Auto fährt in Reisebüro in Werdohl: So geht es für Lutz Hoffmann weiter

Ein Auto zerstört sein Reisebüro, der Schaden geht in die Hunderttausende. Doch Lutz Hoffmann lässt sich nicht entmutigen. Wie der Reisebüro-Inhaber den Wiederaufbau plant, welche Rolle sein Netzwerk spielt und wann es weitergehen soll.

Das mediale Interesse ist gewaltig. Drei Tage nachdem am Samstagabend gegen 20.30 Uhr ein Auto in das Reisebüro von Lutz Hoffmann im nordrhein-westfälischen Werdohl gefahren ist, kursieren im Netz zahlreiche Berichte und Videos. Im Gespräch erklärt der Inhaber des Reiseclubs Werdohl, wie es für ihn und sein vierköpfiges Team weitergeht.

Die Nachricht erreichte Lutz Hoffmann auf der Rückfahrt aus dem Urlaub. „Ein Bekannter rief an und sagte, dass ein Auto in meinem Reisebüro stecke. Es könne sein, dass die Scheibe kaputt sei“, erzählt Hoffmann am Telefon. Doch das war nur ein Teil der Wahrheit.

Unfall mit schwerwiegenden Folgen

Als der Reisebüro-Inhaber wenig später vor Ort ankam, erkannte er das ganze Ausmaß des Unfalls, dessen Ursache bislang unklar ist. Laut Polizei wurde dabei niemand schwer verletzt. Der Autofahrer kam mit Verletzungen ins Krankenhaus. Im Büro war zum Unfallzeitpunkt niemand mehr. „Glücklicherweise“, sagt Hoffmann erleichtert.

Er verweist auf eine Couch, die normalerweise direkt vor dem Schaufenster steht. Im Alltag sitzen dort regelmäßig Kunden und auch seine Tochter, wenn sie ihren Vater im Büro besucht. „Wäre der Unfall tagsüber passiert, hätte das ganz anders ausgehen können.“ Die Wucht des Aufpralls war so groß, dass das Sofa durch das Büro geschoben wurde, erzählt Hoffmann.

Den entstandenen Schaden am Reisebüro schätzt der 41-Jährige auf einen sechsstelligen Eurobetrag. Die Räume des 90 Quadratmeter großen Büros sind fast vollständig zerstört. Schaufenster und Eingangstür sind kaputt, ein Stützpfeiler wurde beschädigt, die Heizung herausgerissen. Auch der Boden muss erneuert werden. „Wir müssen quasi kernsanieren“, sagt Hoffmann.

Wiederaufbau nach dem Unfall

Trotz der immensen Schäden klingt Hoffmann am Telefon gefasst. Die Situation sei natürlich nicht schön, doch er versuche, sich auf das zu konzentrieren, was sich jetzt tun lasse. Handwerker kümmerten sich um den Wiederaufbau, die Versicherungen seien kontaktiert. Noch warte er auf die Freigabe, damit er und seine Kolleginnen mit den Aufräumarbeiten beginnen könnten. Dass zunächst ein Gutachter vor Ort sein müsse, koste wertvolle Zeit. „Am liebsten würde ich sofort loslegen.“

Für Hoffmann und sein Team bedeutet der Unfall vor allem einen erheblichen organisatorischen Aufwand. Das zerstörte Reisebüro muss ausgeräumt, vorübergehend müssen andere Räume gefunden werden. „Ich führe bereits Gespräche und hoffe, dass wir zum Ende der Woche umziehen können, um für unsere Kunden da zu sein.“

Wäre der Unfall tagsüber passiert, hätte das ganz anders ausgehen können.

Lutz Hoffmann, Inhaber des Reiseclubs Werdohl

Digitalisierung als Vorteil

Vor gut einem Jahr zog das Reisebüro-Team in neue Räume und arbeitet seitdem weitgehend digital. „Das kommt uns jetzt zugute“, sagt Hoffmann. Die Mitarbeiter nutzen Notebooks, telefonieren über Headsets und greifen auf eine ausgelagerte Telefonanlage zurück. „Wir können so überall auf der Welt arbeiten.“

Ganz ohne Folgen dürfte der Unfall dennoch nicht bleiben. Denn das Reisebüro lebt nicht allein von telefonischer Beratung und digitalen Abläufen. Auch persönliche Gespräche, das gemeinsame Betrachten von Angeboten und die Atmosphäre vor Ort gehören zum Geschäft. „Ich rechne daher schon mit Umsatzeinbußen. Aber zum Glück gibt es auch dafür Versicherungen.“

Unterstützung aus dem Netzwerk

Unterstützung erhält Hoffmann auch aus seinem Netzwerk. Er ist Mitglied der Kooperation Tourcontact. Nachdem er in einer internen Gruppe über den Vorfall berichtet hatte, meldete sich deren Chef Dirk Bender umgehend und bot seine Hilfe an. Auch zahlreiche andere Kollegen signalisierten Unterstützung. „Da bin ich schon sehr glücklich und sehr gut aufgestellt bei den Jungs und Mädels von Tourcontact“, sagt Hoffmann.

Trotz der anstehenden Arbeit bleibt Hoffmann optimistisch. Seit elf Jahren ist er in Werdohl selbstständig und hat seine Geschäftsräume im Laufe der Zeit mehrfach vergrößert. Mit einem Gestaltungskonzept landete der Reiseprofi 2019 bei den Globus Awards von touristik aktuell unter den Top 20. Der jüngste Umzug vor einem Jahr sollte eigentlich für längere Zeit die letzte Veränderung dieser Art sein.

Nun steht der nächste Neustart an. Eine Wiedereröffnungsfeier soll es geben, verspricht Hoffmann. Wann das sein wird, weiß er noch nicht. Aber das gefeiert werden soll, steht bereits fest. „Ich zelebriere alles.“

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