Guido Schulte vom Reisebüro Globrailer verkauft Zugreisen mit Leidenschaft. Seit mehr als 23 Jahren berät er Kunden zu Bahnreisen in Deutschland und Europa – und hat selbst schon außergewöhnliche Strecken bis nach Vietnam bereist.

Er gehört zu einer Spezies von Reiseverkäufern, die Kunden heutzutage schon wirklich suchen müssen. Denn in Zeiten, in denen die Bahn die Provisionen komplett gestrichen hat und das Image des Konzerns ohnehin kaum schlechter sein könnte, gibt es nicht mehr viele Reisebüros in Deutschland, die Zugtickets noch am Counter verkaufen – und dazu so kenntnisreich und mit viel Beratungsaufwand wie Guido Schulte, der Inhaber von Globrailer im sauerländischen Arnsberg.
Auf der Schiene gen Osten
Aber er kann nicht anders. Schulte verkauft nicht nur Zugreisen, er lebt sie auch. „Ich bin schon immer gern mit der Bahn gefahren. Man bekommt da ein viel besseres Gefühl für die Entfernung als beim Fliegen“, erklärt der Zugexperte. „Mein persönliches Ziel war irgendwann: Ich wollte jedes Land bereisen, das von Deutschland aus per Schiene erreichbar ist.“ Vor über 23 Jahren hatte er schließlich sein Hobby und seinen Traum zum Beruf gemacht und eröffnete – standesgemäß – im Bahnhofsgebäude von Arnsberg sein Reisebüro.
Seitdem navigiert Guido Schulte seine Kunden nicht nur geschickt durch den Tarifdschungel deutscher und europäischer Bahnen oder regionaler Verkehrsverbünde, er hat nicht wenige auch schon auf große Reisen mitgenommen. Viele davon gingen in Richtung Osten: nach Wladiwostok, auf die Seidenstraße oder ans Kaspische Meer.
Reisen in Richtung Osten und darüber hinaus
Eine der längsten Touren führte von Berlin auf dem Landweg nach Saigon in Vietnam, heute Ho-Chi-Minh-Stadt. „Das waren fast 13.000 Kilometer, wir waren fünf Wochen unterwegs“, erzählt der Bahnreiseprofi. Zurück ging es per Flug, aber das war eine Ausnahme.
Das alles ist seit dem Ukraine-Krieg schwierig geworden, da die Asien-Touren von Globrailer in Regelzügen eigentlich immer auch durch Russland führten. „Ideen gibt’s genug, aber die sind momentan leider nicht umsetzbar“, bedauert Schulte, der das letzte Mal 2019 eine seiner kleinen Reisegruppen begleitet hatte. Dann kam Corona, später der russische Angriff.
Neue Reiseziele und nachhaltige Alternativen
Daher hat sich der Reisebüro-Chef auf Zugreisen in andere Ziele konzentriert. Ihm zufolge ist die Nachfrage besonders in Richtung Italien, Spanien, Portugal und auch Skandinavien gestiegen, wobei nicht selten auch komplette Strecken ab Deutschland gebucht werden. Daneben arbeitet er mit ausgesuchten Veranstaltern wie Ameropa, Lernidee oder Chamäleon zusammen. „Ich glaube, das Thema Umwelt- und Klimaschutz wird für Urlauber immer wichtiger“, erklärt sich Schulte den Zuspruch. Für ihn selbst sei das von jeher ein wichtiges Motiv, lieber in den Zug als in das Flugzeug zu steigen.
Ein anderer Grund, warum Globrailer den Krisen bisher trotzen konnte, ist die Expertise des Bahn-Fachmanns. „Kunden vertrauen mir, dass ich die besten Preise finde, weil ich einen guten Überblick über die Tarife habe.“ Um das zu gewährleisten, nutzt Guido Schulte zur Ticketbuchung bevorzugt die jeweiligen Buchungsportale der Bahnen im In- und Ausland statt auf Traveltech-Anbieter wie Amadeus oder Sabre zu setzen.
DB-Präsenzagentur im Bahnhof
Ein weiteres Standbein ist auch die „Präsenzagentur“ der Deutschen Bahn, die dem Reisebüro regelmäßige Provisionszahlungen für den Ticketverkauf im Nahverkehr sichert. „Die Verträge dafür laufen noch sieben bis acht Jahre, also bis nach meinem Rentenbeginn“, sagt der 60-Jährige, der in drei bis vier Jahren sein Reisebüro abgeben will. Ein Abschied von den Schienen wird das nicht: „Dann organisiere ich Bahnreisen nur noch als Hobby.“



