Pauschalreiserichtlinie: DRV ruft zu Protestaktion auf

Fassade des Europäischen Parlaments in Brüssel mit dem Emblem des Parlaments und der EU-Flagge – zu sehen sind reflektierende Glasfenster, in denen sich ein gegenüberliegendes Gebäude spiegelt.
Der DRV ruft Reisebüros und Veranstalter dazu auf, ein starkes Zeichen an das EU-Parlament in Brüssel zu senden. Foto: alxpin/iStock

Die Zeit drängt: Die Verhandlungen zur Überarbeitung der EU-Pauschalreiserichtlinie sind auf der Zielgeraden. Im EU-Parlament finden die letzten Abstimmungsrunden statt, während hierzulande der Unmut weiter wächst. Nun hat der DRV zu einer Protestaktion aufgerufen.

In einem Schreiben an die Mitglieder heißt es, der aktuelle Verhandlungsstand im Parlament sei „alles andere als zufriedenstellend“. Es zeichne sich ab, dass einige sehr bürokratische und für Unternehmen kostspielige Neuregelungen gefordert würden. „Dies ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel“, so der Verband.

Musterschreiben an Abgeordnete

Der DRV bittet um Unterstützung und hat entsprechende Musterschreiben verfasst, die an ausgewählte Europa-Abgeordnete in Brüssel und Berlin gesendet werden sollen. Eine entsprechende Adressliste ist beim Verband erhältlich.

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Waren die Schreiben zunächst nur DRV-Mitgliedern vorbehalten, so können sie im Laufe des heutigen Mittwochs auch von Nicht-Mitgliedern über die Webseite des Verbandes heruntergeladen und verschickt werden.

In der Vorlage, die Reisebüros nutzen können, wird unter anderem auf die verbundenen Reiseleistungen verwiesen. Es bestehe die Befürchtung, dass im Rahmen des Gesetzgebungsprozesses die Besonderheiten der deutschen Reisebranche unbeachtet bleiben. „Während in den meisten unserer Nachbarstaaten die verbundenen Reiseleistungen („linked travel arrangements“) keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen, trägt der Verkauf dieser Leistungen in Deutschland in erheblichem Umfang zum Umsatz der deutschen Büros bei“, heißt es. Skizziert werden zudem die Folgen für Vertrieb und Kunden, sollte dieses Produktsegment wegfallen.

Reisebüros und Veranstalter sollen aktiv werden

In den Musterschreiben der Veranstalter an die Europa-Abgeordneten werden drei Beispiele angeführt, die aus Sicht des DRV „eher Unsicherheit erzeugen und neue bürokratische Lasten schaffen dürften“. Verwiesen wird etwa auf die geplante Erweiterung des Artikel 12. Diese sieht wie berichtet vor, dass künftig auch Reisehinweise der Behörden am Abreiseort und im Zielgebiet einbezogen werden sollen. Dies gehe an der Realität der Branche vorbei und sei praktisch nicht umsetzbar, lautet die Kritik.

Als „kostentreibendes Instrumentarium“ bewertet der DRV auch Artikel 24. Dieser regelt, dass Reiseveranstalter und Reisemittler ein Beschwerde-Management-System vorhalten müssen. Kunden sollen innerhalb von 30 Arbeitstagen eine begründete Antwort erhalten. Diese neue Regelung ist laut dem Verband „unverhältnismäßig“. Jüngere Umfragen hätten gezeigt, dass die Kundenzufriedenheit in Bezug auf Pauschalreisen extrem hoch (91 Prozent) sei. Probleme hätten zudem in etwa 70 Prozent der Fälle vor Ort gelöst werden können. „Nur für einen sehr kleinen Teil (drei Prozent) der Kunden konnte keine Abhilfe geschaffen werden.“

DRV will starkes Signal nach Brüssel senden

Zudem kritisiert die neue Regelung, dass künftig Verstöße gegen die novellierte Pauschalreiserichtlinie mit bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes geahndet werden können. „Für uns ist nicht nachvollziehbar, weswegen nicht an der derzeit geltenden Regelung festgehalten und die Mitgliedsstaaten wie bislang Verstöße in Eigenverantwortung regeln sollten.“

Mit den Schreiben will der DRV „ein möglichst breites Echo in Richtung Parlament“ erzeugen. „Wenn wir jetzt nicht auch auf Unternehmensebene aktiv werden, dann werden die Vorzeichen bei den Verhandlungen zwischen Rat, Kommission und Parlament eher gegen uns stehen“, mahnt der Reiseverband.

Mitglieder sollten schnellstmöglich aktiv werden: Laut dem DRV wird die finale Parlamentsposition zur Pauschalreiserichtlinie durch ein Plenarvotum des Parlaments voraussichtlich am 7. Juli erfolgen. Nach der Sommerpause werden der Rat und das EU-Parlament unter Beteiligung der Kommission versuchen, eine gemeinsame Position zu finden. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, dass die Reisewirtschaft ein starkes Signal nach Brüssel sende.

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