Der 11. September 2001 hat New York und die Welt verändert. Die Anschläge auf das World Trade Center erschütterten Millionen Menschen. Touristiker blicken auf die Ereignisse eines Tages, dessen Folgen bis heute spürbar sind. Weitere Stimmen finden Sie in Teil 1.

Michael Ortkemper, Business Development Manager Holland America Line: „Am 11. September 2001 war ich als Destination Manager für den TUI Service auf Malta tätig. Mein Team und ich betreuten die TUI-Gäste vor Ort. Zufällig hatten wir in dieser Woche auch eine Informationsreise mit TUI-Reisebüro-Partnern auf der Insel. Die Gruppe sollte eigentlich am nächsten Tag zurück nach Deutschland fliegen, was sich aufgrund der völlig unübersichtlichen Lage nach den Anschlägen um ein bis zwei Tage verzögerte.
Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Von einem Moment auf den anderen wurde die Reiseleitung noch stärker als Informationsquelle, Ansprechpartner und Krisenhelfer wahrgenommen. Gäste suchten Orientierung, verlässliche Informationen und auch ein Stück Sicherheit. In solchen Situationen wird einem bewusst, wie wichtig persönliche Betreuung vor Ort ist.
9/11 hat die Touristik nachhaltig verändert. Bei TUI wurden damals unter anderem Kolleginnen und Kollegen speziell für Krisensituationen geschult und als Teil von Care-Teams ausgebildet, um Gäste in außergewöhnlichen Situationen bestmöglich unterstützen zu können.“

Michael Faber, Reisebüro Faber: „Am 11. September 2001 war ich gerade im zweiten Monat meiner Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann in einem Reisebüro in Koblenz. Als sich die ersten Meldungen verbreiteten, verfolgten wir die Nachrichten zunächst im Radio und später auch die erschütternden Bilder im Fernsehen.
Für uns alle war das ein Schock – innerhalb weniger Stunden veränderte sich auch die Stimmung rund um das Thema Reisen grundlegend. Im Reisebüro spürten wir unmittelbar die Verunsicherung der Menschen und die Frage, was diese Ereignisse für Reisen, insbesondere in die USA und für den internationalen Tourismus, bedeuten würden.“

Marija Linnhoff, VUSR-Präsidentin: „2001 stand ich in der Küche. Ich weiß es noch wie heute. Plötzlich hörte ich aus dem Kinderzimmer meines Sohnes ein lautes, beinahe verzweifeltes geschrienes: ,Maaaaaaamaaaa!‘ Dieses ,Mama‘ höre ich heute noch. Fast gleichzeitig kam meine Tochter zu mir in die Küche. Sie war damals gerade einmal anderthalb Jahre alt und sagte aufgeregt: ,Mama, Mama, nell, nell, (= schnell, schnell) Diiimmy = Timmi).‘ Sie konnte natürlich noch gar nicht verstehen, was geschehen war. Aber sie spürte, dass irgendetwas nicht stimmte.
Ich lief ins Zimmer meines Sohnes. Er war damals 13 Jahre alt und saß an seinem Schreibtisch. Der Fernseher lief. Als ich ihn ansah, sah ich seine Fassungslosigkeit. Diesen Blick der Angst werde ich nie vergessen.
Was wir dort im Fernsehen sahen, ging mir durch Mark und Bein. Mein Sohn verstand jedes Wort. Er verstand, was da gerade geschah. Wir haben uns einfach in den Arm genommen. Ich hab geweint weil ich plötzlich Angst vor der Zukunft hatte. Meine kleine Tochter verstand die Bilder und die Nachrichten noch nicht, aber auch sie merkte, dass etwas Schreckliches passiert sein musste und begann zu weinen.
Bis heute hat mein Sohn diesen Augenblick nicht vergessen. Und ich auch nicht. Vor allem dieses verzweifelte ,Mama!‘ aus seinem Zimmer ist mir bis heute im Ohr.“

Angela Distler, Business Development-Managerin Iberostar: „Ich war an diesem schrecklichen Tag vor 25 Jahren bei der Arbeit. Die Nachricht kam von einem Kollegen. Zunächst konnten wir keine Bilder sehen und stellten das Radio an. Ich klammerte mich tatsächlich an den Gedanken: Das kann nicht echt sein, das ist irgendeine verstörende Geschichte. Dann rief mein Exmann an, und als ich seine Stimme hörte und er mir sagte, was passiert war, wusste ich: Es ist die Wahrheit.
Den Rest des Tages habe ich eigentlich nur noch funktioniert. Als ich abends die ersten Bilder im Fernsehen sah, hat mich das richtig tief getroffen. Dieses unendliche Leid hat noch lange in mir nachgewirkt. Immer wieder kamen die Bilder hoch, und ich habe mit den Menschen mitgelitten. Gleichzeitig war ich unheimlich dankbar für all diejenigen, die geholfen und versucht haben, vor Ort zu unterstützen.
Ich lebte damals auf Lanzarote, weit weg vom direkten Geschehen. Trotzdem hat uns die Angst schnell eingeholt. Wir bekamen unheimlich viele Stornierungen, und irgendwann kam auch die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz dazu. Vor allem die verständliche Flugangst der Menschen hat unseren Markt getroffen. Es hat gedauert, bis wir wieder Halt fanden.
25 Jahre sind vergangen, und leider hat sich in der Weltgeschichte nicht allzu viel verbessert. Ich wünsche uns allen weiterhin Kraft und Mut, damit wir auch schwierige Situationen gemeinsam bewältigen und weiterhin viele Kunden glücklich machen können.“

Ömer Karaca, CEO Schmetterling: „Der 11. September hat uns gezeigt, wie verletzlich eine offene Welt sein kann. Mit 13 Jahren habe ich diesen Tag anders wahrgenommen als heute. Umso wichtiger ist es für mich, die Offenheit, Freiheit und internationale Begegnung, für die das Reisen steht, zu bewahren.“

Klaus Wilmsmeier, Chef TUI Travel Star: Es war ein Dienstag, ich war Bezirksleiter der TUI und habe an dem Tag in meinem Büro in der Verkaufsleitung in Wuppertal gesessen, um mich auf eine Veranstaltung mit Reisebüros am Abend vorzubereiten. Wie so oft lief im Hintergrund WDR 2. Dann kam in den 15-Uhr-Nachrichten die Meldung, dass ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen ist. Der erste Gedanke und die allgemeine Vermutung: bestimmt ein Unfall, schrecklich! Wie kann das passieren?
Dann überschlugen sich die Meldungen. Schnell war klar, dass es kein Unfall war. Wir haben mit Kollegen im Büro von Nils Jenssen – damals mein Chef – gesessen, den Fernseher angemacht und die ersten Bilder gesehen. Die Veranstaltung wurde abgesagt. Irgendwann bin ich nach Hause gefahren, das Radio berichtete weiterhin und die Nachrichten – das zweite Flugzeug in New York, das Flugzeug über dem Pentagon, etc. wurden immer schlimmer. So richtig realisiert habe ich das erst am Abend oder sogar am nächsten Tag. Wenn man im Tourismus arbeitet, denkt man unweigerlich darüber nach, welche Auswirkungen Anschläge, Unglücke, Naturkatastrophen, etc. auf die Branche haben können. Hier war das nicht absehbar, weil diese Dimension anders war als alles bisher Dagewesene.

Helen Schröder, Geschäftsführerin Alpha Reisebüro Partner: Im August 2001 war ich gerade von einem einjährigen Schüleraustausch in den USA zurückgekehrt. Nur wenige Wochen zuvor hatte ich auf einer Ostküstentour noch New York besucht.
Als am 11. September die ersten Nachrichten eintrafen, saßen wir im Deutschunterricht. Unsere Lehrerin bestand darauf, weiter über Max Frischs ‚Homo Faber‘ zu sprechen. Welche Tragweite die Ereignisse hatten, begriff ich deshalb erst am Abend. Gerade weil ich kurz zuvor selbst dort gewesen war, wirkten die Bilder besonders surreal und haben sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt.

Michael Sawang, Geschäftsführer Alpha Reisebüro Partner: „Ich arbeitete an diesem Tag allein im Hapag-Lloyd Reisebüro in Mainz-Bischofsheim, als ein Kunde hereinkam und mich fragte, ob ich mitbekommen hätte, was am World Trade Center geschehen war. Von diesem Moment an verfolgte ich die Nachrichten und war völlig geschockt.
Spätestens als das zweite Flugzeug in den zweiten Turm einschlug, wurde deutlich, dass hier etwas Unvorstellbares geschah. Wie groß das Ausmaß der Anschläge tatsächlich war, begriffen wir erst nach und nach.“

Bianka Kann, Reisebüro Albatros, Troisdorf: „Der 11. September 2001 war ganz schrecklich, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Meine Kinder waren damals neun und zehn Jahre alt. Wir waren in den Osterferien sogar noch in New York, und ich habe heute noch Fotos von den Twin Towers.
Die Nachricht von den Anschlägen habe ich im Radio gehört, ich glaube, ich war damals im Büro. Es war einfach unfassbar. Wir waren tagelang damit beschäftigt, und die Ereignisse gingen ohne Ende durch die Medien. Man konnte das alles gar nicht richtig realisieren. Wenn ich heute darüber nachdenke, wird mir noch immer ganz heiß und kalt.
Ich war im Nachgang auch mehrfach an dem Ort, an dem heute Ground Zero ist – einmal mit Freunden, später mit meiner Nichte und meinem Sohn. Wenn ich in New York bin, gehe ich immer wieder dorthin. Es ist ein Ort, an dem man innehält und der Menschen gedenkt und daran erinnert, was damals passiert ist.
Ich war insgesamt bestimmt sieben oder acht Mal in New York und habe die Stadt immer wieder besucht. Aber Ground Zero ist für mich jedes Mal ein ganz besonderer und bewegender Ort.“

Markus Daldrup, Geschäftsführer Trendtours: „Am 11. September 2001 stand ich vor der Baustelle der neuen Alltours Zentrale in Duisburg und hatte einen Termin mit unserem Büromöbelhersteller. Als der Termin vorbei war, stand mein Telefon nicht mehr still – und innerhalb weniger Stunden war nichts mehr wie zuvor.
Die Bilder dieses Tages haben sich eingebrannt. Auch für uns in der Touristik war sofort spürbar, dass sich das Reisen verändern würde. Sicherheit, Unsicherheit und die Sorge der Menschen wurden plötzlich zu Themen, die unsere Branche auf Jahre hinaus begleiten sollten.“

Gerd Laatz, Geschäftsführer von Ziel: „Ich saß an meinem Schreibtisch. Im Hintergrund lief ein Radiosender. Auf meinem Schreibtisch stand ein Miniatur-Röhren-Fernseher. Nach dem, was ich da im Radio hörte, schaltete ich sofort das Fernsehgerät ein und nach und nach kamen die Kolleginnen und Kollegen in mein Büro und drängten sich um den winzigen Bildschirm. Schnell waren wir uns einig, dass diese Geschichte die Welt verändern würde.
Heute wissen wir, dass wir Recht hatten und diese und folgende Ereignisse mit dem angeblichen Ziel „Ungläubige zu töten“ nicht nur an das erinnerten, was die die Christen einst mit ihren Kreuzzügen taten, sondern die Welt wirklich nachhaltig veränderten. Den Verrückten und Radikalen rund um den Planeten wurden Tür und Tor geöffnet. Es wäre so schön, wenn die Menschen aus der Geschichte lernen würden, tun sie nur leider nicht.“

Michael Draeger, Leiter Reisebüro Stoffregen, Dortmund: „Ich erinnere mich noch sehr genau an den 11. September. Ich hatte Spätdienst und saß allein im Reisebüro, als gegen 15 Uhr die ersten Nachrichten kamen.
Zunächst konnten wir kaum glauben, was da passiert war. Dann kamen die Bilder, die Meldungen über das Pentagon und das zweite Flugzeug – und plötzlich wurde klar, dass das ein ganz großer Schlag war.
Die Stimmung im Büro war wie gelähmt. Gleichzeitig merkten wir sofort, was das auch für unsere Branche bedeuten würde. Das Telefon begann zu klingeln, Kunden fragten, ob sie ihre Amerika-Reisen überhaupt noch antreten könnten.
Am Abend saß ich mit meiner Frau zu Hause. Eigentlich war ein Fußballspiel geplant, aber niemand hatte den Kopf dafür. Das Essen stand auf dem Tisch, doch ich hatte überhaupt keinen Hunger. Wir saßen einfach da und starrten auf den Fernseher.
Und obwohl das inzwischen 25 Jahre her ist, merke ich gerade beim Erzählen, dass dieses Gefühl noch immer da ist. Es kommt mir plötzlich vor, als wäre es gestern gewesen. Die Bilder, die Stimmung, die Sprachlosigkeit – all das ist noch unglaublich präsent. Ich glaube, genau daran merkt man, wie tief sich dieser Tag ins Gedächtnis eingebrannt hat.“

Arik Vollmer, Country Manager Germany, Austria & Switzerland, Executive Cruises: „9/11 habe ich als Zivildienstleistender in einem Altenheim in Darmstadt erlebt. Da am gleichen Tag 1944 die sogenannte Darmstädter Brandnacht stattfand, in der die Stadt massiv niedergebombt wurde, saßen wir mit den Senioren in einem historischen und teils dramatischen Vortrag. Als wir zurückkamen, sah man die brennenden Twin Towers im Fernsehen, was alle sehr verwirrte.
Zu der Zeit arbeitete ich parallel im Reisebüro Gill in Darmstadt, das in den folgenden Tagen vollkommen ausgestorben war beziehungsweise nur noch Stornierungen entgegennahm.“

Guido Bürger, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Südliches und Östliches Afrika (ASA): „Am 11. September habe ich während meines Geographiestudiums zu Hause an einer Seminararbeit geschrieben. Irgendwann poppten Nachrichten auf, dass ein Flugzeug in das World Trade Center geflogen ist, dann habe ich erstmal den Stream von CNN gestartet.
Ich war geschockt und so nach und nach verdichteten sich die Informationen, auch mit den weiteren Flugzeugen. Nach ein paar Minuten flog dann der zweite Jet im Livestream in den zweiten Turm. Da liefen die Nachrichten natürlich die nächsten Tage durch.“

Melanie Naumann, Inhaberin Terramania Reisen: „Ich war gerade im Erziehungsurlaub und daher zu Hause. Meine Oma kam rein und hat gesagt: ‚Mach mal den Fernseher an, der Dritte Weltkrieg ist ausgebrochen.‘ Ja, und das war der erste Schock. Und zwischenzeitlich habe ich kurz gedacht, es sei alles nur ein Scherz.
Am stärksten ist mir die Aussage ‚Dritter Weltkrieg‘ meiner Oma in Erinnerung geblieben. Dann habe ich gedacht, dass das alles nur Spaß sei. Und ja, aber das ist, also für mich noch, ich habe da gerade erst angefangen. Da ich damals noch nicht in der Reisebranche tätig war, konnte ich die Auswirkungen reisetechnisch auch noch gar nicht zuordnen.“

Sabine Jordan-Glaab, Geschäftsführerin Vtours: „Den 11. September 2001 werde ich nie vergessen. Damals war ich im Geschäftsreisebereich tätig und telefonierte gerade mit einem amerikanischen Kunden, der in New York lebt. Während unseres Gesprächs verfolgte er die Ereignisse live im Fernsehen.
Wir blieben über Stunden in Kontakt, sodass ich die dramatischen Entwicklungen nahezu in Echtzeit mitverfolgen konnte und stets auf dem aktuellen Stand war. Wir teilten unsere Fassungslosigkeit über das, was sich vor unseren Augen abspielte. Wie viele andere Menschen konnte ich zunächst gar nicht begreifen, was dort gerade geschah. Es wirkte unwirklich und gleichzeitig erschreckend real.
Der 11. September war für meine Generation ein Moment, der das Gefühl von Sicherheit erschüttert hat. Für die Reisebranche war er ein Wendepunkt. Er hat gezeigt, wie verletzlich globale Mobilität sein kann. Rückblickend hat der 11. September den internationalen Reiseverkehr dauerhaft geprägt. Sicherheit wurde zur obersten Priorität. Flughäfen, Airlines und Reiseunternehmen mussten innerhalb kürzester Zeit neue Prozesse etablieren.
Kontrollen wurden deutlich verschärft, Identitätsprüfungen ausgeweitet und das Sicherheitsbewusstsein aller Reisenden verändert. Zu Beginn führte das Ereignis zu einer Phase großer Verunsicherung, aber es hat auch gezeigt, wie anpassungsfähig und widerstandsfähig unsere Branche ist.
Gleichzeitig bleibt eine Erkenntnis aus den vergangenen 25 Jahren unverändert: Reisen verbindet Menschen, schafft Verständnis und bleibt trotz aller Herausforderungen, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz ein wesentlicher Bestandteil einer offenen Welt. Reisen verbindet.“

Sylvia Raschke, touristik aktuell: „Ich war in Riga. Wir hatten uns gerade einen großen Markt in der lettischen Hauptstadt angeschaut und gingen dann ins Hotel zurück. Neben der Lobby war ein kleiner Fernsehraum, dort starrten viele amerikanische Gäste gemeinsam auf den Bildschirm. Das hat uns gewundert. Nicht, dass Amerikaner TV schauen, sondern dass sie das in der Lobby und nicht auf ihrem Zimmer machen, war überraschend für mich.
Da ich im Hotel nie den Fernseher anmache, habe ich dann mal kurz auf das Gerät neben der Lobby gelinst. Und war natürlich geschockt. Wir sind abends dann noch in der Stadt essen gewesen. Es war überall gedämpfte Stimmung und vor der amerikanischen Botschaft haben Kerzen gestanden.
Angst vor dem Rückflug wenige Tage später nach Hamburg hatte ich nicht. Auch über die Zukunft der Reisebranche habe ich mir keine Gedanken gemacht, ich habe bei einem Online-Reisemagazin vom Springer-Verlag gearbeitet.
In Gesprächen mit einer Freundin ging es aber sehr häufig um den 11. September. Ihr Mann war Professor an der TU Hamburg-Harburg, an der zwei Attentäter damals studierten, und wurde daher häufig von Medien aus aller Welt interviewt.“

Jew Patrouchev, Pro Columbia: „Ich kann mich tatsächlich noch ziemlich genau an den Tag erinnert. Es war unser fünftes Jahr in Deutschland, nachdem wir aus Russland hierhergezogen waren. Mein Bruder und ich gingen damals noch zur Schule und hatten dreimal pro Woche Deutsch-Nachhilfe, weil wir beide noch ziemlich gebrochen Deutsch gesprochen haben.
Während des Unterrichts bekam unsere Lehrerin einen Anruf und ihr wurde gesagt, sie solle sofort den Fernseher einschalten. Dann sahen wir die Bilder aus New York und wie die Flugzeuge in die Türme flogen.
Im ersten Moment dachten mein Bruder und ich tatsächlich, unsere Lehrerin wolle mit uns einen Film auf Deutsch anschauen und hatten uns gefreut. Erst als sie uns erklärte, was gerade passiert war, verstanden wir langsam, dass das real war. Der Unterricht war natürlich vorbei.
Ich war damals in der 11. Klasse und jobbte nebenbei bereits in einer Eventagentur. Welche Folgen dieser Tag für die Welt, für das Reisen und später auch für die Tourismusbranche haben würde, konnte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen. Was mir aber sehr deutlich in Erinnerung geblieben ist, war dieses Gefühl: Wir lebten erst seit einigen Jahren in Deutschland und hatten den Westen als sicheren, stabilen Ort wahrgenommen. An diesem Nachmittag haben wir verstanden, dass sich die Welt innerhalb weniger Minuten verändern kann, und dass auch hier Sicherheit keine Selbstverständlichkeit ist. Erst später wurde mir bewusst, wie sehr der 11. September nicht nur die Politik und unser Sicherheitsgefühl, sondern auch das Reisen dauerhaft verändert hat.“

Thomas Duppke, Inhaber DTS Duppke Touristik Services: „Am 11. September 2001 war ich auf der Autobahn Richtung Baden-Baden Airport, wo wir am Abend eine Veranstaltung mit über 100 Expedienten hatten. Als der Anschlag bekannt wurde, hat man zunächst überlegt, das Event abzusagen, sich dann aber doch entschlossen, es ohne Party durchzuführen. Es war wirklich ein sehr seltsames Event mit nur einem Thema.“

Matthias Lemcke, Director Europe des Namibia Tourism Board: „Ich erinnere mich noch sehr genau an den 11. September 2001, auch weil meine Mutter an diesem Tag Geburtstag hatte. Ich war damals 23 und mit einem ziemlich wackeligen Auto auf dem Weg zu ihr. Im Autoradio kam zunächst die Meldung, dass ein Sportflugzeug in ein Hochhaus geflogen sei. Man dachte sich erst: Warum muss so etwas passieren?
Bei Kaffee und Kuchen hat dann jemand den Fernseher eingeschaltet und gesagt: ‚Ihr müsst euch das anschauen, da passiert etwas ganz Schlimmes.‘ Da wurde uns erst richtig bewusst, was gerade geschah.
Gleichzeitig lief damals eine Praktikumsanfrage bei der DZT in New York. Ich hatte mich mit der dortigen Mitarbeiterin schon sehr gut verstanden, und eigentlich war alles fast in trockenen Tüchern. Ich habe sie damals angerufen und weiß noch genau, wie aufgelöst sie war. Sie konnten die Ereignisse von ihrem Büro aus sehr nah miterleben.
Wir waren zwar weit weg, aber durch den Kontakt plötzlich ganz nah dran. Und man hat schon damals gespürt: Das wird für uns alle und auch für die Reisebranche einiges verändern. Dieses Gefühl und diesen Tag werde ich nicht vergessen.“

Thomas Bösl, Geschäftsführer der RTK: „2001 war mein erstes Jahr bei RTK. Am 11. September war ich im Urlaub in Italien, in einer Ferienwohnung ohne Fernseher. Von den Anschlägen erfuhren wir zunächst nur durch einen Anruf. Erst am Abend sahen wir in der Stadt die Fernsehbilder – und begriffen das ganze Ausmaß. Die Kommunikation war damals viel langsamer, die Zahl der verfügbaren Informationsquellen deutlich kleiner als heute.
Die folgenden Wochen waren von großer Unsicherheit geprägt, das Reisegeschäft ging spürbar zurück. Für den Flugverkehr bedeutete der 11. September eine Zäsur: Die Sicherheitsvorkehrungen erreichten eine grundlegend neue Stufe. Zugleich erlebten wir eine der größten Krisen der Touristik – und erstmals, was es bedeutet, wenn der Flugverkehr plötzlich weitgehend zum Stillstand kommt. Diese Erfahrung hat dazu geführt, dass wir uns organisatorisch und kommunikativ sehr viel intensiver auf Krisen im Luftverkehr vorbereitet haben.
Trotz aller unmittelbaren Folgen konnten die Anschläge das Vertrauen in das Reisen und das Bedürfnis nach Urlaub nicht dauerhaft erschüttern. Die Branche hat diese Krise bewältigt, aus ihr gelernt und ihre Strukturen angepasst. Diese Widerstandskraft ist für mich eine der wichtigsten Erfahrungen aus jener Zeit.“
Von Sylvia Raschke, Christofer Knaak und Ute Fiedler




