Das Unesco-Welterbekomitee hat auf seiner Tagung im südkoreanischen Busan zehn neue Stätten in die Welterbeliste aufgenommen und eine bestehende erweitert. Unter den Neueinträgen sind die alliierten Landungsstrände in der Normandie. Die Berliner Siedlungen der Moderne wurden um die Waldsiedlung Zehlendorf ergänzt.
Der westafrikanische Inselstaat São Tomé und Príncipe erhielt mit den Roças – Überresten kolonialer Plantagenanlagen – seinen ersten Eintrag auf der Liste. Insgesamt umfasst die Welterbeliste damit mehr als 1.250 Kultur- und Naturstätten in 172 Ländern. Das Komitee tagt noch bis zum 29. Juli und berät über weitere der insgesamt rund 30 nominierten Stätten.

Zu den Neuaufnahmen mit besonderer historischer Bedeutung zählen die alliierten Landungsstrände in der Normandie. Die Stätte umfasst die fünf Strände Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach sowie die Steilküste von Pointe du Hoc und erinnert an die Eröffnung einer neuen Front gegen das nationalsozialistische Deutschland am 6. Juni 1944.
Ebenfalls in Frankreich wurden die königlichen Festungen der Kapetinger im Languedoc aufgenommen, ein Netz von Befestigungen aus dem 13. und 14. Jahrhundert, das von Carcassonne aus verwaltet wurde.
Aus Finnland schafften es dreizehn Gebäude und Ensembles des Architekten Alvar Aalto als Werke Aaltos auf die Liste, die Ideen der Moderne mit lokalen Bautraditionen verbinden.
Erweiterung der Berliner Moderne und weitere Neueinträge
Für Deutschland wurde die seit 2008 bestehende Welterbestätte Siedlungen der Berliner Moderne um die Waldsiedlung Zehlendorf erweitert. Die nun sieben Siedlungen stehen beispielhaft für den Aufbruch zu besseren Wohnbedingungen und modernem Städtebau im frühen 20. Jahrhundert. Deutschland verzeichnet derzeit 55 Welterbestätten.

Auch in Griechenland, dem Iran, Italien und Japan gab es Neueinträge. Die weitere Umgebung des Olymp wurde als gemischte Kultur- und Naturstätte aufgenommen – der höchste Berg Griechenlands verbindet als zentraler Bezugspunkt der antiken Mythologie Kulturgeschichte mit einer der artenreichsten Gebirgslandschaften Europas.
Im iranischen Elburs-Gebirge erhielten die Burg Alamūt und sechs zugehörige Befestigungsanlagen den Welterbestatus; sie sind eng mit der Geschichte der Nizariten verbunden.
In Mittelitalien wurden die Condominio-Theater des 18. und 19. Jahrhunderts eingeschrieben, die durch ein Modell gemeinschaftlichen Eigentums die Theaterkultur auch in kleinere Städte brachten. Aus Japan kamen die alten Hauptstädte Asuka und Fujiwara hinzu, deren archäologische Fundstätten die Herausbildung eines zentralisierten Staates zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert dokumentieren.
Von Amazonien bis Südsudan
In Brasilien wurden die Theater Amazoniens aufgenommen – das Teatro Amazonas in Manaus und das Teatro da Paz in Belém. Die prachtvollen Opernhäuser entstanden im späten 19. Jahrhundert auf dem Höhepunkt des Kautschukbooms und verbinden europäische Architekturtraditionen mit regionalen Materialien und Motiven.

Ebenfalls neu auf der Liste ist das modernistische Stadtzentrum von Gdynia in Polen, das zwischen 1926 und 1939 entstand, als das frühere Fischerdorf zum wichtigsten Seehafen der Zweiten Polnischen Republik ausgebaut wurde. Es gilt als eines der frühesten großflächigen Beispiele moderner Stadtplanung in Europa.
In Usbekistan wurde die nach dem Erdbeben von 1966 entstandene Architektur der Moderne in Taschkent aufgenommen, die sowjetische Stadtplanung mit Elementen traditioneller zentralasiatischer Baukunst verbindet.
Die einzige Naturstätte unter den Neuaufnahmen ist Boma-Badingilo im Südsudan. Das Gebiet umfasst weite Savannen und Feuchtgebiete und beherbergt eine der letzten großen Tierwanderungen der Erde, bei der jährlich Millionen Antilopen und Gazellen durch die Region ziehen. Aufgrund von Wilderei, Siedlungsdruck und Landnutzungskonflikten wurde die Stätte zugleich in die Liste des gefährdeten Welterbes eingeschrieben.


