Millionen Menschen rund um den Globus haben am Sonntag (19. Juli) verfolgt, wie sich Spanien im Met Life Stadium nahe New York City zum Fußball-Weltmeister krönte. Das Sportevent in den USA, Kanada und Mexiko hat international für einen Hype gesorgt, alleine in Deutschland erreichten ARD und ZDF laut eigenen Angaben 59 Millionen Menschen – und das trotz der teilweise nächtlichen Anstoßzeiten.
Und auch für die Wahrnehmung der USA als Reiseland könnte die Weltmeisterschaft nachhaltig positive Effekte haben. „Die großartigen Stadien mit allerorts fantastischer Stimmung“ hätten bei vielen Sportfans wohl den Wunsch geweckt, beispielsweise ein NFL-Spiel live in den USA zu erleben, sagt Visit USA gegenüber touristik aktuell.
Fans werden zu Reisebotschaftern der USA
Über den Sport hinaus seien vor allem positive Bilder aus den Austragungsorten hängen geblieben: bunte Fan-Feste, eine ausgelassene Stimmung und Gastgeber, die sich offen und freundlich präsentierten. Auch die zahlreichen Fans, die während des Turniers durch das Land reisten, könnten zu wichtigen Reisebotschaftern werden – durch ihre Social-Media-Beiträge und viele „einmalige“ Erfahrungen, die sie während ihrer Zeit in den USA gemacht haben.
„Ein weiterer Aspekt, der leider wieder kaum Aufmerksamkeit geschenkt bekommt: die Einreise in die USA war keinerlei Thema, was hierfür das bestmögliche Ergebnis ist“, heißt es von Visit USA. Noch immer halte sich bei vielen das falsche Bild, die Einreise sei komplizierter oder sogar „bedrohlicher“ geworden. Dabei sei genau das Gegenteil der Fall. Demnach gehe der Trend zu kürzeren Wartezeiten und rückläufigen Zahlen bei Problemen.
US-Hotelmarkt: Rekordwerte im Juni
Die Fußball-WM brachte dem US-Hotelmarkt Ende Juni auch Rekordwerte ein. Nach Daten von STR (Smith Travel Research) stieg der Erlös pro verfügbarem Zimmer in der Woche vom 21. bis 27. Juni auf 129 Dollar, die durchschnittliche Tagesrate auf 178,82 Dollar – beides Wochenhöchstwerte.
Anfang Juli flaute der Effekt bereits wieder ab. Vom 5. bis 11. Juli legte der Zimmererlös nur noch um 5,2 Prozent im Jahresvergleich zu. Damit blieb die Branche zwar die 13. Woche in Folge im Plus, das Wachstum normalisierte sich jedoch deutlich.

In den WM-Städten zeigte sich der Effekt vor allem über höhere Preise, nicht über mehr Nachfrage. In der letzten Juniwoche stieg der Zimmererlös dort um 16,7 Prozent, obwohl die Nachfrage um 2,9 Prozent sank. An Spieltagen lag das Plus sogar bei 42,1 Prozent, an spielfreien Tagen fiel die Auslastung dagegen um 3,7 Prozentpunkte. STR spricht von einem „anhaltenden Verdrängungseffekt“ bei Geschäfts- und Freizeitreisen.
Wichtiger Baustein, aber kein Gamechanger
Nicht alle Gastgeber profitierten gleichermaßen. Miami und Kansas City legten kräftig zu, Atlanta und Seattle rutschten im Wochenschnitt ins Minus. Seit Turnierbeginn ist die Hotelnachfrage in den Austragungsorten insgesamt um 1,1 Prozent gesunken, im restlichen Land dagegen um 2,3 Prozent gestiegen.
Für den Tourismus in die USA war die WM laut Visit USA zwar ein wichtiger Baustein, aber kein Gamechanger. Trotzdem: Sollten weitere Faktoren in die richtige Richtung laufen, könnte sich das auch im kommenden Jahr wieder in den Buchungszahlen bemerkbar machen.
Aber auch andere Teilnehmerländer, die wir im Zuge einer Serie zur Fußball-Weltmeisterschaft vorgestellt haben, könnten von dem Turnier aus touristischer Sicht profitieren.



