


Im Schritttempo schiebt sich die Le Commandant Charcot durch gewaltige Eisschollen. Kapitän Etienne Garcia konzentriert sich darauf, das Schiff auf den Punkt genau zu manövrieren – zum Pol der Unzugänglichkeit, dem einsamsten Ort der Arktis.
Rund 1.070 Kilometer von Ellesmere Island, Kanada entfernt, einer der letzten weißen Flecken auf der Weltkarte. Bis jetzt, denn wenig später bricht Jubel auf der Brücke aus, die Charcot hat erneut Seefahrtgeschichte geschrieben: Die Eisbrecher-Yacht hält mit 78°13´ Grad in der Antarktis auch den Rekord für das südlichste Schiff und war das erste Passagierschiff, das im September 2021 den Nordpol erreichte.
Gebaut für Extreme
Zwei Jahre lang hatte Garcia geplant, auf günstige Bedingungen gehofft – und geschwiegen.
Erst als er sicher war, wirklich zum Pol der Unzugänglichkeit zu gelangen, informiert er am Vorabend die Passagiere: „Sicherheit geht absolut vor, aber wir sind nicht auf einer Expeditions-, sondern auf einer Entdeckungsreise, das unterscheidet uns von allen anderen.“
Wenn andere Expeditionsschiffe umdrehen müssen, geht für die Charcot die Reise erst richtig los. Möglich macht dies eigens entwickelte Technik wie das innovative Rumpfdesign, die 50-Tonnen-Batterien für drei Stunden lautloses, emissionsfreies Fahren oder der mit LNG betriebene Dual-Fuel-Motor. So gelingt es, die zerbrechliche Arktis mit geringem ökologischem Fußabdruck zu erkunden.
Das Ponant-Schiff ist die perfekte Symbiose aus Technik und Komfort. Die 123 Passagierkabinen von 20 bis 115 Quadratmetern, alle mit Balkon, strahlen in modernem französischem Design: Warme Wollstoffe, Naturmaterialien und eine dezente Farbpalette aus Grau, Blau und Sand schaffen eine elegant-luxuriöse und zugleich behagliche Atmosphäre.
Auf Deck fünf können die Gäste einmal um
das Schiff flanieren, die Lounge auf Deck neun bietet mit großen Fenstern eine geschützte 270-Grad-Sicht. Der 430 Quadratmeter große Wellnessbereich hat ein Hallenbad, eine Sauna mit Blick auf Polarlandschaften und eine Kältekammer mit Schnee.
Heiße Waffeln am Nordpol
Am geografischen Nordpol legt das Schiff an einer riesigen Eisscholle an. Die Expeditionscrew steckt einen Bereich ab, der betreten werden darf. Begeistert spazieren die Passagiere herum, fotografieren sich vor einem Nordpolschild, werfen Postkarten in den nördlichsten Briefkasten der Welt, laben sich am Punsch- und Waffelbüfett, ganz Mutige gehen zum Eiswasserbaden, dem Polar Plunge. Doch die Charcot bietet nicht nur wirklich einmalige Erlebnisse, sondern ist auch ein schwimmendes Forschungslabor: 20 Wissenschaftler nehmen auf dieser Reise Beobachtungen und Messungen vor. Da das Schiff jedes Jahr zum Nordpol fährt, sind Arbeiten langfristig planbar und erlauben Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut ganze Messreihen: „Wir sind sehr froh über diese Möglichkeit.“ Die Wissenschaftler zeigen in Vorträgen ihre Projekte und erklären die polare Umgebung.
Die Passagiere sollen möglichst viel Wissen mitnehmen, so Expeditionsleiter Eli Gunnemark: „Wer zu Hause von dieser faszinierenden Welt berichtet, wird zu ihrem Botschafter.“
Auf dem Weg nach Spitzbergen begegnet das Schiff vielen Eisbären, Walrössern und Walen. Dazu bizarren Eisskulpturen, mit einem Farbenspiel von milchigem Weiß bis zu tiefem Blau. Die Passagiere sind ständig staunend auf den Außendecks und lauschen dem Knistern des Eises, das unter dem Schiff zerbricht. Ein fast hypnotisches Geräusch, das in seiner Vergänglichkeit die Zerbrechlichkeit dieser Region symbolisiert.


