9/11: Touristiker erinnern sich an die Anschläge vor 25 Jahren – Part 1

Am 11. September 2001 veränderte sich die Welt. Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon kosteten fast 3.000 Menschen das Leben und prägten Politik und Gesellschaft über Jahrzehnte. Ein Vierteljahrhundert später blickt New York zurück – auf die Opfer, die Folgen und einen Tag, dessen Bilder bis heute nicht verblassen. Wir haben Touristiker gefragt, wie sie den Tag erlebt haben. Weitere Stimmen finden Sie in Teil 2.

Eine blonde Frau mit weißer Bluse sitzt an einem Tisch mit Sandals-Werbematerialien und blickt freundlich lächelnd direkt in die Kamera des Betrachters.
Juliette Thronberens, Sales Managerin DACH Sandals. Foto: Sandals

Juliette Thronberens, Sales Managerin DACH Sandals: „Am 11. September 2001 war ich noch Schülerin in der Oberstufe. Als ich mittags nach Hause kam, saß meine Mutter völlig geschockt vor dem Fernseher. Zunächst konnte ich überhaupt nicht begreifen, was dort gerade passierte. Wir saßen gemeinsam vor den Bildern aus New York und haben versucht, das Geschehen einzuordnen.

Die Ereignisse haben mich auch persönlich sehr berührt, weil die USA für meine Familie und mich damals eine besondere Bedeutung hatten. Wir sind regelmäßig dorthin gereist. Eigentlich wollte ich im darauffolgenden Jahr ein Highschool-Jahr in den USA machen. Aufgrund der Ereignisse und der damit verbundenen Unsicherheiten kam es dazu nicht mehr.

Der 11. September hat mir erstmals sehr bewusst gezeigt, wie verwundbar unsere Welt sein kann. Das hat mein Verhältnis zum Reisen und insbesondere zum Fliegen über viele Jahre geprägt. Meine Mutter entwickelte eine starke Flugangst, und auch bei mir blieb lange ein mulmiges Gefühl. Flughäfen und Flüge habe ich danach viel bewusster wahrgenommen. Bis heute habe ich den 11. September vor allem visuell vor Augen. 25 Jahre später ist es schon Wahnsinn, wie präsent diese Bilder noch immer sind.


Ein Mann mit grauem Haar und Brille trägt ein weißes Hemd sowie ein dunkles Sakko und sitzt mit verschränkten Händen an einem Tisch vor blauen Grafiken.
Albin Loidl, Präsident des DRV. Foto: Marcel Kautz

Albin Loidl, DRV-Präsident: „Mich erreichte die Nachricht damals in meinem Büro bei Kreutzer Touristik in München. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich zunächst alle anwesenden Kolleginnen und Kollegen zusammengerufen. In diesem Moment ging es weniger um geschäftliche Fragen als darum, nicht allein zu sein und gemeinsam die schrecklichen Bilder und Nachrichten zu verarbeiten. Es war eine Form kollektiver Trauerarbeit.

Welche Folgen die Anschläge für die Reisewirtschaft haben würden, wurde erst nach und nach deutlich. Aber sehr schnell war klar: Das Reisen würde danach nicht mehr so sein wie zuvor. Der 11. September war auch für unsere Branche eine Zäsur. Die Verunsicherung der Reisenden war enorm, Buchungen gingen zurück und Sicherheitsvorkehrungen im Luftverkehr wurden grundlegend verschärft.

Langfristig hat sich vor allem der Umgang mit Sicherheit und Krisen verändert. Professionelles Krisenmanagement, schnelle und verlässliche Information sowie die Einordnung geopolitischer Risiken sind heute selbstverständliche Bestandteile unserer Arbeit. Viele Strukturen, die wir heute für selbstverständlich halten, haben ihren Ursprung in den Erfahrungen jener Zeit.“


Ein lächelnder Mann mit grauem Vollbart und einer roten Brille trägt ein helles Hemd mit buntem Muster vor einem schlichten, braunen Holzhintergrund.
Michael Kautz, Kautz Urlaubsreisen, Duisburg. Foto: Kautz Urlaubsreisen

Michael Kautz, Inhaber Kautz Urlaubsreisen, Duisburg: „Ich saß im Büro der Peter Deilmann Reederei, bei der ich seinerzeit arbeitete, als plötzlich über den Flurfunk die Nachricht kam, dass Flugzeuge ins World Trade Center geflogen seien. Krampfhaft wurde im Büro nach einem Fernseher gesucht, denn es schien so unglaublich. Kurz darauf herrschte Totenstille, denn es war Wirklichkeit.

Ein Bild prägte sich mir fürs Leben ein: In der obersten Etage, ganz außen in der Ecke, stand jemand an einem zerschlagenen Fenster und winkte mit einer weißen Flagge. An genau dieser Stelle hatte ich ein Jahr zuvor, am 11. September 2000, gestanden. Auch heute noch ist die Erinnerung daran ein Gänsehautmoment.“


Ein Mann mit kurzem Haar und einer schwarzen Brille lächelt freundlich in die Kamera. Er trägt einen smaragdgrünen Kapuzenpullover vor einem grauen Hintergrund.
Sascha Nitsche, Geschäftsführer von Solamento. Foto: Solamento

Sascha Nitsche, Geschäfsführer Solamento: „An dem Tag musste ich mit meinen Vertriebskollegen eine Abschiedspräsentation für unseren damaligen Geschäftsführer von travelNet/ GfR vorbereiten. Es war alles organisiert, Getränke, Essen – leider klemmte es mit der Präsentation und gegen 15.10 Uhr kam ein Kollege zu uns ins Büro: Ein Flugzeug ist in New York abgestürzt …

Der Nachmittag nahm den bekannten Lauf und die Tragik wurde uns erst viel später klar. Wir waren ja mit der Verabschiedung betraut. Als der zweite Turm einstürzte, begann die Fassungslosigkeit und es war klar, der Abend wird nicht wie geplant ablaufen. Einige Kollegen weinten, einige hatten Verwandte in NYC und hatten Angst, leider auch keinen Kontakt. An Stimmung war nicht zu denken, stattdessen gedachten wir dem Unglück. 

Traumatischer habe ich die Berichterstattung anschließend gegen 19.30 Uhr von Peter Klöppel damals verfolgt und der Song von Enya ist für mich mit diesem Unglück dauerhaft verbunden.“


Ein Mann mittleren Alters mit graumeliertem Haar, Brille und einem weißen Hemd blickt vor einem hellblauen Himmel mit leichten Wolken in die Kamera.
Kurt Koch, Geschäftsführer der Rita AG. Foto: Rita AG

Kurt Koch, Geschäfstführer Rita AG: „Ich saß an diesem Tag in meinem Reisebüro in Speyer. Unser Azubi, der frei hatte, rief an und sagte, dass wir den Fernseher einschalten sollten. Dann haben wir das leider live mitverfolgt, wie das zweite Flugzeug in die Türme geflogen ist.

Zunächst hatten wir viel zu tun mit Stornierungen und Umbuchungen. In den Wochen danach bin ich immer mehrmals am Tag an die Eingangstür gegangen, um zu schauen, ob ich vergessen hatte, aufzuschließen. Weil einfach niemand für längere Zeit zu uns ins Reisebüro gekommen ist.“


Eine Frau mit blondem, schulterlangem Haar lächelt in die Kamera. Sie trägt ein beiges Sakko über einem dunklen Oberteil und eine auffällige Halskette.
Anna Schwingenschlögl, Franchise-Chefin Reiseland. Foto: Reiseland

Anna Schwingenschlögl, Reiseland-Franchise-Chefin: „Ich war damals Key Account Managerin bei ITS Reisen. Wir hatten mit unserem Außendienst eine Tagung in Kitzbühel. Zwei Tage später sollten circa 80 teilnehmende Gäste von unseren besten Reisebüros als Incentive anreisen.

Wir saßen alle zusammen in einem Meeting-Raum mit Blick auf grüne Wiese, Berge und Kirche. Die Nachricht fühlte sich in dem Moment komplett surreal an. Das Meeting wurde abgebrochen und schnell entschieden, dass wir die kommende Veranstaltung für unsere Gäste absagen. Nachdem das alles erledigt war, verständigten wir uns darauf, gemeinsam in der Lobby des Hotels die Nachrichten zu verfolgen.

Damals gab es ja keine Smartphones. Es hat sehr gut getan, diese unbegreiflichen Nachrichten mit Kolleginnen und Kollegen zu verfolgen. Man war nicht alleine, man teilte Stimmung, Meinung, Ängste.“


Eine Frau mit dunklen Haaren in einem pinkfarbenen Kleid hält eine gläserne Trophäe vor einem blauen Hintergrund mit Globus-Logo und Schriftzug Globus Award.
Petra Cruz, Direktorin Dominican Republik Tourism Board Germany.

Petra Cruz, Direktorin Dominican Republik Tourism Board Germany: „Ich war am 11. September gerade auf einer Roadshow in Zürich. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich in der Hotellobby stand und auf dem Fernseher die ersten Bilder aus New York gesehen habe. Es hat tatsächlich einige Zeit gedauert, bis wir alle verstanden haben, was dort gerade wirklich passiert war. Es war einfach unfassbar und schrecklich.

Eine sehr persönliche Konsequenz habe ich wenige Wochen später erlebt: Am 3. Oktober habe ich in einem wunderschönen Resort in der Dominikanischen Republik kirchlich geheiratet und dort auch unsere Hochzeit gefeiert.

Durch die weltweite Verunsicherung nach den Anschlägen waren zu dieser Zeit kaum internationale Gäste unterwegs – und das Resort war, abgesehen von unseren Hochzeitsgästen, praktisch leer.

So wurde unsere Hochzeit auf eine ganz unerwartete Weise fast zu einer privaten Feier in einem ganzen Resort. Eine sehr besondere Erinnerung, die für mich bis heute untrennbar mit dieser schwierigen Zeit verbunden ist.“


Ein Mann mit kurzem, hellem Haar und blauem Poloshirt blickt vor einem schwarzen Hintergrund direkt in die Kamera und lächelt leicht in die Linse hinein.
Christopher Schanz-Surié ist Inhaber der Reiseboutique in Mörfelden-Walldorf. Foto: Reiseboutique

Christopher Schanz-Surié, Geschäftsführer Die Reiseboutique Mörfelden-Walldorf: „Ich war mit meinem Vater auf dem Weg nach Berlin, als meine Schwester anrief. Sie arbeitete damals bei einer Bank, wo natürlich den ganzen Tag die Bildschirme liefen. Zunächst dachten wir, der Pilot eines Sportflugzeugs hätte vielleicht einen Infarkt gehabt. Als dann 15 Minuten später das zweite Flugzeug in den Tower flog, war klar, dass es eine andere Dimension hatte. Wir hörten unterwegs Radio und machten bei Ankunft sofort den Fernseher an.

Ich habe damals Geografie mit Schwerpunkt Politik und internationalen Beziehungen studiert, unter anderem Politische Psychologie. Eine Frage, die mich sehr beschäftigt hat, war: Was wäre passiert, wenn George W. Bush auf den roten Knopf gedrückt hätte? Ich erinnere mich bis heute an meinen Dialog mit meinem Vater. Ich fragte: ‚Was passiert, wenn Krieg kommt?‘ Und er sagte: ‚Wenn wir morgen früh aufwachen und es ist kein Krieg, dann kommt keiner.‘ Er sollte Recht behalten.

Es war eine irrsinnige Zeit. Auch bei uns gab es Auswirkungen auf das Reisegeschäft, wenn auch keine riesige Stornowelle. Ich erinnere mich beispielsweise an Kunden, die wenige Tage später nicht nach Amsterdam fliegen wollten.

2019 war ich mit meiner Frau in New York im 9/11 Memorial Museum. Besonders die zerstörten Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr haben mich beeindruckt – da wurde die Wucht der Zerstörung unmittelbar spürbar. Ich bin bis heute dankbar, dass damals niemand aus der Politik die Nerven verloren hat.“


Peter Marx, Reisebüro

Peter Marx, Inhaber KMC Reiselounge: „Ich war damals im Außendienst von C & N Touristik, dem Vorläufer von Thomas Cook. Ich hatte gerade das Flughafenbüro am Köln-Bonner-Flughafen besucht, hörte es danach im Autoradio und war natürlich geschockt. Zurück in meiner Wohnung in Düsseldorf habe ich sofort den Fernseher eingeschaltet. Inzwischen gab es schon weitere Infos.

Bei uns sind dann erst einmal die Buchungen eingebrochen, es gab fast Stillstand. Viele Urlauber hatten danach Flugangst.“


Eine lächelnde Frau mit blondem Haar und Sonnenbrille auf dem Kopf steht in einem Olivenhain zwischen den Ästen eines Baumes in einem weißen T-Shirt.
Susanne Schlupf, Inhaberin Fenzi Tours. Foto: Privat

Susanne Schlupf, Inhaberin Fenzi Tours: „Wir waren damals auf Ibiza im Urlaub. Und ich habe in der Hotelbar andere Leute über etwas reden hören, was ich gar nicht verstanden habe. Dann sind wir aufs Zimmer gegangen und dann haben wir ganz fassungslos im Fernsehen gesehen, was passiert ist. Wir waren dementsprechend schockiert.

Ich weiß noch, dass ich später in der Hotelhalle auf eine weinende Frau getroffen bin, die sagte, dass sie nicht mehr in den Flieger steigen kann. Dass sie sich nicht traut, heimzufliegen. Ich habe dann auf diese Frau eingeredet und versucht, sie wieder irgendwie zu beruhigen. Aber es war schon ziemlich spooky und der Urlaub war auch dann ziemlich verhagelt. Und ich sehe uns heute noch in dem Hotelzimmer vorm Fernseher sitzen und fassungslos daraufstarren.”


Ein älterer Mann mit grauem Haar und Bart trägt eine dunkelblaue Steppjacke über einem Polohemd und lächelt vor einer baumbestandenen Uferpromenade in Kamera.
Reiserechtsexperte Ernst Führich. Foto: Ernst Führich

Ernst Führich, Reiserechtsexperte: „Ich arbeitete am Schreibtisch über einer Neuauflage meines ,Reiserecht‘ als die schrecklichen Bilder im TV über den Bildschirm flimmerten. Als Reiserechtler hatte ich das Gefühl, wir erleben durch diese Verunsicherung gerade eine Zeitenwende fürs globale Reisen. 

Besondere Bedeutung hatte 9/11 auch für meine liebe Gattin. Sie führte an diesem Tag ihre Freundinnen einer große Reisegruppe von US-Quilterinnen zum nahen Schloss Neuschwanstein. Tagelang hatten viele Frauen keine Kontakt zu ihren Partnern in den USA, die beim Militär in Washington und New York gearbeitet haben. Sie waren wirklich im Ungewissen, wie es ihnen geht, ob sie überhaupt noch lebten.“


Mit dem unveränderten Provisionsmodell will Bentour-Geschäftsführerin Songül Göktas-Rosati die Bedeutung des stationären Vertriebs betonen
Bentour-Geschäftsführerin Songül Göktas-Rosati. Foto: Bentour Reisen

Songül Göktas-Rosati, Geschäftsführerin Bentour: „Ich war damals zu einer Site Inspection im Renaissance Resort & Spa in Kemer. Von den Anschlägen habe ich durch meinen Mann erfahren. Er sagte nur: ,Son, wenn du in der Nähe eines Fernsehers bist, schalte ihn ein, ein Flugzeug ist in die Twin Towers des WTC geflogen.‘

Wie viele andere war ich schockiert. Sehr schnell hatte ich das Gefühl, dass dieses Ereignis die Welt dauerhaft verändern würde. Und genauso ist es dann leider gekommen.“


Ein Mann mit Glatze und kurzem Bart trägt ein weißes Hemd mit offenem Kragen unter einem dunklen Sakko und blickt vor einem grauen Hintergrund in die Kamera.
Nils Casmir, Director Sales Dertour Deutschland. Foto: Dertour

Nils Casmir, Director Sales Dertour Deutschland: „Am 11. September 2001 war ich privat in Barcelona und erfuhr während einer Fahrt mit der Seilbahn auf den Montjuïc per SMS von den Anschlägen. Anschließend fuhren wir sofort zu einer Freundin und verfolgten die Ereignisse bis tief in die Nacht im Fernsehen.

Obwohl es rational betrachtet keinen Zusammenhang gab, war mein erster Impuls, meine Familie in Deutschland anzurufen und mich zu vergewissern, dass es allen gut geht.

Die Anschläge haben auf erschütternde Weise vor Augen geführt, wie fragil unsere Welt ist und wie schnell vermeintliche Gewissheiten ins Wanken geraten können. Für die Reisebranche waren die Ereignisse ein einschneidender Moment. Sie haben dazu beigetragen, dass professionelles Krisenmanagement, Sicherheitskonzepte und transparente Kommunikation einen deutlich höheren Stellenwerterhalten haben – mit dem Ziel, Reisenden Orientierung zu geben und Vertrauen zu schaffen.“


Ein älterer Mann mit grauem Haar und schwarzem Kapuzenpullover sitzt an der Küste vor der Golden Gate Bridge in San Francisco, die teilweise im Nebel liegt.
Tilo Krause-Dünow, Geschäftsführer Canusa. Foto: Canusa

Tilo Krause-Dünow, Geschäftsführer Canusa: „Am 11. September 2001 war ich in meinem Büro in Hamburg und muss gestehen, dass ich gedacht habe, dass ich in einem Film bin, der fehlerhaft abgespielt wird. Als mein Sohn dann anrief und mir erzählte, was geschehen war, habe ich langsam realisiert, welche Auswirkungen dies möglicherweise auf unser Geschäft haben könnte.

In dem Moment brach erst eine Welt für mich und für uns im Unternehmen zusammen, weil man natürlich nicht wusste, welche Auswirkungen das auf 2002 und das Frühbuchergeschäft haben würde. Es war dann aber tatsächlich weniger krass, als wir dachten, denn schon zum Ende des Jahres 2001 hatten wir einen Stand von Anfragen für Nordamerika (besonders die USA), den wir nicht erwartet hatten. 2002 wurde für uns zu einem guten Jahr, wenn auch die Zahlen, so wie ich mich erinnere, für die USA gesamt leicht zurückgegangen sind.“


Ein Mann mittleren Alters mit Brille und dunklem Sakko steht vor einer Wand mit einer grafischen Darstellung einer Glühbirne und einem gelben Herzsymbol.
TSS-Chef Manuel Molina. Foto: mg

Manuel Molina, Geschäftsführer TSS: „Ich weiß noch sehr genau, wo wir von den Anschlägen erfahren haben. Wir waren im Büro und haben nach den ersten Meldungen in unserem damaligen Trainingscenter an allen Rechnern und für heutige Verhältnisse unfassbar langsamem Internet gleichzeitig versucht herauszufinden, was gerade in New York und den USA geschah.

Die Bilder und Nachrichten waren kaum zu begreifen. Mein erster Gedanke war tatsächlich: Ab jetzt wird sich die Welt verändern. Und so ist es dann ja auch gekommen.“


Eine blonde Frau mit gemusterter Bluse und Jeans steht lächelnd auf einem überdachten Wehrgang aus Stein neben einer historischen Stadtmauer in Tallinn.
Silke Franz, Reiseberatung powered by TUI. Foto: Silke Franz

Silke Franz, Meine Reiseberatung – powered by TUI, Oberursel: „Damals habe ich in einem Reisebüro in Bad Homburg gearbeitet. Ich war dort angestellt, als unser Büroleiter plötzlich die Treppe herunterkam und uns mitteilte, dass ein Flugzeug in das World Trade Center geflogen war. Wir sind daraufhin alle nach oben gegangen und haben gemeinsam den Fernseher eingeschaltet. Kurz danach haben wir das Büro geschlossen.

Wir waren natürlich alle völlig geschockt, vor allem, weil sich dann immer mehr Meldungen über weitere Anschläge verbreiteten. Was mir besonders durch den Kopf ging, war mein Mann. Er ist damals noch Langstrecke geflogen, und mein erster Gedanke war deshalb: Wo ist er jetzt? Ist er gerade unterwegs? Ich wusste ja nicht, wo er sich zu diesem Zeitpunkt befand. Es war eine Situation, die mich sehr beschäftigt und bewegt hat. Auch wenn meine persönliche Geschichte dazu vielleicht nicht spektakulär ist, werde ich diesen Tag und die Gefühle von damals sicher nie vergessen.“


Ein Mann mittleren Alters mit kurzem Haar trägt ein weißes Hemd und ein helles Sakko. Er blickt freundlich in die Kamera vor einem unscharfen Hintergrund.
Uwe Mohr, Alltours Geschäftsführer Vertrieb. Foto: Alltours

Uwe Mohr, Alltours Geschäftsführer Vertrieb: „Ich kann mich noch sehr gut an diesen Moment erinnern. Am 11. September 2001 war ich im Zielgebiet Kyllini im Westen des Peloponnes und führte dort Gespräche mit einem Hotelier, der dann von den unfassbaren Anschlägen berichtete.

Die Nachricht hat uns alle zutiefst erschüttert. Es war eine sehr emotionale Situation. Die Sorge unter den Reisenden vor Ort war enorm. Viele wollten wissen, wie es nun weitergeht, und hatten große Angst davor, wieder in ein Flugzeug zu steigen. Diese Tage in Griechenland und die große Verunsicherung der Menschen werde ich nie vergessen.“


Eine blonde Frau mit Brille trägt ein graues T-Shirt mit Blumenmuster und dem Aufdruck Sorry I'm Late und steht vor einer Tür mit einem TUI-Werbeplakat.
Annette Eilers, Inhaberin der Reiselounge Eilers, Ballrechten-Dottingen. Foto: Annette Eilers

Annette Eilers, Reiselounge Eilers, Ballrechten-Dottingen: „Ich komme gerade aus New York und habe natürlich auch wieder das 9/11 Memorial besucht und einen Moment innegehalten. Es ergreift mich jedes Mal, wenn ich dort bin, und ich denke an den Moment zurück, als vor 25 Jahren die ersten Meldungen kamen.

Zunächst dachte ich, es würde ein neuer Hollywood-Actionfilm vorgestellt, weil ich bei der Arbeit im Büro war und den Anfang nicht mitbekommen hatte. Doch schnell wurde klar, dass etwas unbeschreiblich Schlimmes passiert war. Wir schalteten den Fernseher ein und verfolgten die Ereignisse – Schock, Fassungslosigkeit und Entsetzen. Diese Gefühle sind bis heute in mir, wenn ich am 9/11 Memorial stehe.

In New York wurde letzte Woche schon einiges zum Jahrestag vorbereitet – zum Beispiel wurde der Bryant Park abgesperrt und es werden 2753 Stühle in Richtung Süden, wo die Twin-Towers standen, aufgestellt, wo man jeweils eine Nelke und eine persönliche Nachricht auf den Stühlen hinterlassen kann. Am Abend wird ein kostenloses Gedenkkonzert des American Symphony Orchesters stattfinden und es werden Spendengelder für die Familien der Opfer gesammelt. Wenn ich mir das vorstelle, bekomme ich noch heute Gänsehaut.“


Ein lächelnder Mann mit kurzem Haar trägt ein graues Polohemd und steht vor einem unscharfen Hintergrund mit dem Logo von Sunny Cars in Gelb und Grün.
Sunny-Cars-Geschäftsführer Kai Sannwald. Foto: Sunny Cars

Kai Sannwald, Geschäftsführer Sunny Cars: „Ich kann mich sehr gut erinnern, dass ich am 11. September 2001 mittags einen Lunch-Termin hatte. Es ging darum, mit einem großen, potenziellen Kunden „endlich“ ins Geschäft zu kommen. Da es damals kein WhatsApp & Co. gab, haben wir im Restaurant nichts von den schrecklichen Terroranschlägen mitbekommen. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch, das von Erfolg gekrönt war.

Doch die Freude über den neu gewonnen Kunden endete abrupt: Als ich nach dem Lunch wieder im Auto saß, bekam ich einen riesigen Schreck, weil ich zig eingegangene Anrufe hatte. Als ich gerade losfahren wollte, erreichte mich unser damaliger Büroleiter, der mir von den Anschlägen erzählte. Ich war komplett fassungslos. Später habe ich mir im Büro die Berichterstattung angesehen, das Entsetzen werde ich nicht vergessen.“


Ein Mann mit kurzem braunem Haar und einem freundlichen Lächeln trägt ein blaues Hemd und steht vor einem unscharfen Hintergrund aus grünem Blattwerk.
Chamäleon-Gründer Ingo Lies. Foto: Chamäleon

Ingo Lies, Geschäftsführer Chamäleon: „Ich war im Flieger auf dem Rückweg von Ecuador. Bei der Landung am Flughafen in Frankfurt war es totenstill und alle Leute standen vor den Screens. Das war ein totaler Schock.“


Ein Mann mit kurzem Haar und Brille lächelt freundlich in die Kamera. Er trägt ein weißes T-Shirt unter einer hellen Kapuzenjacke vor einem dunklen Hintergrund.
Paxconnect-Chef Joachim Monski. Foto: Paxconnect

Joachim Monski, Geschäftsführer Paxconnect: „Am 11. September 2001 saß ich an meinem temporären Berliner Arbeitsplatz in der Cotheniusstraße im Prenzlauer Berg. Vor mir: das Großraumbüro von Giata. Ein paar Schreibtische weiter arbeitete ein ehemaliger Nachrichtensprecher der „Aktuellen Kamera“, der nach der Wende bei Giata umgeschult hatte – einer von vielen, die damals halfen, die Kataloge der Reiseveranstalter für den Giata Hotelguide auf CD-ROM zu erfassen.

Ich selbst verbrachte ein Jahr in Berlin und setzte gemeinsam mit Giata im Rahmen eines Joint Ventures den Giata-Hotelstamm neu auf. Es war Detailarbeit: Hotels, Veranstalter, Daten, Zuordnungen. Ein ganz normaler Arbeitstag in einer Touristikbranche, die gerade begann, ihre Informationen konsequent zu digitalisieren. Hinter mir, nur durch eine Glasscheibe getrennt, saß Remzi Aru.

Am Nachmittag änderte sich die Atmosphäre mit einem Schlag. Remzi, der Gründer von Giata, mit dem ich in einer WG lebte, klopfte plötzlich wie von der Tarantel gestochen gegen die Scheibe und winkte mich in sein Büro. Er hatte den Fernseher eingeschaltet. Auf dem Röhrenbildschirm liefen die Bilder aus New York. Dann sahen wir, wie das zweite Flugzeug in den Südturm des World Trade Centers raste. Spätestens da war klar: Das war kein Unfall. Alle verstummten und blickten auf den Fernseher.

Den Rest des Nachmittags verfolgten wir fassungslos die Ereignisse. An Arbeiten war nicht mehr zu denken. Uns war sofort klar: Für die Welt des Reisens würde nach diesem Tag nichts mehr sein wie zuvor.“


Fordert schnelle Entscheidungen bei Thomas Cook: Schmetterling-Chefin Anya Müller-Eckert. Foto: Schmetterling
Schmetterling-Chefin Anya Müller-Eckert. Foto: Schmetterling

Anya Müller-Eckert, Geschäftsführerin Schmetterling: „Der 11. September 2001 war für die Touristik eine Zäsur. Ich saß damals mit Kolleginnen im Büro, als wir über einen Newsticker im Internet von den Anschlägen erfuhren. In diesem Moment war mir klar, dass sich die Welt und damit auch unser Geschäft verändern würden. Sicherheit bekam eine völlig neue Bedeutung und mir wurde bewusst, wie verletzlich das internationale Reisegeschäft gegenüber globalen Krisen ist.“


Ein lächelnder Mann mittleren Alters mit kurzem Haar, grau meliertem Bart und Brille trägt ein weißes Hemd unter einem dunkelblauen Sakko vor weißem Grund.
Koray Cavdir, Geschäftsführer Coral Travel. Foto: Coral Travel

Koray Cavdir, Geschäftsführer von Coral Travel: „Am Vormittag des 11. September 2001 startete ich mit Singapore Airlines von Frankfurt in Richtung Bali; die Maschine war zuvor aus New York gekommen. Während des Fluges bekamen wir von den Anschlägen nichts mit. Auch aus dem Cockpit drang keine Nachricht zu uns. Ob die Crew selbst noch nichts wusste oder die Passagiere nicht beunruhigen wollte, weiß ich bis heute nicht.

Erst nach der Landung änderte sich alles schlagartig: Auf sämtlichen Bildschirmen liefen die Bilder aus New York. Überall waren Entsetzen, Aufregung und Fassungslosigkeit zu spüren. Unser Team vor Ort fragte mich sofort, was ich wisse. Ich konnte nur antworten: „Nichts,  absolut nichts.“ Im Hotel verfolgte ich dann stundenlang die Nachrichten auf allen verfügbaren Sendern.

Die Folgen für das Geschäft waren unmittelbar. In dieser völlig unübersichtlichen Situation sagten wir zunächst alle Reisen in die USA und nach Kanada ab. Umso bemerkenswerter war, dass New York bereits zu Weihnachten wieder stark gefragt war. Die deutlich gesunkenen Flug- und Hotelpreise hatten die Sorge vieler Reisender offenbar überlagert. Für mich war das eine frühe Erfahrung damit, wie abrupt der Tourismus auf Krisen reagiert. Und wie überraschend schnell die Nachfrage zurückkehren kann.

Aus heutiger Sicht haben 9/11 und die folgenden Konflikte vor allem eines gezeigt: Politik, Sicherheit und Tourismus sind eng miteinander verbunden. Terror und die Reaktionen darauf wirken weit über den unmittelbaren Anschlag hinaus – auf unschuldige Menschen ebenso wie auf ganze Reiseziele. Für unser Geschäft lautete die Lehre: in Krisen schnell, aber besonnen handeln, verlässlich informieren und darauf vertrauen, dass die Reiselust zurückkehrt.“

Von Sylvia Raschke, Julia Treuherz, Ute Fiedler

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