Reiseveranstalter bereiten sich auf El Niño vor

El Niño könnte die kommende Reisesaison mit Wetterextremen beeinflussen. Die Veranstalter beobachten die Entwicklung genau, sehen bislang aber keinen Grund zur Beunruhigung. Krisenprozesse, Frühwarnsysteme und Expertenwissen stehen bereit.

Ein kleines Boot auf dem ruhigen Meer vor einer Inselkette unter einem dramatischen, tiefblauen und wolkenverhangenen Himmel bei bewölktem Tageslicht.
Da braut sich was zusammen. El Niño könnte in diesem Jahr so starke Auswirkungen haben wie nie zuvor. Foto: Placebo365/iStock

Wissenschaftler sagen eine außergewöhnlich starke El-Niño-Saison voraus. Das Klimaphänomen, bei dem sich das Oberflächenwasser im tropischen Pazifik ungewöhnlich stark erwärmt und das globale Wetter durcheinanderwirbelt, kann die Wahrscheinlichkeit von Hitze, Dürren, Starkregen und Überschwemmungen erhöhen.

Welche Regionen und Reisezeiträume tatsächlich betroffen sind, lässt sich dabei nicht pauschal bestimmen. Für die Veranstalter bedeutet das vor allem: Wetterentwicklungen beobachten, mögliche Auswirkungen auf die Reiseziele bewerten und die eigenen Krisen- und Informationsprozesse bereithalten.

Konkrete Maßnahmen, die über das allgemeine Krisen-Management hinausgehen, hat wegen der unklaren Situation bislang noch kaum ein Veranstalter getroffen. Von Alltours heißt es, man beobachte die
Entwicklung von El Niño und mögliche Auswirkungen fortlaufend. Wetterdienste, Behörden und lokale Partner liefern Informationen, insbesondere für Fernziele. „Der Schwerpunkt unseres Programms liegt im Mittelmeer-Raum, wo der direkte Einfluss von El Niño weniger ausgeprägt und schwerer vorherzusagen ist als in einigen tropischen Regionen“, sagt Sabine Ostgathe-Breitgraf, die bei Alltours für das Krisen-Management zuständig ist.

Auch bei Schauinsland-Reisen prüft das Krisen-Management die Wetterlage täglich und greift auf verschiedene Monitoring- und Informationsdienste zurück. Bei Bedarf stehe man in engem Austausch mit lokalen Leistungsträgern und könne auf etablierte Krisen- und Notfallprozesse zurückgreifen. Bei Gebeco verweist CCO Michael Knapp ebenfalls auf ein etabliertes Krisen-Management sowie die enge Zusammenarbeit im DRV und im weltweiten Krisennetzwerk von TUI.

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Luftaufnahme der Küstenregion Kekova bei Antalya mit Booten im türkisfarbenen Wasser, überlagert mit dem Logo der anex gruppe und Textbausteinen.

Frühwarnsysteme und Expertenberatung

Dertour hat das mögliche El-Niño-Risiko nach Angaben von Krisen-Managerin Melanie Gerhardt frühzeitig in seine Präventionsplanung aufgenommen. Zum Instrumentarium gehört ein digitales Frühwarnsystem, das weltweit auf sich entwickelnde Extremwetterereignisse hinweist. Die Daten werden gemeinsam mit weiteren Informationsquellen ausgewertet.

Unterstützt wird das Krisen-Management zudem von Meteorologe Jörg Kachelmann. „Dessen frühzeitige Prognosen helfen uns, im Vorfeld von Extremwetterereignissen noch schnellere und bessere Vorbereitungen zum Schutz unserer Reisegäste zu treffen, aber auch Rundreisen entsprechend umzurouten“, erläutert sie. „Auch das hat sich in zahlreichen Krisenlagen ausgezahlt.“

Von Kundenseite ist indes bislang noch keine große Verunsicherung zu spüren. Alltours, Schauinsland-Reisen und Gebeco verzeichnen aktuell keine speziellen Kundenanfragen zu El Niño und damit verbundenen Wetterextremen. Ralf Huber, stellvertretender Geschäftsführer von Ikarus Tours, berichtet von einer konkreten Anfrage eines Kunden, der demnächst auf die Galapagos-Inseln reist.

Kommunikation mit Reisebüros bleibt begrenzt

Entsprechend treten die Veranstalter zurzeit auch noch nicht aktiv mit Informationen zum Klimaphänomen an die Reisebüros heran. So heißt es von Alltours, man wolle Reisebüros informieren, sobald konkrete Hinweise für Beratung und Buchung relevant werden. Ralf Huber von Ikarus Tours sagt, dass man auf Nachfrage von Reisebüros gerne die eigene Einschätzung mitteile. „Aber eine explizite Kommunikation gibt es bis dato dazu nicht, ist aber in den nächsten Wochen gut vorstellbar.“

Lediglich Dertour schätzt die Situation anders ein. Weil bei den Frankfurtern Anfragen von verunsicherten Kunden wegen möglicher Extremwetterlagen eingehen, gibt es eine spezielle Hotline. Die Experten im Krisen-Management greifen laut Melanie Gerhardt wiederum auf die Beratungsexpertise von Jörg Kachelmann zurück.

Auch in der Kommunikation mit den Reisebüros geht Dertour weiter. Man informiere diese bereits jetzt, denn Expedienten würden „im Beratungsgespräch oft auch mit Bedenken von Kundinnen und Kunden hinsichtlich möglicher Extremwetterlagen konfrontiert“, so Gerhardt. Als konkrete Beratungshilfen habe Dertour einen FAQ-Extremwetter-Folder erstellt. Zudem biete man dem Vertrieb Sonderinformationsveranstaltungen zum Thema an und veröffentliche diese im Reisebüro-Portal. Zusätzlich hat die Krisen-Managerin mehrere Extremwetter-Workshops angeboten.

Pauschalreisen als Sicherheitsargument

El Niño bietet den Veranstaltern zugleich einen Anlass, die Leistungen der Pauschalreise als Sicherheitsargument herauszustellen. So sagt beispielsweise Gebeco-CCO Michael Knapp: „In einer Zeit, die neben klimatischen auch geopolitische Veränderungen bringt, ist das Thema Sicherheit für Buchende besonders relevant.“ Pauschalreisen schützen vor finanziellen Risiken, erhöhen die persönliche Sicherheit vor Ort und bewahren die Vorfreude vor Reisebeginn. „Diese konkret spürbaren Sicherheiten sind ein zentrales Verkaufsargument, das Reisebüro-Mitarbeitende in der Beratung wiederholt positiv hervorheben sollten“, so Knapp.

Auch Dertour stellt die Krisenvorsorge als besonderen Vorteil der Pauschalreise heraus. „Wir sorgen für die höchstmögliche Sicherheit unserer Gäste, inklusive umfassender Extremwetterprävention und konkreter Hilfe im Fall der Fälle – ein entscheidender Mehrwert der Pauschalreise.“ Keine andere Reiseform biete diese vielfältigen Sicherheitsgarantien. „Wer eine Pauschalreise bucht, entscheidet sich als Verbraucher für das am besten geschützte Produkt am Markt“, hatte Dertour-Chef Christoph Debus in der Vergangenheit mehrfach betont. 

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Regionen im Fokus

Welche Destinationen beobachten die Veranstalter derzeit besonders genau? Dertour hat unter anderem Südostasien, Australien, die Pazifikinseln, Peru und Ecuador, Mittelamerika, Indien sowie Teile Ostafrikas im Blick. Auch Nordamerika und Europa werden hinsichtlich möglicher regionaler Wetterveränderungen beobachtet.

Gebeco nennt insbesondere die Westküste Südamerikas mit Peru, Ecuador und den Galapagos-Inseln, Australien, Indonesien und Teile Südostasiens. Hinzu kommen Ost- und Nordostafrika sowie Pazifikregionen. Auch für Europa werden regional unterschiedliche Veränderungen der Winterwitterung betrachtet.

Ikarus Tours richtet den Blick vor allem auf Süd- und Mittelamerika, den Pazifik, Australien, Südasien und das südliche Afrika – insbesondere für den Zeitraum von Herbst und Winter 2026 bis ins Frühjahr 2027.