WM-Serie: Bosnien und Herzegowina und die Mutprobe von Mostar

48 Teams kämpfen um den WM-Titel – und wir stellen die Teilnehmerländer näher vor. In unserer Serie geht es nicht nur um bekannte Sehenswürdigkeiten, sondern auch um überraschende Geschichten, kuriose Rekorde und Wissenswertes, das es vielleicht nicht in jedes Reisemagazin schafft. Perfekt also als Small Talk-Thema oder für das nächste Kneipen-Quiz.

Diesmal führt uns die Reise auf den Balkan. Bosnien und Herzegowina gehört zwar zu den kleineren Teilnehmern der Weltmeisterschaft, überrascht aber mit einer außergewöhnlichen Mischung aus Kulturen, Landschaften und Geschichte. Zwischen osmanischem Erbe, beeindruckenden Berglandschaften und einem der letzten Urwälder Europas gibt es einiges zu entdecken.

Blick auf eine bewaldete Berglandschaft mit sanften Hügeln und einer dramatischen Wolkenformation im Hintergrund.
Im Sutjeska-Nationalpark befindet sich mit dem Perućica-Wald zudem eines der letzten weitgehend unberührten Urwaldgebiete Europas. Foto: Konrad Krason/iStock

Kleine Küste, große Vielfalt

Ein Blick auf die Landkarte zeigt vor allem eines: Berge. Rund drei Viertel von Bosnien und Herzegowina sind von Gebirgen und Hügellandschaften geprägt. Entsprechend beliebt ist das Land bei Wanderern, Mountainbikern und Wintersportlern.

Zu den touristischen Höhepunkten zählen die Hauptstadt Sarajevo, die Kravica-Wasserfälle sowie die Bergregionen rund um Jahorina und Bjelasnica. Einen besonderen Reiz macht dabei die Mischung aus Kulturen: Moscheen, Kirchen und Synagogen stehen vielerorts nur wenige Gehminuten voneinander entfernt.

Übrigens: Obwohl Bosnien und Herzegowina nicht unbedingt als Badeziel bekannt ist, besitzt das Land einen Zugang zur Adria. Die Küstenlinie rund um die Stadt Neum misst allerdings nur rund 20 Kilometer.

Das bekannteste Postkartenmotiv des Landes findet sich jedoch im Landesinneren. Die Stadt Mostar lockt Besucher mit ihrer historischen Altstadt und einer Brücke, die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist.

Brücke für Wagemutige

Die steinerne Bogenbrücke von Mostar wurde im 16. Jahrhundert während der osmanischen Herrschaft errichtet und überspannt den Fluss Neretva. Weltbekannt ist sie jedoch nicht nur wegen ihrer Architektur.

Seit Jahrhunderten wagen sich Einheimische von der rund 20 Meter hohen Brücke in das eiskalte Wasser der Neretva. Der Sprung gilt als Mutprobe und zieht jedes Jahr zahlreiche Zuschauer an. Wer unten im Fluss landet, sollte allerdings nicht kälteempfindlich sein.

Nachdem die Brücke im Bosnienkrieg zerstört worden war, wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut. Heute gehört sie zum Unesco-Welterbe und gilt als eines der Wahrzeichen des Landes. Wie mutig die Brückenspringer sein müssen, zeigt das folgende Video.

Europas letzter Urwald

Bosnien und Herzegowina hat noch eine weitere Überraschung zu bieten. Wer bei Urwäldern an den Amazonas oder Kanada denkt, liegt nicht ganz falsch. Kaum jemand vermutet jedoch einen der letzten echten Urwälder Europas auf dem Balkan.

Im Sutjeska-Nationalpark liegt der Perucica-Urwald, eines der letzten weitgehend unberührten Waldgebiete des Kontinents. Einige der Bäume sind mehrere Jahrhunderte alt und erreichen Höhen von mehr als 50 Metern. Umgestürzte Stämme bleiben hier oft einfach liegen und werden Teil des natürlichen Kreislaufs – ganz so, wie es in europäischen Wäldern früher einmal üblich war.

Der Wald gilt als eines der wertvollsten Naturgebiete Europas und bietet einen seltenen Einblick in die Landschaften, die große Teile des Kontinents vor der intensiven Besiedlung geprägt haben.

Erschienen in dieser Serie sind bereits Beiträge zu den WM-Teilnehmern
Mexiko
Usbekistan
Curacao