Der Condor-Mehrheitseigner Attestor will die Fluggesellschaft offenbar zunächst vollständig übernehmen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Insider-Quelle. Demnach wird der britische Finanzinvestor, der momentan 51 Prozent der Condor-Anteile hält, bis zum 30. September die verbleibenden 49 Prozent vom deutschen Staat erwerben.
Strategischer Investor weiterhin gesucht

Gleichwohl gibt der Investor sein Vorhaben nicht auf, einen weiteren Partner ins Boot zu holen. Laut Bericht prüft Attestor derzeit die Möglichkeit, einen strategischen Partner aus der Luftfahrtbranche einzubinden, um das künftige Wachstum von Condor zu unterstützen, beabsichtigt jedoch, den Kauf unabhängig davon abzuschließen, ob bis zum Stichtag ein solcher Partner gefunden wird. Beide Unternehmen lehnen bislang eine Stellungnahme dazu ab.
Attestor hatte im Jahr 2021 die Mehrheit an dem Ferienflieger übernommen, der nach der Thomas-Cook-Pleite und infolge der Corona-Krise mit einem staatlichen Rettungskredit in dreistelliger Millionenhöhe am Leben gehalten wurde. Damals wurde auch eine Option für die Investmentgesellschaft vereinbart, wonach sie nach Auslaufen des staatlichen Hilfsprogramms Condor komplett übernehmen könnte. Dies ist nun Ende September der Fall.
„Idealerweise“ Beteiligung eines größeren Airline-Players
Obwohl es noch keinen konkreten Zeitplan gebe, würde Attestor zu einem späteren Zeitpunkt eine Minderheitsbeteiligung idealerweise an eine größere Fluggesellschaft oder einen größeren Luftfahrtkonzern verkaufen wollen, so die Quelle im Reuters-Bericht weiter. Anfang Juli erklärte Condor-Chef Peter Gerber in einem Interview, dass Golf-Carrier wie Emirates potenzielle Partner sein könnten, ebenso Turkish Airlines.
Nach Ansicht des Luftfahrtanalysten John Strickland wäre ein strategischer Anteilseigner aus der Luftfahrtbranche „eine logische Ergänzung“, weil Attestor kein spezialisierter Luftfahrtinvestor sei. Andere Experten wie Airline-Berater Gerald Wissel könnten sich auch einen touristischen Player vorstellen. Deutschlands Marktführer und größter Condor-Rivale Lufthansa dagegen kommt aus Wettbewerbsgründen nicht als Käufer infrage.


