt von NATS-Vorstandsvorsitzendem Rolfe.


